Besitz von Anleitungen zum Bombenbau

Nordhessische Neonazis: Direkter Kontakt zur Zwickauer Terrorzelle

Kassel/Schwalmstadt. Die Neonazis in Nordhessen sind offenbar gefährlicher und gewaltbereiter als bisher bekannt. Es gibt zudem Kontakte, die direkt zu der Zwickauer Terrorzelle und deren Umfeld führen. Das geht aus geheimen Akten des Hessischen Landeskriminalamtes hervor.

Die HNA hatte jetzt Einblick in Fotokopien dieser Unterlagen. Die Akten belegen zudem, dass die Fahnder bei den Freien Kräften Schwalm-Eder 65 Bilddateien mit Anleitungen zum Bau von Bomben fanden. Desweiteren befindet sich in den Unterlagen ein Foto, das den früheren Kopf der Freien Kräfte Schwalm-Eder, Kevin S., mit dem am Dienstag verhafteten ehemaligen Vize-NPD-Vorsitzenden in Thüringen, Ralf Wohlleben, zeigt.

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Kevin S. war vom Kasseler Landgericht wegen des Anschlags am Neuenhainer See auf ein linkes Zeltlager im Jahr 2009 zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er soll jetzt in Alsfeld leben. Wohlleben soll direkt an der Nazi-Mordserie beteiligt gewesen sein, indem er der Zwickauer Zelle unter anderem eine Waffe lieferte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum sechsfachen Mord vor. Das Foto zeigt Kevin S. und Wohlleben beim „Tag der nationalen Jugend“ 2008. Kevin S. soll sich außerdem in dem Haus in Jena aufgehalten haben, in dem auch die toten Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wohnten.Experten schätzen den harten Kern der Neonazis im Schwalm-Eder-Kreis auf 30 bis 40 Personen. Die NPD habe 2007 die Parole ausgegeben, über das Land die Städte zu erobern. Darum die Aktivitäten im Schwalm-Eder-Kreis, aber auch im Werra-Meißner-Kreis und im Raum Frankenberg.

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Zum Kasseler Freien Widerstand, in dem der frühere Schriftführer der Kasseler Nord-CDU, Daniel B., Mitglied sein soll, sollen die Freien Kräfte Schwalm-Eder keine intensiven Kontakte haben.

Am Donnerstag gibt die Bundesanwaltschaft Auskunft zum Ermittlungsstand der Mordserie. (tho)

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