Amts- und Landgericht Kassel verhandelten 2015 fast 300 Fälle

Pfusch am Bau landet immer öfter vor Gericht

Kassel. Folgen des Baubooms in Kassel: Weil sich Bauherren, Handwerker, Architekten und Immobilienkäufer oft uneinig sind, müssen in vielen Fällen Juristen den Streit klären.

Allein 2015 kamen am Kasseler Landgericht und am Amtsgericht insgesamt 284 erstinstanzliche Verfahren neu hinzu, bei denen es um Ärger am Bau ging. Angefangen von Pfusch auf der Baustelle bis hin zu Streitigkeiten mit den Architekten reicht die Bandbreite der Fälle.

Weil das Amtsgerichts nur für Verfahren mit einem Streitwert von bis zu 5000 Euro zuständig ist, werden die meisten Prozesse vor dem Landgericht ausgetragen. So gingen am Amtsgericht 2015 nur 16 Fälle ein, während es am Landgericht 268 waren. Bei den Landesrichtern ist mittlerweile jedes zehnte Verfahren, das sie verhandeln, eine Bausache. Im Vergleich zu 2014 ist zudem ein Anstieg zu beobachten. Seinerzeit kamen 241 neue Bauverfahren am Landgericht hinzu.

„Mit dem Bauboom erleben wir auch einen Anstieg der Prozesse. Oft enden diese mit einem Vergleich. Wenn man Pech hat, ist dann aber schon einer der Beteiligten pleite“, sagt Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Eigentümerverbands Haus & Grund in Kassel. In der Tat werden Bausachen oft über Jahre hinweg verhandelt. Die Richter können den Berg an Verfahren nur langsam bewältigen. Das liegt auch daran, dass meist juristische Gutachten erstellt werden müssen, um etwa Mängel zu belegen. Nach einer Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht dauert ein Bauprozess in Deutschland durchschnittlich 44 Monate – dann ist er aber nur in erster Instanz entschieden.

Kieselbach rät deshalb, Käufer sollten notarielle Verträge genau prüfen lassen. „Am besten ist es, die Zahlung des Kaufpreises erst für den Zeitupunkt der Schlüsselübergabe zu vereinbaren“, so der Experte.

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