Trotz markiger Töne friedlich

Demo zum Gaza-Konflikt: 100 marschierten für den Frieden

Kassel. Zum dritten Mal binnen vier Wochen gingen am Freitag in der Kasseler Innenstadt Menschen auf die Straße, die im Gaza-Konflikt Flagge für die Interessen der Palästinenser zeigten.

Anders als bei den vorangegangenen Kundgebungen war es eine sehr überschaubare Schar von Aktivisten, die vom Stern auf der Königsstraße zum Rathaus marschierten: Die Polizei sprach von etwa 100 Teilnehmern und einem friedlichen Ablauf der Demonstration.

Offensichtlich hatten die Einsatzkräfte mit mehr Konfliktpotenzial gerechnet: Allein beim Startpunkt am Stern waren sie mit acht Polizeitransportern und mehreren Motorrädern aufgefahren. Bevor sich der Zug in Bewegung setzte, mahnte ein Sprecher der Veranstalter vom Bündnis für Freiheit und gerechten Frieden für Palästina, dass „beleidigende und ehrverletzende Rufe“ mit antisemitischem Inhalt nicht geduldet würden.

Eingerahmt von Palästina-Flagge: Kundgebungsredner Abraham Melzer auf der Treppe vor dem Rathaus.

Markig waren die Parolen, die auf dem Weg skandiert wurden, dennoch: „Kindermörder Israel“, „Intifada bis zum Sieg“, artikulierten die Teilnehmer ihren Zorn auf die Regierung Netanjahu – und nicht nur auf diese: „Israel bombardiert – Deutschland finanziert“, riefen die Demonstranten. Dazwischen immer wieder: „Allahu akbar“ (Gott ist größer).. Außer ein, zwei hitzigen Wortgefechten am Rande mit Passanten, die sich provoziert fühlten, verlief der Marsch durch die Fußgängerzone störungsfrei.

Mit Schildern wie „Gegen Antisemitismus“ oder „Seid Freunde statt Feinde“suchten einige Teilnehmer den Akzent einer Friedensdemonstration zu verbreiten. Gleichwohl blieb kein Zweifel, gegen welche Konfliktpartei sich der Zorn der Demonstranten richtete: „Die Palästinenser haben ein Recht, die Täter zu hassen“, befand der Kasseler Linke Ulrich Restat am Kundgebungsmikrofon vor dem Rathaus. Ebenso wie anschließend Abraham Melzer, jüdischer Verleger aus Frankfurt und prominenter Israel-Kritiker, zog Restat explizite Vergleiche zwischen der Regierung in Tel Aviv und den Mördern des Nationalsozialismus: „Der Tod ist heute ein Meister aus Israel“, sagte Restat.

Bilder der Demo

Demonstration für Frieden in Palästina

Dieser Vergleich sei legitim, meinte Melzer, der für sich in Anspruch nahm, „weder für Juden noch für Palästinenser , sondern für Recht und Gerechtigkeit“ einzutreten. Zugleich vertrat er die Ansicht, dass es im Gaza-Konflikt „keine Ausgewogenheit“ geben könne, da Israels Regierungskurs „vor Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit nur so strotzt“. Dabei sei es ihm wichtig, dass „nicht alle Juden in Haft genommen werden“ für das, was israelische Militärs im Gazastreifen anrichteten, sagte Melzer. Angesichts des Leidens und des Sterbens dort finde er es „absurd“, dass die internationale Debatte darüber vorrangig über die Frage geführt werde, ob eine Kritik am israelischen Regierungskurs wohl gleichbedeutend mit Antisemitismus sei.

Scharfe Kritik richtete Melzer in diesem Zusammenhang an den Zentralrat der Juden in Deutschland, welcher angesichts drängender humanitärer Fragen und Katastrophen nicht Farbe bekenne und seinen Einfluss nicht geltend mache. Ebenso mache sich die deutsche Regierung Merkel „durch ihr langes Schweigen mitschuldig“ am Sterben in Gaza.

Von Axel Schwarz

Rubriklistenbild: © Fotos: Fischer

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