Ulrich Kraß musste mit 19 Jahren zum ersten Mal zur Dialyse

Niere als Lebens-Geschenk - Kasseler lebt seit 25 Jahren mit Spenderorgan

Besuch auf der KFH-Dialysestation: Ulrich Kraß (links) musste im Alter von 19 Jahren das erste Mal an die Dialyse. Dank einer Spenderniere, die er vor 25 Jahren erhielt, geht es dem Familienvater heute gut. Darüber freut sich auch sein behandelnder Arzt Dr. Hans-Jürgen Talartschik.   Foto:  Heise-Thonicke

Kassel. Nach all dem Leid und der schwierigen Zeit, die hinter ihm liegt, weiß Ulrich Kraß, dass er großes Glück hatte. Seit fast genau 25 Jahren lebt er mit einer Spenderniere, die ihm ein neues Leben schenkte.

Samtag, 4. Juni, ist der Tag der Organspende. Er soll auch helfen, nach den Skandalen um Patientenakten in den vergangenen Jahren verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Denn mehr als 10 000 Menschen warten bundesweit auf ein Spenderorgan.

Der 53-jährige Kasseler Ulrich Kraß war 19 Jahre alt, als er das erste Mal an die Blutwäsche (Dialyse) musste, weil seine Nieren den Dienst versagten. Durch eine angeborene Erkrankung, bei der durch eine Undichtigkeit im Blaseneingang sich der Harn in die Nieren zurückstaute, waren die Organe über die Jahre stark geschädigt worden. „Bereits mit 16 Jahren haben mir die Ärzte gesagt, das ich einmal Dialysepatient werde“, erinnert sich Ulrich Kraß an diese Zeit.

Er kämpfte darum, ein möglichst normales Leben zu leben, übte auch seinen Sport (Leichtathletik und Fußball) weiter aus. „Das ging schon, auch wenn meine Leistungen nicht mehr zu 100 Prozent da waren.“ Auch absolvierte er seine Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten.

Vier Jahre lang wartete Ulrich Kraß auf seine erste Niere, die sein Körper nach dreieinhalb Jahren wieder abstieß. Erneut musste der damals junge Mann viermal in der Woche an die Dialyse. Fünf Jahre später erhielt Ulrich Kraß eine zweite Chance. Bereits wenige Tage nach der Transplantation hatten sich seine Blutwerte fast normalisiert, zeigt er anhand seiner damaligen Aufzeichnungen. In den darauf folgenden Monaten versuchte sein Körper dreimal, das Spenderorgan abzustoßen, was moderne Medikamente aber verhindern konnten.

„Das erste Jahr nach einer Transplantation ist das kritischste Jahr“, erläutert Dr. Hans-Jürgen Talartschik, Facharzt für Innere Medizin, Nieren- und Hochdruckkrankheiten, der Ulrich Kraß schon seit vielen Jahren behandelt.

Nach sieben Jahren würden bei rund der Hälfte der transplantierten Patienten die Nieren wieder abgestoßen. „Wer auch nach sieben Jahren noch eine gut funktionierende Niere hat, habe eine große Chance, diese bis zum Ende seines Lebens zu behalten“, erläutert der Mediziner. Ulrich Kraß ist glücklich, dass es ihm mit dem gespendeten Organ seit Jahren so gut geht, dass er eine Familie gründen, seinen Beruf ausüben und ein fast normales Leben führen konnte.

Damit dies so bleibt, nimmt er täglich Medikamente, die eine Organabstoßung verhindern, geht alle sechs bis acht Wochen zur medizinischen Kontrolle und lebt möglichst gesund. Das Spenderorgan habe ihm Lebenszeit und Lebensqualität geschenkt, sagt der Familienvater dankbar. Und: „Durch Organspenden können viele Menschenleben gerettet werden“, sagt er in der Hoffnung, dass künftig mehr Menschen durch einen Organspendeausweis ihre Bereitschaft zur Spende dokumentieren.

Hintergrund: Mehr als 10 000 warten auf Spenderorgan 

In Deutschland warten derzeit mehr als 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan, davon rund 8000 auf eine neue Niere. Doch nur jeder dritte Patient auf der Warteliste erhielt im vergangenen Jahr ein Spenderorgan. Aufgrund des akuten Mangels an Spenderorganen in Deutschland sterben täglich drei Patienten auf der Warteliste.

Im Schnitt beträgt die Wartezeit auf eine Spenderniere rund fünf Jahre, erläutert Dr. Hans-Jürgen Talartschik. Diese Zeit lässt sich mithilfe der Blutwäsche gut überbrücken, allerdings haben dauerhaft Dialysepatienten nicht nur eine geringere Lebensqualität, sondern auch ein höheres Risiko, Folgeerkrankungen zu entwickeln und eine geringere Lebenserwartung.

Als Folge von Skandalen um die Manipulation von Patientenakten im Zusammenhang mit Organspenden ist die Zahl der Organgspenden in Deutschland in den vergangenen Jahren eklatant zurückgegangen.

Angesichts der langen Wartezeiten sind hingegen die Lebendspenden deutlich angestiegen. Nach strenger Prüfung können beispielsweise Eltern oder langjährige Ehepartner einem Angehörigen eine Niere spenden.

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