Samstagvormittag

Probealarm in ganz Kassel: Sirenen drangen nicht überall durch

Lauschposten: Richard Henke von der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsanger stand am Holländischen Platz, um die Lautstärke des Sirenensignals zu überprüfen. Im Verkehrslärm war es dort nur recht leise zu hören. Fotos: Fischer

Kassel. Das hat es in Kassel seit 15 Jahren nicht gegeben: Am Samstag testete die Stadt ihre Warn-Sirenen - alle gleichzeitig.

Ziel war zu überprüfen, ob der Alarm funktioniert und überall zu hören ist. 94 Helfer hatten sich im ganzen Stadtgebiet positioniert, um das zu dokumentieren. Dabei stellte sich heraus, dass unter anderem das Forstfeld von den Sirenen nicht erreicht wird. In einigen Bereichen der Stadt war der Alarm sehr laut, in anderen nur dezent zu hören.

Zehntausende Kasseler haben am Samstagvormittag die Ohren gespitzt: Zum ersten Mal seit vielen Jahren waren wieder die Sirenen in der Stadt zu hören. Wir waren beim Probealarm dabei.

Der Alarm

Der Signalgeber: Mike Laun löste in der Feuerwehr-Leitstelle per Knopfdruck die 25 Sirenen im Stadtgebiet aus.

Punkt 10 Uhr in der Leitstelle der Feuerwache an der Wolfhager Straße. Ein einfacher Klammergriff von Mike Laun reicht, um die Stadt in Alarm zu versetzen: Der Feuerwehrmann drückt drei Tasten auf dem Schaltbrett an seinem Schreibtisch, dem sogenannten Alarmgeber. „Das kann man sich vorstellen wie einen Telefonanruf, der jetzt an alle Sirenen im Stadtgebiet geht“, erklärt Laun. Zunächst erklingt der langgezogene Alarmton für die Feuerwehr aus den 25 Sirenen, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Sie befinden sich auf hohen Gebäuden oder sind auf Masten angebracht. Mit einer weiteren Tastenkombination aktiviert Laun danach den Katastrophenalarm mit dem charakteristischen Heulton.

Der Test

Mit dem Probealarm will die Stadt testen, ob alle Sirenen funktionieren und ob die Signale im ganzen Stadtgebiet gut zu hören sind. Dazu haben sich 94 ehrenamtliche Helfer von Freiwilligen Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk an verschiedenen Stellen in der Stadt postiert. Ihre Aufgabe: Lauschen und notieren, ob das Signal gut, mittelmäßig oder schlecht beziehungsweise gar nicht zu hören war.

Die Lauscher

Richard Henke von der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsanger besetzt den Hörposten am Holländischen Platz. Während er wartet, dass es losgeht, spricht der 29-Jährige eine Seniorin mit Rollator an und informiert sie über den Probealarm. „Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass die alten Leute, die noch den Fliegeralarm aus Kriegszeiten kennen, sich erschrecken“. Die Frau wusste aber schon Bescheid. Dann geht es los.

Der Heulton fällt im Verkehrslärm der großen Kreuzung nicht so sehr auf wie erwartet. „Wenn man jetzt in einem Auto sitzt oder in einem Hörsaal an der Uni, kriegt man das wahrscheinlich nicht mit“, sagt Henke und kreuzt auf seinem Kontrollzettel, der nach dem Ampelsystem funktioniert, Gelb an: mittelmäßig.

Die Auswertung

Nach dem Alarm strömen die Helfer zurück in die Feuerwache. Für eine Schnellauswertung klebt jeder Hörposten auf einem großen Stadtplan einen kleinen Aufkleber in Grün, Gelb oder Rot an seine Position. Es überwiegen die grünen und gelben Punkte. Das Forstfeld und Teile des Brasselsbergs jedoch sind mit roten Punkten versehen: Dort war nichts von den Sirenen zu hören. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen noch detailliert ausgewertet werden. Wo Deckungslücken bestehen, soll das Sirenennetz in der Folge verbessert werden.

Ralf Krawinkel, Sprecher der Kasseler Feuerwehr, zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Test. Wie gut das Signal durchdringe, hänge von vielen Faktoren ab: Topografie, Bebauungsdichte und Wetterlage. Dass der Ton durch Mark und Bein gehe, sei nicht das Ziel. „Wir wollen ja nicht, dass die Menschen vor Angst zusammenzucken.“ Wichtig sei, dass die Bevölkerung mit den Signalen vertraut werde. Künftig solle jedes Jahr ein Probealarm stattfinden.

Neues Warnkonzept: Sirenen heulten am Samstag in ganz Kassel

Verhalten im Ernstfall

Es gibt zwei verschiedene Warnsignale:

• Zur Warnung der Bevölkerung dient ein einminütiger, auf- und abschwellender Heulton. Er dient als Weckruf für Menschen, die sich im betroffene Bereich aufhalten. Mögliche Szenarien für einen solchen Alarm sind ein Brand mit großer Rauchwolke, plötzliches Hochwasser oder das Austreten gefährlicher radioaktiver oder chemischer Stoffe.

Richtiges Verhalten:

• Schließen Sie Fenster und Türen

• Suchen Sie ein festes Gebäude auf bzw. bleiben sie drinnen, gehen Sie wenn möglich in ein hoch gelegenes Stockwerk

• Schalten Sie Klima- und Lüftungsanlagen aus

• Nehmen Sie Passanten auf, die Schutz suchen

• Informieren Sie sich im Radio (Regionalsender wie hr1, hr3 oder FFH) oder im Internet über die Gefahrenlage. Die Stadt informiert unter www.notfall.kassel.de sowie in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook unter dem Schlagwort #notfallks

• Bewahren Sie die Ruhe

• Alarmierung der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes: Dazu dient ein einminütiger Ton, der zweimal unterbrochen ist. Normalerweise werden die Feuerwehren und Hilfsorganisationen über Funkalarm zum Einsatz gerufen (stille Alarmierung). Sollte diese Technik einmal ausfallen, würde die Sirenenalarmierung zum Einsatz kommen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.