52-jährigem Haupttäter droht mehrjährige Haftstrafe

„War Lizenz zum Gelddrucken“: Autobetrüger legen Geständnis ab

Kassel. Im Verfahren gegen zwei 52 und 49 Jahre alte Männer aus dem Werra-Meißner-Kreis wegen gewerbsmäßiger Untreue, Betrugs und Steuerhinterziehung haben die beiden Angeklagten Geständnisse abgelegt.

Damit haben sie den Weg geebnet für eine Verständigung über das am Ende des Prozesses zu erwartende Strafmaß.

Der 52-Jährige muss nach Auskunft seines Verteidigers Dieter Keseberg mit einer Freiheitsstrafe zwischen knapp vier und viereinhalb Jahren rechnen. Sein Kumpan könnte mit einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren davonkommen, erklärte sein Spangenberger Anwalt Ullrich Goetjes gegenüber der HNA.

Die beiden Männer haben gestanden, zwischen 2004 und 2009 von Waldkappel aus etwa 60 Autos in einer Art Schneeball-System meist an Käufer aus dem Werra-Meißner-Kreis verkauft zu haben. Mit den Anzahlungen finanzierten sie den nächsten Wagen, köderten die Käufer der Neuwagen mit Summen weit unter den Listenpreisen.

Vermutlich werden nur einige dieser Fälle exemplarisch vor der 3. Strafkammer des Landgerichts verhandelt, die anderen werden aus Prozess-ökonomische Gründen eingestellt.

Finanzlücken wuchsen

Um die immer größer werdenden Finanzlücken bei den Autoverkäufen zu stopfen, hatten sie Darlehen bei Privatleuten über mehrere 10 000 Euro aufgenommen und dafür Zinsen bis zu 24 Prozent geboten. Das meiste Geld ist verloren.

Der 52-jährige Angeklagte hat zudem gestanden, als Geschäftsführer der Niederlassung eines großen Fuldaer Unternehmens in Hessisch Lichtenau zwischen 2002 und 2007 von Handwerksbetrieben Scheinrechnungen über nie erbrachte Leistungen geordert zu haben, die von seinem Arbeitgeber anstandslos bezahlt wurden. Dem Unternehmen entstand dabei ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro.

Viele der etwa 30 Handwerker, die inzwischen alle rechtskräftig für ihre Beteiligung an dem Betrug bestraft wurden, sagen im jetzt laufenden Verfahren als Zeugen aus. „Das war eine Lizenz zum Gelddrucken“, sagte einer der Firmenchefs zu der Betrugsmasche, bei der die Betriebe den größten Teil des Geldes beim Angeklagten ablieferten. „Egal, was in der Rechnung stand, alles wurde bezahlt, Lieferscheine wollte keiner sehen“, sagte der Zeuge, der in einem früheren Verfahren zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden war.

Demnächst, so Rechtsanwalt Goetjes, werden die damals Verantwortlichen des Fuldaer Unternehmens vor dem Landgericht erklären müssen, warum keinerlei Kontrolle die Betrügereien stoppte.

Schiffbruch erlitten

Motivation des 52-Jährigen war der finanzielle Schiffsbruch, den er mit seinem eigenen Unternehmen erlitten hatte. Seine Geschäftsidee: Wannen mit erwärmtem Sand sollten bei allerlei Gebrechen heilende Wirkungen entfalten. Allerdings bescherten sie ihm nur riesige Verluste, die er über die getürkten Autoverkäufe und die Untreue gegenüber seinem Arbeitgeber ausgleichen wollte.

Das Verfahren wird am kommenden Mittwoch, 22. Juni, um 9 Uhr in Saal E 221 fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.