Angeklagter kann sich an Messerattacke auf Ehefrau nicht erinnern

Brach sein Schweigen: Der 46-jährige Angeklagte aus Bulgarien schilderte das Geschehen, konnte sich aber an die eigentliche Tat nicht erinnern. Rechts Verteidiger Dr. Carsten Keil. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Am dritten Verhandlungstag im Totschlags-Prozess vor der 6. Strafkammer des Landgerichts hat der Angeklagte sein Schweigen gebrochen.

Er hat die Tat am 4. Januar in Oberzwehren aus seiner Sicht über seinen Anwalt geschildert.

Verteidiger Dr. Carsten Keil verlas die Stellungnahme des 46-jährigen Bulgaren. Demnach sei er am Tattag mit seiner getrennt lebenden Ehefrau in deren Wohnung am Mattenberg verabredet gewesen. Sie wollten einen Gang in die Stadt mit dem gemeinsamen, im September 2014 geborenen Sohn unternehmen. Wenige Monate zuvor hatte das Amtsgericht ein Annäherungsverbot für den Angeklagten an die Frau verfügt, die zu diesem Zeitpunkt mit dem Kind in einem Frauenhaus Schutz gesucht hatte.

Die 32-Jährige habe ihm Haus- und Wohnungstür geöffnet. Schon im Flur der Wohnung habe die Frau die Verabredung zum Stadtgang aufgekündigt und ihm gesagt, dass er das Kind künftig nicht mehr sehen werde. Der sich daraus entwickelnde lautstarke Streit sei schnell eskaliert. Schließlich sei die Frau in die Küche gelaufen und mit einem Messer in der Hand zurück gekommen. „Ich bringe dich um, ich bringe dich um“, habe sie gerufen.

Er wisse nur noch, dass er ihr das Messer aus der Hand gerungen habe. Dann sei seine Erinnerung völlig ausgelöscht. Erst im Gefängnis sei er wieder zu sich gekommen und habe von einem Zellengenossen erfahren, dass er seine Frau mit 19 Messerstichen getötet habe.

Er sei geschockt und verzweifelt über seine Tat, die ihm sehr leid tue. Weitere Aussagen werde sein Mandant im Prozess nicht machen, kündigte Verteidiger Keil an. Auch Fragen wolle er nicht mehr beantworten.

Vor dieser Aussage hatten die Mutter des Angeklagten und sein 25-jähriger Sohn aus erster Ehe als Zeugen ausgesagt. Die 68-Jährige war im August 2015 aus Bulgarien zu ihrem Sohn gezogen, um sich mit um das Kind zu kümmern. „Er wollte mit ihr zusammenleben, er hat sie sehr, sehr gemocht“, übersetzte eine Dolmetscherin.

Der Sohn hatte seinen Vater erst mit 20 kennengelernt und war in mit die Drei-Zimmer-Wohnung gezogen. Mit seiner Stiefmutter, einer Russin, habe es immer wieder Streit wegen Kleinigkeiten gegeben. Die Frau habe seinen Vater nur geheiratet, um ein Visum für Deutschland zu bekommen, sagte der junge Mann, der in Deutschland studiert. Dies habe sie mehrfach gesagt und nur deshalb habe sie dem Vater auch einen Heiratsantrag gemacht.

Der Sohn bestritt, sich der jungen Frau seines Vaters in der gemeinsamen Wohnung sexuell genähert zu haben. Dieser Verdacht hatte sich in den Akten des Prozesses gefunden. Aber, so sagte er aus, der häufige Streit zwischen ihm und der Stiefmutter sei ausschlaggebend für deren Auszug ins Frauenhaus gewesen. Die Freundin des Sohnes, gleichfalls eine in Deutschland lebende Bulgarin, schilderte den Angeklagten als ruhigen und freundlichen Menschen.

Das Verfahren wird am Mittwoch, 12. Oktober, um 9 Uhr im Saal D 130 des Landgerichts fortgesetzt.

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