Ehefrau hatte mit Baby Zuflucht im Frauenhaus gesucht

Getötete Frau aus Oberzwehren: Aufgeschlossen und voller Optimismus 

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Mahnwache am Königsplatz für das Opfer.

Kassel. Nach dem „Frauenmord“ in Oberzwehren stehen Freundinnen, Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen des Kasseler Frauenhauses nach eigenen Angaben unter Schock.

„Julia war eine aufgeschlossene junge Frau, die voller Optimismus in die Zukunft schaute. Sie war stolz und glücklich darüber, dass sie es geschafft hatte, sich aus der Gewaltsituation endgültig gelöst zu haben.“ Mit diesen Worten umschreiben sie die Person und die Situation der am Montagmorgen getöteten 32-jährigen Mutter.

Die Ehefrau war Mitte 2015 aus einer Gewaltsituation geflohen. Sie hatte mit ihrem einjährigen Sohn im Frauenhaus Zuflucht gefunden und lebte dort bis Oktober. Erst seit kurzer Zeit wohnte sie mit ihrem Sohn in dem Mehrfamilienhaus am Mattenberg.

„Mit dem Anmieten einer eigenen Wohnung startete sie voller Zuversicht in ihr neues eigenständiges Leben, das jetzt so jäh und so gewalttätig beendet wurde“, berichteten die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Die aus Kassel stammende Frau habe in der Stadt bleiben wollen.

Julias Bemühungen, die Adresse vor ihrem Ehemann geheim zu halten, seien gescheitert. Zwangsläufig habe sie mit dem 45-Jährigen über den Kontakt mit dem gemeinsamen Sohn in Verbindung gestanden. Viele Bewohnerinnen des Frauenhauses seien ihre Freundin geworden und hätten mit ihr in Kontakt gestanden. Zum gemeinsamen Gedenken hatten Freundinnen und Mitarbeiterinnen für Mittwochabend aufgerufen. Sie legten am Tatort – vor dem Wohnhaus am Mattenberg – Blumen nieder und entzündeten Kerzen.

Hintergrund: Problematisches Sorgerecht

Für Mütter und Kinder entstehen durch das gegenwärtige Sorge- und Umgangsrecht „oft höchstproblematische und lebensgefährliche Situationen“, sagt Eva Hack, Mitarbeiterin des Frauenhauses Kassel. Auch misshandelte Frauen würden sehr schnell nach der Flucht vom Täter wieder in Kontakt mit ihm gezwungen, um das gemeinsame Sorgerecht auszuüben.

Selbst massive Gewalt führe in der Regel nicht zur Aussetzung oder zum Ausschluss des Umgangsrechtes. Hack: „Zahlreiche Frauen und Kinder wurden bei derartigen Umgangskontakten ermordet oder schwer verletzt.“

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