Agrarrohstoffhändler strebt weitere Übernahmen an

Raiffeisen trotzt dem Preisverfall

Kassel. Die Raiffeisen Waren GmbH in Kassel hat sich 2015 in einem äußerst schwierigen Marktumfeld wacker geschlagen.

Wie der Händler von Agrarrohstoffen und -technik, Energie, Baustoffen und Vieh mitteilte, sank der Umsatz um fast 9,3 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Grund für diese Entwicklung sind keine Absatzrückgänge, sondern weltweit stark gesunkene Preise für landwirtschaftliche Produkte sowie für Heizöl und Kraftstoffe.

Reinhard Stieglitz

Diese Tendenz setzte sich auch in den ersten Monaten dieses Jahres fort. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Reinhard Stieglitz, glaubt aber, dass die Talsohle erreicht ist. „Ich denke, dass wir keine weiteren Preisrückgänge sehen werden“, sagte er im Gespräch mit der HNA.

Dagegen lief der Baustoffhandel angesichts der guten Baukonjunktur wie im Vorjahr blendend, erzielte mit 180 (Vorjahr: 176) Mio. Euro einen Rekordumsatz und wird in diesem Jahr weiter zulegen. Entsprechend dem Umsatzrückgang verringerte sich auch das Vorsteuerergebnis. Es sank um 8,3 Prozent auf 11,1 Mio. Euro.

Markus Braun

Dank geringerer Steuern sowie Sondereffekten im Zusammenhang mit der Übernahme der Raiwa Müden/Aller in Niedersachsen erzielte die Raiffeisen Waren einen um fast 20 Prozent auf 7,4 Mio. Euro gestiegenen Überschuss. Als Bilanzgewinn weist das Unternehmen fast fünf Mio. Euro (Vorjahr 4,4) aus, woraus eine Dividende von fünf Prozent resultiert. Angesichts der schwierigen Agrarmärkte zeigte sich die Geschäftsführung – neben Stieglitz auch Markus Braun (Finanzen) und Jörn Pistorius (Agrarsparte) – zufrieden, betonte aber, dass die Ertragssteigerung eines der wichtigsten Ziele bleibe.

Jörn Pistorius

Die Raiffeisen Waren GmbH – einst Raiffeisenwarenzentrale Kurhessen-Thüringen – ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und gehört mit 220 Standorten in Hessen, Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zu den bundesweit fünf größten Agrarrohstoff- und Technikhändlern. Das Unternehmen beschäftigt 2360 Mitarbeiter, davon etwa 1000 in Hessen. Die Ausbildungsquote (14,8 Prozent) ist mit 350 jungen Menschen überdurchschnittlich hoch.

Das gilt auch für die Investitionstätigkeit: 15 bis 20 Mio. Euro steckt Raiffeisen jährlich in Erweiterungen und Modernisierung. Größte Einzelinvestitionen in der 121-jährigen Geschichte des Unternehmens sind ein Kraftfuttermittelwerk in Hamm sowie eine Saatgutaufbereitungsanlage im thüringischen Großengottern. Das Zwölf-Mio-Euro-Projekt in Hamm haben die Kasseler gemeinsam mit der Raiffeisen Sauerland-Hellweg-Lippe sowie einem privaten Mühlenbetreiber getätigt. Die 5,5-Mio-Investition in Thüringen haben sie allein gestemmt.

Das Unternehmen gehört im Wesentlichen hessischen und thüringischen Volks- und Raiffeisenbanken, großen Landwirten und Agrar-Unternehmen sowie der alten Raiwa Müden/Aller, die ihr operatives Geschäft gegen Anteile der Kasseler ins Unternehmen eingebracht hat.

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