Gültig für Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtungen

NVV-Tickets für Flüchtlinge: Preis wird vom Taschengeld abgezogen

Kassel. Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Hessen sollen ab Mai ein so genanntes Flüchtlingsticket erhalten, mit dem sie Busse und Bahnen im Gebiet um ihren Unterbringungsort nutzen können.

Das gab Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitag in Wiesbaden bekannt. Für den Raum Kassel soll das Ticket im Gesamtgebiet von Stadt und Landkreis gelten, stellte ein Ministeriumssprecher auf HNA-Anfrage klar. Das Flüchtlingsticket soll in den Hausausweis integriert werden, den jeder Flüchtling bei der Neuaufnahme in einer der Erstaufnahmeeinrichtungen zur Registrierung erhält. Es wird für maximal drei Monate gültig sein - oder entsprechend anteilig, wenn die Nutzer dann einer Stadt oder Gemeinde zugewiesen werden.

Finanziert wird das Ticket von den Flüchtlingen selbst über eine obligatorische Solidarabgabe, die von ihrem monatlichen Taschengeld abgezogen wird. Der Abzug beläuft sich je nach Unterkunftsort auf maximal 23 Euro für Erwachsene und auf bis zu 14 Euro für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Jüngere Passagiere fahren in Bussen und Bahnen ohnehin gratis.

Je nach Alter und Familienstand der Flüchtlinge wird ein persönlicher Bedarf zwischen 76 und 135 Euro als notwendig angesehen. Nach einer bundesweiten Gesetzesänderung sei es nun möglich, den Anteil der Sachleistungen zu erhöhen und damit die Geldzahlungen zu reduzieren, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Dies werde mit den Flüchtlingstickets nun genutzt.

Grüttners Kabinettskollege Al-Wazir sprach von einem „wichtigen Beitrag, damit Flüchtlinge auch am sozialen Leben teilhaben können - sei es die Fahrt zum Sprachkurs, zum nächsten größeren Supermarkt oder einfach in den nächstgelegenen Ort“.

Die hessischen Verkehrsverbünde RMV, NVV und VRN hätten an dieser Mobilitätslösung maßgeblich mitgearbeitet, sagte Al-Wazir. Sie selbst profitierten durch gesicherte Einnahmen für die Beförderungsleistungen, die Flüchtlinge in Anspruch nehmen.

NVV-Sprecherin Sabine Herms sagte, im Vergleich zum Beginn der Flüchtlingswelle hätten sich viele anfängliche Probleme inzwischen normalisiert. In Bussen und Bahnen gebe es „natürlich immer mal wieder Verständigungsprobleme und Unsicherheiten“ - etwa über das Gültigkeitsgebiet von Fahrscheinen.

Mit dem geplanten Flüchtlingsticket gebe es nun für die meisten Lebenslagen der Zuzügler ein Angebot im Nahverkehr, sagte Herms. Sofern die Menschen eine längere Bleibeperspektive hätten und dann später unter das Asylbewerber-Leistungsgesetz fielen, hätten sie Anspruch auf die vergünstigten Diakonie-Tickets von NVV und KVG.

Eine Informationskampagne zum Flüchtlingsticket soll lnach Angaben des Landes noch im April starten. Die Ausgabe der Tickets könne dann ab Mai beginnen.

Hintergrund: Derzeit sieben Erstaufnahmen im Raum Kassel

Sieben Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge gibt es derzeit in der Region - davon in der

Stadt Kassel: 

• Bereitschaftspolizei-Gelände in Niederzwehren;

• Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe;

• Veterinäruntersuchungsamt an der Druseltalstraße.

Landkreis Kassel: 

• Alter Flugplatz in Calden;

• Fritz-Erler-Anlage in Fuldatal-Rothwesten;

• Ehemaliges Hornbach-Gartencenter, Lohfelden, sowie

• Hofgeismar-Beberbeck.

Weil die Zahl der Neuankömmlinge stark rückläufig ist, will das Land Hessen in den kommenden Monaten vier der Einrichtungen schließen. Längerfristig bestehen bleiben sollen nur noch die Erstaufnahmen in Kassel-Niederzwehren, in Calden sowie in Rothwesten. Nur noch als Reserve für alle Fälle soll der Standort in Lohfelden vorgehalten werden.

Rubriklistenbild: © Malmus/Archiv

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