Nobelpreisträger Stefan Hell begeisterte an der Universität Kassel

Volle Hörsaal für den Stargast aus Göttingen: Nobelpreisträger Prof. Stefan Hell (Mitte) wurde von Universitätspräsident Dr. Reiner Finkeldey und Prof. Dr. Burkhard Fricke begrüßt. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Der Göttinger Nobelpreisträger Professor Stefan Hell war zum Tag der Physik am Samstag zu Gast an der Uni Kassel.

Wenn Prof. Stefan Hell über seine Arbeit und seine Forschung erzählt, gerät er ins Schwärmen. „Es war toll, das zu studieren, was mir schon immer Spaß gemacht hat, in der Schule“, sagte er mit Blick auf einen überfüllten Hörsaal im AVZ der Universität Kassel in Oberzwehren. Physikstudenten, Schüler und andere interessierte Besucher des Tages der Physik hingen gebannt an den Lippen des Nobelpreisträgern aus Göttingen.

„Physiker machen Dinge manchmal zu kompliziert“, räumte er ein, um dann anschaulich zu erklären, welch Durchbruch ihm mit seiner Forschung gelungen ist. Denn bis zu seiner Entdeckung glaubte man über 130 Jahre lang an den Grundsatz des Physikers Ernst Abbe, der die Beugungsgrenze des Lichts beschreibt. Dessen Formel besagt, dass durch eine Linse gebündeltes Licht keinen Punkt beleuchtet, sondern einen Lichtfleck.

Stickstoffqualm im Physiklabor: Uni-Mitarbeiter Silvio Morgenstern lockte mit seinem Experiment neugierige Zuschauer an.

Dies bedeutet, dass mit einem Lichtmikroskop nie kleinere Strukturen als 200 Nanometer sichtbar gemacht werden können. „Diese Beugungsgrenze zu brechen, wäre wirklich cool“, befand der damals 27-Jährige Doktorand an der Universität Heidelberg. Und damit entschied er sich für einen mitunter steinigen und auch entbehrungsreichen wissenschaftlichen Weg. „Ich war aber nicht unglücklich, denn ich habe das gemacht, was ich wollte. Ich war begeistert von der Idee“, schilderte er charmant und witzig in seinem mitreißenden Vortrag. „Die Leute haben gesagt: gute Idee. Aber keiner hat geglaubt“, dass es funktioniert. Stefan Hell jedoch zeigte es allen: Mit einem Trick gelang es ihm, optische Grenzen zu überwinden und auch kleinste Moleküle sichtbar zu machen. Dazu werden fluoreszierende Moleküle an Moleküle angehängt, die man durch ein Mikroskop betrachten will. Während ein erster Lichtstrahl die Moleküle zum „Leuchten“ bringt, beruhigt ein zweiter Laserblitz die Moleküle, die „abgeschaltet“ werden sollen, um einen klitzekleinen Bereich in der lebenden Zelle sichtbar zu machen.

Nobelpreisträger Hell am AVZ in Oberzwehren

Mithilfe dieser, von Hell entwickelten Technik konnten Forscher beispielsweise Eiweißmuster auf Aids-Viren sichtbar machen. Über kurz oder lang werde man auch neurologische Erkrankungen besser verstehen und behandeln können, ist sich Hell sicher.

Sehr zur Freude der Zuhörer ließ der dreifache Familienvater sie auch an seinen Erlebnissen während der Preisverleihung in Stockholm im Dezember 2014 teilhaben. Da er den ganzen Abend neben der schwedischen Prinzessin Madeleine saß, wollte ihn am nächste Tag auch die Zeitschrift „Bunte“ befragen - allerdings zu den Gesprächen mit seiner Tischnachbarin.

Sichtlich erfreut war der Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen über die vielen jungen Zuhörer, die in Kassel seiner Vorlesung folgten.

Wie man die junge Generation dafür begeistern könne, Physik und Chemie zu studieren, wollte jemand wissen. „Ich glaube, die Lehrer sind das Entscheidende“, antwortete Stefan Hell. Vielleicht ist es auch sein Beispiel, dem einige folgen werden.

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