Radfahrer stirbt nach tragischem Unfall: Bewährungsstrafe

Kassel. Wegen fahrlässiger Tötung hat das Amtsgericht Kassel am Dienstag einen 39 Jahre alten Mann aus dem Kreis Kassel zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Sie wird zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt. Der Mann muss außerdem 3000 Euro an den Verein Soziale Hilfe in Kassel zahlen, der unter anderem Wohnungslose betreut.

Der Mann war am 3. Juli vorigen Jahres mit seinem Personenwagen stadtauswärts auf der Ehlener Straße Richtung Herkules unterwegs und wollte nach links in Richtung Herbsthäuschen abbiegen. Dabei hat er laut Staatsanwaltschaft „aufgrund von Fahrlässigkeit” einen auf der Gegenfahrbahn herannahenden Radfahrer (29) aus Kassel übersehen. Er wurde so schwer verletzt, dass er kurz darauf im Krankenhaus verstarb. Der Autofahrer hätte den Unfall vermeiden können, so die Staatsanwaltschaft.

„Es war alles frei, sonst wäre ich nicht gefahren”, sagte der Verurteilte. Als er „fast von der Straße gewesen” sei, habe er einen fürchterlichen Knall gehört. Er habe sofort Erste Hilfe geleistet, sehr schnell seien vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mehrere Ärzte am Unfallort gewesen. Er habe den Radler nicht wahrgenommen.

Wie aus den Erklärungen von drei Polizeibeamten und einem Kraftfahrzeug-Sachverständigen hervorging, betrug die Sichtweite bis zu 150 Meter, das abbiegende Auto sei mit sechs bis sieben Stundenkilometern unterwegs gewesen, der Radfahrer vor dem Einsetzen des Bremsens mit Tempo 40 bis 45. Der Radler hinterließ vor dem Zusammenstoß eine 13 Meter lange Bremsspur.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sagte, der tragische Unfall habe das Leben des 39-Jährigen „aus der Bahn geschmissen” und das Leben aller Beteiligten verändert. Der Mann sei kein Verkehrsrowdy.

Der Verurteilte, Vater von drei Kindern, brach mehrfach in Tränen aus. In sehr bewegenden Worten, die alle im voll besetzten Sitzungssaal berührten, sagte er unter mehrfachem Nennen des Vornamens des Getöteten: „Ich würde alles tun, wenn D. wieder lebt. Es ist fürchterlich. Es trifft mich besonders hart.”

Den Eltern sprach er sein „aufrichtiges Beileid” aus und versicherte namens seiner Familie, „dass D. immer bei uns ist. Er ist Teil unseres Herzens, verzeihen Sie mir bitte”.

Dieser Unfall sei für alle Seiten schrecklich, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Die Eltern hätten „das Wichtigste verloren, was man haben kann”. Der Autofahrer hätte den Radfahrer sehen müssen, von der Fahrlässigkeit könne man ihn nicht entbinden. Solch ein Fehler, so der Richter, passiere im Straßenverkehr millionenfach, als Radfahrer sei man wenig geschützt.

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