Tasche hatte verheerende Auswirkungen auf die Umwelt

Rewe hat die Plastiktüte jetzt ganz ausgemustert

Kassel. Bei Rewe hat die Plastiktasche ausgedient. Der große deutsche Lebensmittelhändler schaffte das umweltschädliche Transportmittel jetzt auch in Kassel endgültig ab.

Bundesweit würden damit jährlich gut 140 Millionen Plastiktüten eingespart, hat das Unternehmen errechnet.

Stadtrat Christof Nolda (Grüne) unterstützt diese Initiative: „Plastikmüll in der Stadt und in der ganzen Welt ist ein großes Problem“, sagte er, als gestern im Rewe-Markt Berszinski an der Friedrich-Ebert-Straße symbolisch die letzte Plastiktüte übers Kassenband lief.

Künftig gibt es hier ein Sortiment an Papiertaschen, Kartons, Gewebetaschen aus Recyclingmaterial, Baumwollbeutel und Jutebeutel, die auch mit der Logo des Naturschutzbundes Nabu versehen sind, der die Rewe-Initiative unterstützt.

Leider gebe es noch keinen Ersatz für die dünnen Obst- und Gemüsebeutel, bedauert Marktchef Jörn Berszinski. Die Kunden reagierten auf den Wegfall der Plastiktüten meist sehr positiv, nur Einzelne vermissten noch die Plastiktüten. Dafür sie die Nachfrage nach Papiertüten deutlich gestiegen.

So sieht es bei anderen aus

Nach dem Lebensmittelkonzern Rewe will im Frühjahr nächsten Jahres auch der Lebensmitteldiscounter Lidl die umweltschädlichen Plastiktüten aus dem Angebot nehmen. Beim Textildiscounter Kik gibt es bereits seit Oktober 2015 keine Plastiktüten mehr.

Die meisten anderen Einzelhändler in Deutschland folgenden der seit Juli geltenden Selbstverpflichtung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) und verlangen Geld für die Tragetaschen. Lediglich die kleinen Tüten für Obst und Gemüse sind in der Regel kostenlos für die Kunden. Diese kleinen Tüten bestehen bei Tegut übrigens größtenteils aus Zucker, Plastiktüten gibt es bei Tegut schon seit 2007 nicht mehr an der Kasse zu kaufen. Weitere Beispiele von Lebensmittelhändlern: Bei Edeka kostet eine Plastiktüte 15 Cent, bei Aldi 10 Cent, bei Lidl 10 Cent, bei Penny 10 Cent.

Wussten Sie schon …?

… dass die Geschichte der Tragetüte in unserer Region begann: 1853 stellte der Bad-Sooden-Allendorfer Papierfabrikant Gumpert Bodenheim die erste Papiertüte her.

Die Karriere der Plastiktüte, in Österreich übrigens Sackerl und in der Schweiz Säckli genannt, begannin Deutschland vor 55 Jahren: Damals gab das Kaufhaus Horten in Neuss die ersten Plastiktüten aus. Weil ihre Form mit den beiden herausstehenden Trägern an ein Unterhemd erinnert, wurden sie Hemdentütchen genannt. Diese Form wird heute meist für die dünnen Obst- und Gemüsetütchen genutzt.

Kunststofftüten, die meist aus Polyethylen oder Polypropylen bestehen, wurden als bedeutender Werbeträger genutzt. Auch so wurden sie zu einem Zeugnis der Zeitgeschichte. So fanden sich auch zahlreiche Sammler wie Eva Maria Öttle, die über 10 000 gesammelte Tüten dem Passauer Stadtmuseum zur Verfügung stellte.

Inzwischen sind Plastiktragetüten, die in der Regel schnell in den Müll wandern, längst ein riesiges und ernstes Umweltproblem. Deshalb erließ die Europäische Gemeinschaft eine Richtlinie, nach der die Mitgliedstaaten den Verbrauch von Kunststofftüten bis 2019 auf 90 Tüten und bis 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr reduziert werden sollen.

Plastiktüte in Zahlen

Die Plastiktüte hat verheerende Auswirkungen auf die Umwelt:

1 BillionPlastiktüten werden schätzungsweise jährlich weltweit verbraucht. Etwa 90 Prozent davon landen auf Mülldeponien.

30  Millionen Tonnen Kunststoffe gelangen jedes Jahr in die Meere. Dort bilden sich gigantische Müllteppiche. Tiere, die Plastikteile fressen, verenden häufig daran. Über Fische gelangt Plastik auch in die menschliche Nahrungskette.

31 Millionen Tonnen CO2 gelangen durch die Produktion der Tüten in die Atmosphäre.

40 Gramm Erdöl  und viel Energie werden benötigt, um eine 20 Gramm schwere Plastiktüte herzustellen.

71 Plastiktüten verwendet jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Im Jahr 2010 wurden in Europa insgesamt 750 000 Tonnen Einweg-Plastiktüten produziert. Umgerechnet ist dies das Gewicht von 625 000 VW-Golf.

100 bis 500 Jahre  dauert es, bis eine Plastiktüte vollständig zerfallen ist.

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