Nach Aussage im NSU-Prozess vor Gericht in München

Yozgats Eltern: Zschäpe lügt - Anwalt: NSU-Unterstützer in Kassel

Kassel. Das Verlesen der Aussage von Beate Zschäpe im Münchener NSU-Prozess sei ein „jämmerlicher, erbärmlicher Auftritt“ gewesen. Das sagt der Rechtsanwalt der Familie Yozgat.

Der Hamburger Rechtsanwalt Thomas Bliwier vertritt die Kasseler Familie als Nebenkläger. Halit Yozgat war von dem NSU am 6. April 2006 in seinem Internet-Café an der Holländischen Straße erschossen worden.

Halit Yozgats Eltern waren im Gerichtssaal, als Zschäpes Aussage verlesen wurde. „Sie haben sich das mit großer Betroffenheit angehört“, sagt Thomas Bliwier. „Sie waren erschüttert“, so der Anwalt im HNA-Gespräch. Beide hätten anschließend gesagt: „Die Aussage war gelogen.“

Die Entschuldigung von Beate Zschäpe hätten Halit Yozgats Eltern „mit Entschiedenheit“ zurückgewiesen. Mit der Begründung: Wer so die Unwahrheit sage, dem glaube man auch eine angebliche Entschuldigung nicht, sagt Bliwier.

Thomas Bliwier

Der Anwalt ist der Ansicht, dass in dem Münchener NSU-Prozess noch viel aufgeklärt werden müsse: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es auch in Kassel eine regionale Unterstützerszene gibt, die eine Rolle gespielt hat.“ Man habe Hinweise darauf, dass Tatorte in Kassel ausgespäht worden seien. Auf einem Stadtplan seien mögliche Anschlagsziele gefunden worden, zu denen auch die Holländische Straße gehört habe. „Das muss man weiter aufklären. Wir hoffen, dass die Eltern Yozgat Antworten bekommen“, sagte Bliwier auch in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Auch nach Zschäpes Aussage bleibe die Frage weiter offen: Warum wurde ausgerechnet Halit Yozgat Opfer der NSU und was hat der Verfassungsschutz damit zu tun?

Es habe Gerüchte gegeben, dass Beate Zschäpe in ihrer Aussage auch auf den Mord an Halit Yozgat eingehen würde. Das tat sie dann aber nicht.

Damit bleibt der frühere Hofgeismarer Verfassungsschützer Andreas T., der zum Zeitpunkt des Mordes am Tatort war, für den Anwalt eine Schlüsselfigur im Fall Yozgat. Welche Rolle der Verfassungsschutz gespielt habe, müsse aufgeklärt werden, fordert Bliwier. „Die Antwort liegt in den Aktenbeständen des hessichen Verfassungschutzes.“

Der Anwalt fordert, dass diese Akten herausgegeben und im Prozess behandelt werden. Aber: Die Akten seien auf Anweisung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) gesperrt worden.

Bliwier: „Bouffier hat die V-Leute geschützt, die konnten ja nicht vernommen werden.“ Er und seine Anwaltskollegen würden nun alles daransetzen, dass die Akten freigegeben werden. Bliwier: „Wir wollen endlich sehen, was im Landesamt für Verfassungsschutz tatsächlich abgelaufen ist und wie das Amt in den Mord an Halit Yozgat verstrickt ist.“

Rubriklistenbild: © dpa

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