Religion verbietet gemeinsamen Aufenthalt mit Männern

Hallenbad Süd: Muslimische Frauen wollen mehr Badezeit

Samstags zwischen 8 und 10 Uhr dürfen nur Frauen ins Hallenbad Süd: (von links) Azar Zamanzadeh, Laura Schäfer (Fachangestellte Bäderbetriebe), Zoreh Almadani, Ferizet Gök mit Tochter Sila (10) und Neffe Fatih Dogan (4), Timogin Besi, Birgit Hengesbach-Knoop und Brigitte Bischof. Fotos:  Malmus (2)

Oberzwehren. Frauenschwimmen ist für viele Muslima die einzige Möglichkeit, ein Schwimmbad aufzusuchen. Denn die Religion verbietet es ihnen, gemeinsam mit Männern dem Wassersport nachzugehen. Jetzt fordern sie mehr männerfreie Zeit im Wasser.

Ferizet Gök aus Kassel kann nur alle paar Wochen zum Schwimmen gehen. „Ich arbeite samstags fast immer“, sagt die 40-jährige Frau mit türkischen Wurzeln. An diesem Samstag nun hatte sie frei und nutzte die Zeit, um mit ihren Kindern und weiblichen Verwandten das Hallenbad Süd in Oberzwehren zu besuchen. Zwischen 8 und 10 Uhr dürfen hier nur Frauen rein.

Was Stadt und Städtische Werke zu der Forderung sagen, lesen Sie im Artikel unten.

Der Frauentreff Brückenhof bietet jeden Samstagmorgen Frauenschwimmen in dem sanierten Hallenbad in Oberzwehren an. Für viele Muslima sei das die einzige Möglichkeit, ein Schwimmbad aufzusuchen, sagt Birgit Hengesbach-Knoop vom Frauentreff.

„Das hat mit Religion zu tun. Der Koran verbietet mir, in ein Schwimmbad zu gehen, wo auch Männer sind“, sagt Ferizet Gök. Sie und weitere Muslima wünschen sich, dass ihre Schwimmzeiten ausgeweitet werden. „Kaum ist man morgens im Wasser und hat Spaß, dann muss man auch schon wieder raus, um zu duschen“, sagt die 40-Jährige.

„Zwei Stunden sind zu knapp“, sagt auch Zohreh Almadani. Die Frau, die aus dem Iran stammt, hat kein Problem damit, auch zu Zeiten ins Schwimmbad zu gehen, an denen sich dort auch Männer aufhalten. Aber gläubigen Muslima gehe es da anders. Das Problem sei, dass sich die Frauen erst ab 8 Uhr eine Karte kaufen könnten, um ins Bad zu gelangen. Bis alle drin seien, sei es schon 8.15 Uhr. Manchmal kämen um die 100 Frauen. Wenn die alle gleichzeitig duschen wollten, werde es eng. Zudem müssten sie auch rechtzeitig wieder aus dem Wasser, um bis 10 Uhr draußen zu sein. Für die Frauen verbiete es sich, Männer im Umkleidebereich anzutreffen.

Sprachschwierigkeiten 

Natürlich dürfen zu diesen Zeiten auch nur Frauen im Bad arbeiten. Laura Schäfer ist Fachangestellte für Bäderbetriebe. Ganz einfach sei der Umgang mit den Frauen nicht. Das Problem sei, dass viele sie nicht verstünden, wenn sie sie auf falsches Verhalten aufmerksam mache. Manche Muslima wollten Leggins im Wasser tragen oder ließen ihre Kleinkinder ins Schwimmerbecken. Wenn sie das anspreche, wollten viele Frauen das erst mit ihr ausdiskutieren, sagt Laura Schäfer. „Ich werde von denen nicht ernst genommen. Es wäre schön, wenn sich die Frauen an die Regeln halten würden.“

Bei Problemen vermitteln die Mitarbeiterinnen des Frauentreffs. Birgit Hengesbach-Knoop hat den Wunsch, das Frauenschwimmen bis 12 Uhr auszuweiten oder an einem weiteren Nachmittag unter der Woche anzubieten. Das sei auch für die Kinder wichtig, um mit den Müttern schwimmen zu gehen. Allerdings dürfen Jungen nur bis zum Alter von sieben Jahren beim Frauenschwimmen dabei sein.

Nicht alle Schwimmer teilen diesen Wunsch. Am Samstagmorgen warten um kurz vor 10 Uhr schon einige Männer - auch welche mit Kindern - das Bad endlich betreten zu dürfen. „Für uns wäre es auch schön, wenn wir am Wochenende frühere Zeiten zum Schwimmen hätten“, sagt Peter Wagner aus Kassel.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Stadt und Städtische Werke wollen Frauenschwimmen nicht ausweiten

Eine Anfrage im Sozialausschuss vergangene Woche hat Birgit Hengesbach-Knoop (Frauentreff Brückenhof) zu dem Thema wenig Hoffnung gemacht. Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel will die Zeiten für das Frauenschwimmen nicht ausweiten. Bei den Städtischen Werken sieht man das genauso: Zwar werde das Angebot im Hallenbad Süd recht gut angenommen, schwanke aber stark - zwischen 15 und 133 Besucherinnen, so Sprecher Ingo Pijanka. Der Durchschnitt in diesem Jahr liege bei 63 Besucherinnen.

Natürlich kämen nicht so viel Badegäste wie zu Zeiten ohne Einschränkung. Und das vermindere die Einnahmen für die Städtischen Werke. Und das ist auch der Grund, warum die Städtischen Werke einer Frauensauna im Auebad skeptisch gegenüberstehen würden. „Wenn wir Zeiten exklusiv für bestimmte Gruppe anbieten, grenzen wir in dieser Zeit andere Bevölkerungsgruppen systematisch aus. Außerdem generieren Exklusivzeiten Nachfragen nach weiteren Exklusivzeiten für andere Gruppen, die unter sich bleiben möchten. So gibt es tatsächlich Nachfragen nach einer reiner Männersauna“, sagt Pijanka. (use)

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