Firma muss etliche Wegweiser neu anbringen – Stadtteile sind unklar ausgeschildert

Radfahrer sind ratlos

Sie sind längst da: Würden diese beiden Radfahrer dem Schild an der Ecke An der Karlsaue / Philosophenweg Glauben schenken, hätten sie noch 1,5 Kilometer bis zur Südstadt zurückzulegen. Dabei sind sie schon in dem Stadtteil angekommen. Foto: Fischer

Kassel. Wenn vor dem Eiffelturm ein Wegweiser stehen würde, auf dem Paris in zehn Kilometern Entfernung angegeben ist, würden sich nicht nur Touristen wundern. Kassel hat zwar keinen Eiffelturm, aber dort werden Radfahrer tatsächlich in die Ferne geschickt, wenn sie eigentlich schon am Ziel sind. Im neuen Wegweiser-System für Radfahrer gibt es aber noch mehr Wirrwarr, das nicht nur Auswärtige vor Fragen stellt.

Eines von vielen Beispielen ist an der Ecke An der Karls-aue/Philosophenweg zu finden. Dort ist auf einem Schild zu lesen, dass die Südstadt 1,5 Kilometer weit entfernt ist. Was ein ortsfremder Radfahrer nicht weiß, ist: Er befindet sich längst in der Südstadt. Ganz ähnlich ist die Situation an der Leuschnerstraße. Dort erfährt der ratsuchende Radfahrer, dass er bis zum Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn noch weiter in die Pedale treten muss. Dabei ist auch er bereits in Süsterfeld-Helleböhn.

„Vermessungspionier Carl Friedrich Gauß würde sich im Grabe rumdrehen.“

Harald Doenst Ortsvorsteher Südstadt

Ortsvorsteher Harald Doenst aus der Südstadt sucht Erklärungen. Vermutlich habe die beauftragte Firma nicht gewusst, wo die Stadtteilgrenzen liegen. Doenst fragt sich, auf welcher Grundlage die Ausschilderung erstellt wurde: „Es gibt in der Südstadt kein Zentrum, zu dem man die Radfahrer führen könnte.“ Es sei offenbar jemand am Werk gewesen, der sich in Kassel nicht auskennt. „Vermessungspionier Carl Friedrich Gauß würde sich im Grabe rumdrehen“, sagt Doenst.

Gerhard Peter, Vorsitzender des Kasseler Kreisverbandes des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sind viele weitere Beispiele bekannt, wo innerhalb eines Stadtteils auf eben diesen Stadtteil verwiesen wird.

Nach Auskunft der Stadt sei die ausführende Firma nicht nur der günstigste Anbieter gewesen, sondern habe auch die fachlichen Referenzen nachgewiesen.

Hintergrund der neuen Radwegweiser war das „Radforum Region Kassel“ im Jahr 2009. Ziel sollte es sein, den Radverkehr in Kassel und dem Umland besser zu koordinieren und ein zusammenhängendes Routennetz einzurichten.

Von Bastian Ludwig

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