Er zieht Kassels Handwerker an

Raue Berufs- und Freizeitmoden: Einer der ältesten Einzelhändler in Kassel

Arne lange (rechts) führt das Geschäft seit einem Jahr. Links ist Sandra und in der Mitte Karl Obermüller zu sehen, der gemeinsam mit Ehefrau Theresia den Laden in der Kurfürsten straße seit 1967 betrieben hatte.

Kassel. Einer der ältesten familiengeführten Textileinzelhändler in Kassel, Raue Jeans- und Berufsmoden, feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum.

Die Wurzeln des Spezialisten für Arbeitskleidung in der Kurfürstenstraße 10 reichen bis in das Jahr 1896 zurück. Das geht aus alten Unterlagen hervor, die der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg vorliegen. Näheres ist allerdings nicht bekannt.

Übernahme vor einem Jahr

Der alte Raue-Laden saß früher einige Eingänge weiter stadteinwärts. Im selben Gebäude befand sich die legendäre Nachtbar „Ekstase“. Das Foto entstand Anfang der 70er-Jahre.

Vor einem Jahr hat der heute 24-jährige Großhandelskaufmann Arne Lange das Traditionsgeschäft von Theresia (68) und Karl Obermüller (73) übernommen, die es seit 1967 ununterbrochen geführt hatten und aus Alters- und gesundheitlichen Gründen abgegeben haben. Lange hat die Übernahme nicht bereut. „Es läuft gut“, sagt der Jungunternehmer.

Der Handel hat bei Familie Lange Tradition. Arnes Vater, Stefan Lange, führt den gleichnamigen Schrauben-Fachhandel in der Frankfurter Straße in dritter Generation, der erst im vergangenen Jahr 110-jähriges Bestehen feierte. Langes Großvater Curt hatte den Betrieb 1905 aus der Taufe gehoben.

Dieses Foto ist noch älter. Wann es entstand und wen es zeigt, ist nicht bekannt.

Arne Lange hält an Bewährtem fest, hat aber auch einiges geändert. Er hat das erfahrene Verkaufsteam – Sandra Obermüller und Sonja Sforza – von den Vorbesitzern übernommen und setzt weiter auf fachkundige Beratung und Service. Gleichzeitig hat er das Sortiment um zwei neue Berufskleidungmarken und Arbeitshandschuhe erweitert, den Verkaufsraum umgebaut und renoviert. „Das Geschäft macht mir großen Spaß“, sagt der junge Mann.

Schwerpunkt Berufskleidung

Schwerpunkt von Raue ist nach wie vor die Berufskleidung. Wer im Handwerk tätig ist, wird in dem kleinen Geschäft in der Kurfürstenstraße fündig. Daneben bietet der Fachhändler aber auch Freizeitkleidung und ein breites Jeans-Sortiment an. Raue war einer der ersten, der die damals noch brettharten, ungewaschenen „Nietenhosen“ nach Nordhessen brachte.

Jeans wird salonfähig

Theresia Obermüller erinnert sich noch genau an die unzähligen Dramen, die sich in den 60er-Jahrern in ihrem Laden abgespielt haben. Beim Kauf der damals vor allem bei Eltern verpönten Jeans seien bei den Jugendlichen viele Tränen geflossen. Erst in den 70er-Jahren sei die Jeans salonfähig geworden, und heute fester Bestandteil einer jeden Garderobe. Daheim hätten sich die Jugendlichen zum Leidwesen der Eltern mit angezogenen Jeans in die Badewanne gelegt, damit sie eingingen und hinterher hauteng saßen.

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