Angeklagter gibt sich vor Gericht als unschuldiges Opfer

Waren Unfälle im Kreisel am Platz der Deutschen Einheit fingiert?

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Unfallschwerpunkt in Kassel: Der Kreisel am Platz der Deutschen Einheit ist selbst unter normalen Umständen kniffelig zu befahren. Hier sollen die drei Unfälle provoziert worden sein.

Kassel. Für viele Autofahrer ist die Fahrt durch den Kreisel am Platz der Deutschen Einheit in Kassel schon unter normalen Umständen ein Abenteuer.

Werden sie dann noch Opfer eines Versicherungsbetrügers, der Unfälle fingiert um abzukassieren, wird die Rundfahrt schnell zum Horrotripp.

Eine solche Schreckensfahrt erlebten drei Männer aus Kassel - alle 60 Jahre und darüber - zwischen Mai und November 2014. Ihr Unfallgegner war jeweils derselbe: Ein 34 Jahre alter Türke, der sich seit gestern vor dem Amtsgericht wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Betruges verantworten muss.

Staatsanwältin Richter klagte ihn an, die Unfälle bewusst herbeigeführt zu haben und so etwa 5600 Euro von den Versicherungen der anderen Unfallbeteiligten kassiert zu haben. Erst beim dritten Unfall wurde nicht gezahlt, weil inzwischen die Polizei auf die seltsame Häufung identischer Karambolagen aufmerksam geworden war.

„Das Auto kam aus dem Nichts herangerast - und plötzlich hat es geknallt“, schilderten die drei Kasseler das Geschehen nahezu im gleichen Wortlaut als Zeugen. Sie seien in den Kreisel eingefahren, nachdem sie sich versichert hatten, dass die vorfahrtsberechtigen Fahrbahnen im Rundverkehr frei waren.

Trotzdem kam es im Sekundenbruchteil zum Zusammenstoß mit dem Audi A4 des Angeklagten, der auch gleich per Handy die Polizei rief. Für die bestand meist auch kein Zweifel, dass die in den Kreisel einfahrenden Autofahrer Schuld hatten.

Jeweils derselbe Anwalt und derselbe Unfall-Sachverständige formulierten dann Schreiben an die Versicherungen und Gutachten über die Schäden am A4 des Angeklagten. 5600 Euro wurde bezahlt. Der 34-Jährige gab sich gestern als unschuldiges Opfer der Unfälle. Er sei mit 30 km/h im Kreisel unterwegs gewesen und habe sogar noch gebremst, als die anderen angefahren kamen. „Sie haben dann fast gestanden im Kreisel, wo die anderen Autos 50 fahren“, fragte Richterin Hahn skeptisch.

Mehrmals ermahnte sie den Angeklagten, den tatsächlichen Ablauf zu schildern, weil sich nur ein Geständnis strafmildernd auswirken könne. Der Mann blieb aber bei seiner Version.

Den Audi hatte er wenige Monate vor dem ersten Unfall gekauft, nie reparieren lassen und nach dem dritten wieder verkauft. Er war auf seine Ehefrau zugelassen, die nicht Auto fahren kann.

Der Prozess wird am Montag, 24. Oktober, um 10 Uhr fortgesetzt. Dann soll ein Sachverständiger gehört werden.

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