Staatsanwaltschaft plädiert auf acht Jahre Haft für Totschlag

Tötungsdelikt in Kassel-Oberzwehren: Anwältin fordert lebenslänglich

Kassel. Lebenslänglich wegen Mordes. Mit dieser Strafforderung setzte gestern Nebenklage-Anwältin Gudrun Meyer einen Paukenschlag im Totschlags-Prozess gegen einen 46 Jahre alten Mann aus Bulgarien.

Er hat gestanden seine getrennt von ihm lebende 32-jährige Ehefrau am 4. Januar in ihrer Wohnung in Oberzwehren mit 19 Messerstichen getötet zu haben.

Dieser Kerntatbestand ist unstrittig, jedoch kamen die Prozessbeteiligten bei den Plädoyers gestern vor der 6. Strafkammer des Landgerichtes zu völlig unterschiedlichen Bewertungen.

Meyer, die die Hinterbliebenen des Opfers vertritt, sah hinter der Bluttat einen geplanten Mord. Der Angeklagte habe mit zunehmendem Hass auf die Trennung von Frau und dem gemeinsamen Kind reagiert. Zwei Tage vor der Tat habe er das Haustürschloss so manipuliert, dass er immer Zutritt zu dem Haus am Mattenberg hatte.

Die Tat selbst sei eine „Bestrafungsaktion“ mit „Übertötung“ gewesen, mehrere Stiche seien für sich tödlich gewesen. In seinem unbedingten Tötungsvorsatz habe er sich nicht einmal von einer Zeugin vor der Tür abhalten lassen.

Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt hingegen sah die Tötung als spontane Tat, die sich während des sich hochschaukelnden, lautstarken Streites zwischen den Ehepartner um das einjährige Kind ereignet habe.

Die Frau habe aus der Küche ein Messer geholt, um den Angeklagten zu vertreiben. Der habe ihr das Messer entrissen und auf sie eingestochen.

Gegen einen geplanten Mord spreche, so Weigelt, der lange, lautstarke Streit, die gestammelte Entschuldigung des Mannes und seine absolute Verzweiflung danach. Todesdrohungen vor der Tat seien nicht nachweisbar.

Ein ganz eigenes Bild zeichnete Verteidiger Dr. Carsten Keil: Die junge Russin habe als Dolmetscherin in Russland gearbeitet und sich nach Deutschland gesehnt. Bei einem Urlaub hier habe sie dem Angeklagten nach nur zwei Wochen Bekanntschaft einen Heiratsantrag gemacht, damit er ihr als EU-Bürger so eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland verschafft. Er aber habe sich „unsterblich“ in die Frau verliebt und die spätere Trennung von ihr und dem gemeinsamen Kind nicht verkraftet. Die Tötung sei völlig ungeplant im Zustand einer „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ erfolgt, eine „Affekthandlung. Keil forderte sechs Jahre Haft wegen Totschlags. Die 6. Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Volker Mütze an der Spitze will am kommenden Montag, 14. November, ab 13 Uhr in Saal D 130 urteilen.

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