Einladung von Bundeswehr-Reservisten

Nach Tumulten: Grillabend mit Flüchtlingen auf Marbachshöhe fand statt

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Grillen schafft Kontakte: Helga Reinecker, Ehefrau von Gerd Reinecker, dem Vorsitzenden der Kameradschaft 2. Panzergrenadierdivision, und der Reservistenvorsitzende Valentino Lipardi (rechts) überwanden im Gespräch mit dem syrischen Flüchtling Kourdi Fares (Mitte, mit Sohn Mustafa, 7 Monate) die Sprachbarrieren.

Kassel. Es ist gemütlich vor dem Gebäude der Bundeswehrfachschule auf dem Gelände der ehemaligen Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe, wo die Reservisten-Kameradschaften aus Kassel und Hessisch Lichtenau ihren Grillabend feiern:

Kinder halten Stockbrot über einem offenen Feuer. Kourdi Fares löst mit sichtlichem Vergnügen Valentino Lipardi, Oberleutnant der Reserve und Vorsitzender der Reservisten-Kameradschaft Kassel, am Grill ab. Der 29-jährige Syrer aus Aleppo strahlt. Nach einer viermonatigen, strapaziösen Flucht mit seiner Familie über die sogenannte Balkanroute nun mit Bundeswehrsoldaten fröhlich zu grillen, das sei mehr an Willkommen, als er von Deutschland erwartet habe.

Fares ist einer der 200 Flüchtlinge, die seit Kurzem auf der Marbachshöhe in einem ehemaligen Kasernengebäude untergebracht sind. Sie wurden von den Reservisten spontan eingeladen. Die Asylsuchenden, vor allem junge Familien, sind jetzt Nachbarn der Kasseler Reservisten. Diese haben im Keller der Flüchtlingsunterkunft ihr Vereinsheim. „Als wir von der Ankunft der Flüchtlinge hörten, haben wir sofort beschlossen, ein Zeichen für gute Nachbarschaft zu setzen. Es macht keinen Spaß zu grillen, während Leute, denen es am Nötigsten fehlt, zuschauen müssen“, sagt Lipardi. Die Reservisten aus Hessisch Lichtenau kauften daraufhin Rinds- und Geflügelwürstchen für mehr als 200 Gäste, die Kasseler besorgten Süßigkeiten und Cola.

Tumulte vor Grillfeier

Doch die gute Idee der Reservisten drohte auf den letzten Metern zu scheitern. Das Regierungspräsidium habe ihnen nicht gestattet, bei den Flüchtlingen für das Grillfest zu werben, berichtet Lipardi. Es habe wegen der Verteilung von Hilfsgütern eine so heftige Auseinandersetzung in der Unterkunft gegeben, dass die Polizei kommen musste. Die Polizei bestätigt auf HNA-Anfrage, dass es am Freitagnachmittag zu einem solchen Einsatz aufgrund von Tumulten bei der Wasserverteilung in der Einrichtung gekommen war.

Dennoch kam es zu der Willkommensparty: Zuerst tauchten einige Flüchtlingskinder am Grillplatz auf, dann wurden es immer mehr. „Die waren ganz scharf auf Cola und Süßigkeiten“, berichtet Lipardi. Die Bäckerei Heere besorgte noch Stockbrot. Auch erwachsene Männer gesellten sich schließlich dazu. Gut 100 Flüchtlinge, so schätzt Lipardi, seien vorbeigekommen. Man verständigte sich mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch. Er sei vor den Bomben des Diktators Assad zu Fuß geflohen, erzählt Fares, während der kleine Mustafa auf seinem Arm hustet. Seine beiden Kinder seien krank, in Deutschland bekämen sie endlich ärztliche Hilfe, sagt der Syrer. Die Reservisten wollen in den nächsten Monaten Kleidung für die Flüchtlinge auf der Marbachshöhe sammeln.

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