Käufer einer Neubauwohnung klagt gegen Bauherrn wegen Mängeln

Pfusch am Bau vor Gericht: Schon beim Einzug begann Streit

Im Clinch mit dem Bauherrn: Der an Multiple Sklerose erkrankte Dr. Eberhard Will führt einen Rechtsstreit mit dem Verkäufer seiner Wohnung. Er fordert, Baumängel zu beseitigen. Der Verkäufer wiederum besteht zunächst auf der kompletten Kaufsumme. Foto: Ludwig

Kassel. Dr. Eberhard Will wollte sich 2012 seinen Wohntraum verwirklichen. In einem Neubau, der damals in Harleshausen entstand, kaufte sich der 60-Jährige eine Eigentumswohnung.

Der Blick über Kassel von der Karl-Sömmer-Straße aus, hatte ihn überzeugt. Dann allerdings häuften sich die Baumängel – einige wurden behoben, andere nicht. Seit 2014 liegt er mit dem Bauherr im Rechtsstreit. Ein Ende ist nicht absehbar. Denn auch der Bauherr erhebt Ansprüche gegen den Käufer.

Als Will im Dezember 2012 den Kaufvertrag unterschrieb, hatte er große Hoffnungen. Alles sollte perfekt sein. Denn der 60-jährige ehemalige Pfarrer, der bei der evangelischen Kirche arbeitet, geht nächstes Jahr in Ruhestand. Weil er an Multipler Sklerose leidet und gehbehindert ist, war ihm ein maßgeschneiderter Bau nach seinen Bedürfnissen wichtig. 340 000 Euro war ihm und seiner Frau die 118 Quadratmeter große Wohnung wert.

Einzug verzögerte sich

„Die ersten Probleme ergaben sich schon beim Einzug“, sagt Will. Denn das vereinbarte Einzugsdatum verzögerte sich um zweieinhalb Monate. Dies war problematisch, weil Will sein altes Haus schon verkauft hatte. Nur weil dessen Käufer kooperativ waren, konnten die Wills bis zum Umzug dort wohnen bleiben.

Als sie im November 2013 ihr neues Domizil bezogen, wurde noch an vielen Stellen gearbeitet. Auch tauchten erste Mängel auf. So lief das Wasser auf der Terrasse nicht richtig ab und nachdem sich Schimmel neben der Terrassentür gebildet hatte, musste der Putz abgeklopft werden. Bis heute wurde die Terrasse nicht fertiggestellt – dies gilt auch für die drei weiteren Wohnungen des Hauses, die bis heute nicht bezugsfertig sind.

Will ließ ein Gutachten erstellen, in dem auch Feuchtigkeitsschäden am Parkett moniert werden. „Auch war Wasser in den Fahrstuhlschacht eingedrungen, weshalb ich dreimal stecken geblieben bin“, sagt Will.

Auf Anraten seines Anwalts hat Will bisher nur 140 000 Euro des Kaufpreises bezahlt. Vereinbart worden war, 90 Prozent der Kaufsumme bei Schlüsselübergabe zu zahlen.

Der Bauherr Christoph Jaworski, der das Bauprojekt seinerzeit mit einem Geschäftspartner realisiert hat, räumt ein, dass bei dem Bau „das ein oder andere schiefgelaufen“ sei. Das Gros der Mängel sei aber behoben worden. Bis er weitere Arbeiten beauftrage, wolle er zunächst das gerichtliche Gutachten abwarten. „Wenn ich jetzt etwas nachbessern lasse, sagt Herr Will nachher, dass er es anders haben will“, sagt Jaworski. Er wolle Rechtssicherheit. Die Wohnung sei zudem uneingeschränkt bewohnbar. Wann er die weiteren Wohnungen in dem Haus fertigstelle, sei nicht Wills Sache. Er selbst habe aber das Ziel, dies so bald wie möglich zu tun.

„Es geht immer ums Geld“

Jaworski sieht zunächst den Käufer am Zug, weshalb er die Zahlung des Restbetrages einklagt. „Letzlich geht es bei solchen Streitigkeiten immer ums Geld“, sagt Jaworksi. Herr Will versuche alles, den Kaufpreis zu drücken.

Lesen Sie auch:

- Pfusch am Bau landet immer öfter vor Gericht

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.