Jurist mit Herz für Kirche: Richter ist neuer Präses der Landessynode

Moderator im Kirchenparlament: Thomas Dittmann - hier vor dem Haus der Kirche an der Wilhelmshöher Allee - ist neuer Präses der Evangelischen Landessynode von Kurhessen-Waldeck. Foto: Rudolph

Kassel. Verhandlungen zu leiten, ist ihm nicht neu: Als Vorsitzender Richter am Hessischen Verwaltungsgerichtshof gehört es zu Dr. Thomas Dittmanns Arbeitsalltag, unvoreingenommen zu sein und alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Auch in seinem neuen Ehrenamt als Präses der Evangelischen Landessynode wird es seine Aufgabe sein, den Wettstreit der Argumente im Kirchenparlament zu moderieren. Nur ein Urteil fällen muss er am Ende nicht.

Ende April hat die neue Landessynode den Kasseler mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt. Anders als sein Vorgänger, der frühere Melsunger Dekan Rudolf Schulze, stammt der neue Präses aus den Reihen der Laien. Dabei hat der Jurist während seiner Studienzeit mit der Kirche als Arbeitgeberin geliebäugelt. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen absolvierte Dittmann ein theologisches Studienjahr im Missionsseminar Hermannsburg. Er sei dann aber zu dem Schluss gekommen, „dass das Berufsfeld des Pfarrers nicht meinen Begabungen entsprach“. Als junger Mann sei er recht verschlossen gewesen und habe nicht gut auf Menschen zugehen können, erzählt der gebürtige Melsunger.

Spaß muss bei ihm sein

Bis heute hält der 64-Jährige, der Vater von vier Kindern und siebenfacher Opa ist, sich für zurückhaltend - im direkten Gespräch erlebt man ihn aber als aufgeschlossen und viel lebhafter, als man das auf den ersten Blick vermuten könnte. Mit humorvollen Einsprengseln hat der neue Präses in der Synode schon für Erheiterung gesorgt. Selbst bei Gericht bemühe er sich, jeden Beteiligten einmal zum Lachen zu bringen, sagt Dittmann. Dass die Juristerei trocken wäre, sei ohnehin ein großes Missverständnis, fügt er hinzu: „Das ist das pralle, saftige Leben.“ Ob Baurecht, Denkschmalschutz oder öffentliches Dienstrecht: Es gehe immer um Menschen.

Neben dem Beruf engagiert sich Dittmann seit vielen Jahren in der Evangelischen Kirche. Seit 28 Jahren ist er im Kirchenvorstand der Emmauskirche am Brasselsberg, wo er auch in der Kantorei im Bass singt. In der Landessynode ist er seit 1998 engagiert und war zwölf Jahre lang stellvertretender Präses. Mit dem bevorstehenden Ruhestand - Ende des Jahres legt er die Richterrobe nieder - habe er nun den Freiraum, das durchaus arbeitsintensive kirchliche Leitungsamt zu übernehmen.

Seine Rolle in der Synode sehe er unter anderem darin, „die Viel- und Ständigredner auch mal behutsam zu mäßigen und andere mal aus der Reserve zu locken“, sagt Dittmann. Für die sechsjährige Amtsperiode steht vor allem an, die von der Vorgängersynode beschlossenen Sparpakete umzusetzen. Dieses Wort will der Präses allerdings nicht benutzen. „Da klingt so entmutigend.“ Er sagt lieber: „Wir setzen unsere Prioritäten um.“ Es gehe nicht darum, auf breiter Front zu reduzieren, sondern auch neue Akzente zu setzen. Dabei sei ihm wichtig, dass die örtlichen Kirchengemeinden gut versorgt werden, auch mit Pfarrstellen: „Sie sind die Basis für das kirchliche Leben.“

Zur Person 

Die Landessynode ist das Parlament der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Sie ist das höchste Entscheidungsorgan der Landeskirche und hat 87 Mitglieder. Der Präses ist der Vorsitzende der Synode und wird aus ihren Reihen gewählt. Der Präses ist von Amts wegen auch Mitglied des Rats der Landeskirche, eines der wichtigsten Leitungsgremien der EKKW.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.