Anschaffung für 800.000 Euro

Scharfer Blick in die Sterne: Premiere für neuen Projektor im Planetarium

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Sternen-Steuerung per Joystick: Von links MHK-Direktor Prof. Bernd Küster, Kulturminister Boris Rhein und Orangerie-Sammlungsleiter Dr. Karsten Gaulke.

Kassel. Im Planetarium in der Orangerie sind die Sterne ein großes Stück näher gerückt: Ein brandneues Projektionssystem ermöglicht virtuelle Weltraumreisen in einer Bildschärfe und Erlebnisqualität, „von denen wir bislang nur träumen konnten“.

Das sagte Dr. Karsten Gaulke, Leiter der astronomisch-technischen Sammlungen in der Orangerie, am Freitag bei einer ersten Vorführung vor Schulklassen.

Diesem jungen, „digital verwöhnten“ Publikum wolle die Museumslandschaft Hessen Kassel mit den neuen Technik-Möglichkeiten entgegenkommen , sagte MHK-Direktor Prof. Bernd Küster. Auch Hessens Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein war gekommen und griff den Gedanken auf: Er habe daheim einen Fernseher, deutsches Nobelfabrikat, jedoch noch aus der Vor-Flachbildschirm-Epoche - und bisher geglaubt, damit noch halbwegs auf der Höhe der Zeit zu sein. Seinem 13-jährigen Sohn aber sei der Apparat total peinlich, so Rhein.

Ähnliche Welten liegen zwischen dem bisherigen, 23 Jahre alten Sternenprojektor und der 800.000 Euro teuren Nachfolgetechnik, wie bei der Premiere am Freitag eindrucksvoll zu erleben war.

Weltraumreise: Auch einen virtuellen Ausflug zur internationalen Raumstation ISS kann man im Planetarium unternehmen. Rechts unten der neue Zeiss-Sternenprojektor – das 600 Kilogramm schwere Gerät ersetzt ein 23 Jahre altes, vollmechanisches Vorgängermodell.

Gestochen scharf und ohne die bisher gewohnten Grauschleier zeichnen sich die Bilder auf der nun wirklich nachtschwarzen Kuppel ab. Ein Knopfdruck des Vorführers genügt, und schon richten sich die Sternenkonstellationen so aus, wie sie etwa im Jahr 1952 vor Christus am Himmel standen. Bisher musste das Zahnräderwerk des alten Projektors tagelang rattern, um solche Bilder mechanisch zu erzeugen. Da sie jetzt aus einer Datenbank erzeugt werden, können die virtuellen Weltraumspaziergänge neuerdings von jedem Punkt im Kosmos aus gestartet werden. Stand und Bahn der Sterne sind dazu entsprechend logisch für jedes historische und zukünftige Datum auf der Kuppel zu sehen. Als Premieren-Kostprobe führte der Bilderflug etwa zu den gigantischen Gipfeln und Canyons auf der Mars-Oberfläche, durch die Ringnebel des Saturns (die größtenteils aus Eisbrocken bestehen) und zur Internationalen Raumstation ISS, die 400 Kilometer hoch über der Erde schwebt.

Auch der Blick, den die ISS-Astronauten von dort oben haben, lässt sich mit dem Planetarium simulieren - und steuern, und zwar mit einem handelsüblichen Xbox-Spielkonsolen-Controller. Das durften die Schüler bei der Premiere auch ausprobieren. Der 15-jährige Riaan war einer der Freiwilligen und hatte die Sache schnell im Griff. Ja, das funktioniere genau wie bei der Xbox, bestätigte er: „Man braucht schon etwas Fingerspitzengefühl“. Aber das würden „auch ältere Leute“ hinbekommen, meinte der 15-Jährige.

Im neuen Vorführungsprogramm des Planetariums komen jedenfalls auch die älteren Semester auf ihre Kosten - etwa bei der Musik-Sternenshow „The Dark Side of the Moon“ mit Bombast-Rock-Untermalung von Pink Floyd.

Am Wochenende freier Eintritt

Mit 20-minütigen Kurzvorführungen bei freiem Eintritt will die MHK am Samstag und am Sonntag Lust auf die neuen Möglichkeiten des Planetariums in der Orangerie machen. Jeweils zwischen 10 und 17 Uhr gibt es den ganzen Tag über Vorführungen. Auch die Sammlungen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts können am Wochenende gratis besucht werden. Dort hat auch der 23 Jahre alte, vollmechanische Sternenprojektor einen Platz gefunden. Für das Nachfolgemodell Skymaster ZKP 4, ebenfalls von der Firma Zeiss, hat das Land Hessen 800.000 Euro investiert - unter anderem auch deshalb, weil es bei Zeiss in Jena nur noch einen einzigen Fachmann gibt, der das betagte Kasseler Projektorenmodell warten konnte. Der Mann ist kurz vor dem Ruhestand.

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