Feuer wurde am 26. August 1972 durch Stadt getragen

Olympische Spiele 1972: Tausende jubelten den Fackelläufern in Kassel zu

Kassel. Am Wochenende beginnen die Olympischen Spiele in Rio. 1972 wurde das olympische Feuer auf dem Weg von München nach Kiel (Segelwettbewerbe) auch durch Kassel getragen.

Die Route ging über Bad Hersfeld, Rotenburg, Melsungen, Hann. Münden und Northeim.

„Es war eine große Ehre für mich, die Fackel durch Kassel zu tragen“, sagt Attila Holéczy. 1956 war der heute 79-Jährige nach dem Aufstand in Ungarn mit seinem Vater Kornel aus der Heimat geflüchtet und ließ sich in Kassel nieder. In Ungarn war der Allroundläufer, der von 400 Metern bis Marathon alle Distanzen gelaufen ist, bereits Juniorenmeister im Skilanglauf gewesen.

Es war ein großartiges sportliches Ereignis am Samstag, 26. August 1972, das mehrere Tausend Schaulustige an Kassels Straßen verfolgten. Es war gegen 17 Uhr, als das olympische Feuer von Fackelträgern des Sportkreises Melsungen im Fuldabrücker Ortsteil Dörnhagen an Sportler des Sportkreises Kassel überreicht wurde. Am Vereinshaus des Ruderclubs Kassel am Auedamm wurde das Feuer an einen „Achter“ übergeben, der es auf der Fulda bis zur Drahtbrücke an der Hessenkampfbahn transportierte. Dass Ruderer das olympische Feuer trugen, sei bei den Olympischen Spielen 1972 einmalig gewesen, berichtete unsere Zeitung. An der Hessenkampfbahn kam dann Attila Holéczy ins Spiel. Er zündete seine Fackel am Feuer der Ruderer an und lief (alle 6500 Läufer durften ihre Fackel und das Laufshirt behalten) bis zur Übergabe zum Staatstheater.

Komitee in Kassel gebildet

Ludwig Müller (mehrfacher deutscher Meister über 5000 und 10 000 Meter) trug die Fackel schließlich zum Rathaus, wo er von Oberbürgermeister Karl Branner und vielen applaudierenden Menschen erwartet wurde. Der Show-, Tanz- und Fanfarenzug der Zisselgilde musizierte und Branner erinnerte daran, dass das Organisationskomitee für diese Olympischen Spiele im Jahr 1966 im Kasseler Rathaus gebildet worden war, nachdem die Entscheidung für München gefallen war.

Kürzlich hat der mittlerweile 79-jährige Sportler sich mit der Fackel noch einmal dort fotografieren lassen. Foto:  Seringhaus , Fischer

Die Fackel blieb nicht lange im Rathaus. Kaum hatte der Oberbürgermeister seine Ansprache beendet, trug Karl Heinz Barchfeld (Angehöriger der 4x100-Meter-Staffel) das Feuer zurück auf die Obere Königsstraße und setzte den Lauf Richtung Norden fort. Schließlich sollten die Kasseler Läufer das olympische Feuer bis 18.40 Uhr an der hessisch-niedersächsischen Landesgrenze im Fuldataler Ortsteil Wilhelmshausen an den Landessportbund Niedersachsen übergeben.

Attila Holéczy hat heutzutage „leider keinen Kontakt mehr“ zu den anderen Fackelläufern aus Kassel. Gisbert Wöhleke und Wolfgang Falkowsky sind bereits tot.

Holéczy läuft auch nicht mehr - aus gesundheitlichen Gründen. Seit 1996 fährt er Rad. „Ich mache mindestens fünf Mal die Woche Sport“, sagt der 79-Jährige. „Mein Körper verlangt danach, sonst fühle ich mich schlecht. Mein Sport ist mein Leben.“

Seine olympische Fackel hat Holéczy, der mit seiner Frau im Vorderen Westen lebt, bis heute aufgehoben. Neben der Fackel, die sein Vater Kornel, der ebenfalls erfolgreicher Leichtathlet und Skiläufer war, anlässlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin durch Budapest tragen durfte.

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