Über den Neuanfang des Volksfestes

Die Retterin des Zissels: Die Ex-Präsidentin im Interview

Königin, Präsidentin und Wassersportlerin: Sie nimmt auch jedes Jahr zur Eröffnung des Festes an der Wasserskishow auf der Fulda teil.

Kassel. Jahrzehntelang standen an der Spitze des Zissels, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, Männer. Das hat sich seit 2007 geändert.

Vor neun Jahren wurde mit der damals 29-jährigen Nancy Hirschfeld erstmals eine Frau an die Spitze des größten nordhessischen Volksfests gewählt. Hirschfeld und weitere junge Frauen sorgten für einen Neuanfang.

Frau Hirschfeld, als Sie im Jahr 2007 zur Präsidentin des neu gegründeten Vereins „Zissel in Kassel“, der durch eine Fusion der Zisselgilde und des Förderkreises hervorgegangen war, gewählt wurden, da hatte der Zissel schwere Zeiten hinter sich. Sie standen vor einem Scherbenhaufen. Wie haben Sie und ihr Team das nordhessische Volksfest gerettet? 

Nancy Hirschfeld: Ich habe mir ein junges und motiviertes Team zusammengestellt, das durch die Liebe zum Zisselfest angetrieben wurde. Unsere Zielsetzung, die Tradition zu erhalten und trotzdem neues Leben in den Zissel rein zu bringen, haben wir erfolgreich umsetzen können.

Dass jüngere Frauen im Zissel-Vorstand in der Mehrheit sind, daran hat sich auch nichts verändert, nachdem Janine Herr zu ihrer Nachfolgerin als Präsidentin gewählt worden ist. Können Frauen den Zissel besser organisieren? 

2005 repräsentierte Nancy Hirschfeld das größte nordhessische Wasserfest. 

Hirschfeld: Das würde ich so nicht sagen, denn wir haben auch einige Herren in Schlüsselpositionen, wie zum Beispiel unseren Vizepräsidenten Timo Hackenberg. Die Mehrheit der Damen kommt ganz klar aus der Verbundenheit ehemaliger Hoheiten zum Zissel. Denn wenn man ein Jahr den Zissel repräsentiert hat, ist der Schritt, etwas für dieses Volksfest tun zu wollen, kein großer mehr.

Vor 2007 haben sich die verantwortlichen Männer wie Helmut Kerl, Hansi Meister und Edgar Donath in den beiden Zisselvereinen immer wieder gestritten. Das waren persönliche Anfeindungen, die mitunter auch unter die Gürtellinie gingen. Solche Konflikte scheint es heute nicht mehr zu geben.

Hirschfeld: Nein, die gibt es heute nicht mehr. Das Team arbeitet wirklich sehr gut zusammen und ist schon eher als eine Familie zu bezeichnen. Um sich aber auch hier nicht auf dem Erreichten auszuruhen, machen wir als Vorstandsteam mit den Hoheiten einmal im Jahr ein Event über zwei Tage, um die neuen Hoheiten zu integrieren und gemeinsame Regeln und Umgangsformen zu erarbeiten.

Sie haben den Zissel von verschiedenen Seiten kennen gelernt. Woran haben Sie die schönsten Erinnerungen? 

Hirschfeld: Jede Perspektive hatte seinen besonderen Reiz, als Wassersportlerin bietet der Zissel die Plattform, um den eigenen Sport vor Publikum zu präsentieren. Als Königin war es natürlich eine besondere Ehre, dem Zissel für ein Jahr mein Gesicht zu verleihen. Diese Zeit war wirklich prägend und hat in meinem Leben Weichen gestellt.

Das Amt der Präsidentin war aber sicher die größte Herausforderung? 

Hirschfeld: Es war es eine große Verantwortung, das größte nordhessischen Volksfest ausrichten zu dürfen. Besonders viel Freude hat es mir gemacht, mit meinem Team Veränderungen erfolgreich einführen zu können, wie zum Beispiel den Schiffsempfang auf den Freitagabend zu legen oder das Drachenbootrennen am Zisselsamstag zu etablieren. Natürlich waren anfangs auch Bedenken da, gebe ich zu. So kann ich mich daran erinnern, dass bei unserem ersten Feuerwerk auf der Fulda unter meiner Verantwortung, ich nächtelang vorher davon geträumt habe, dass die Drahtbrücke abbrennen könnte. Gott sein Dank, ist so etwas nie passiert.

Vor zwei Jahren haben Sie sich aus dem Vorstand zurückgezogen. Was verbindet Sie heute noch mit dem Zissel? 

Hirschfeld: Der Zissel wird immer ein Teil von mir sein, da er nach der Fusion unter meiner Führung neu herangewachsen ist. Das kann man sicherlich vergleichen mit einem Kind, das auch dann noch die Unterstützung seiner Eltern bekommt, wenn es längst volljährig ist. Und dass der Zissel mit seinem 90. Geburtstag volljährig ist, steht außer Frage. Natürlich verbindet mich auch das Vorstandsteam weiterhin mit dem Zissel. Die machen allesamt einen super Job. Wenn ich helfen kann, dann mache ich das natürlich auch sehr gern.

Zur Person 

Von 2007 bis 2014 war sie Präsidentin des Vereins „Zissel in Kassel“.

Nancy Hirschfeld (38) wurde in Kassel geboren und ist in Baunatal aufgewachsen. Die aktive Wasserskiläuferin studierte an der Kasseler Uni Betriebswirtschaftslehre und arbeitet seit 1997 bei VW in Baunatal, inzwischen als Abteilungsleiterin in der Original Teile Logistik-Gesellschaft (OTLG). Im Jahr 2000 wurde sie zur Kasseler Zisselkönigin gewählt. Seither engagiert sie sich für das Heimat- und Wasserfest. Im Mai 2007 wurde sie zur Präsidentin des Vereins Zissel in Kassel gewählt, vor zwei Jahren stellte sie sich nicht mehr zur Wiederwahl. Hirschfeld ist mit Karsten Fahlbusch verheiratet, der auch im Vereinsvorstand aktiv ist.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.