Größte Kunden VW und K+S

1000 Waggons werden pro Tag auf dem Kasseler Rangierbahnhof abgefertigt

Kassel. Der Rangierbahnhof in Kassel erstreckt sich auf einer Fläche von 40 Hektar überwiegend im Stadtteil Rothenditmold. Hier werden neue Güterzüge gebildet und bestehende aufgelöst. 1000 Waggons können pro Tag abgefertigt werden.

Den wenigsten Kasselern ist die riesige Gleisfläche an der Angersbachstraße bekannt. Dabei zählt der Rangierbahnhof im Stadtteil Rothenditmold zu den größten in Deutschland. „Wir sagen immer die zehn größten und Kassel“, erklärt Daniel Stange, Leiter des Standortes. Für die Top Ten habe es knapp nicht gereicht.

Die Wagenmenge, die täglich in Kassel abgefertigt wird, ist beeindruckend. Der Laie verliert schon beim Blick auf die zahlreichen Waggons die Orientierung. Gut 1000 Wagen sind es, die pro Tag in Kassel abgefertigt werden.

Am Montagmorgen ist allerdings noch wenig los. So richtig voll wird es erst um die Mittagszeit, erklärt Standortleiter Stange. Das Wesentliche spiele sich aber auch hier gegen Abend und nachts ab. Grund dafür ist, dass der Güterverkehr generell vor allem nachts stattfindet, aber auch die zentrale Lage Kassels. Züge, die im Norden oder Süden starten erreichen dann erst Nordhessen. Außerdem kann nachts die ICE-Schnellfahrstrecke für den Güterverkehr genutzt werden.

Die ankommenden Züge mit 25 bis 35 Wagen werden auf den sogenannten Ablaufberg gezogen. Auf dem Kasseler Gelände gibt es zwei solcher Hügel, den Westberg und den Ostberg. Das Gefälle wird benötigt, um den Rollwiderstand der Waggons bestmöglich zu nutzen.

Nach und nach rollen die Waggons dann den Berg hinunter und werden auf die entsprechenden Gleise verteilt. Welcher Waggon wo hin muss, haben die Disponenten auf Listen eingetragen, die sie an die Arbeiter am Gleis, die sogenannten Gleisbremser, übergeben.

Um die Wagen abzubremsen, werden von Hand dann so genannte „Hemmschuhe“ unter die Waggons gelegt. Mit Hilfe dieser gefetteten Bremskeile aus Metall werden die Wagen dann auf Schrittgeschwindigkeit heruntergebremst. „Der Einsatz von Hemmschuhen ist eine alte Technik“, erklärt Stange. An einigen Anlagen arbeite die DB Cargo bereits mit Elektronikverfahren.

Langsam beginnt der Waggon vom Berg zu rollen. Der Rollwiderstand dieser wuchtigen Eisenmonster mit ihren Metallrädern ist weitaus geringer, als man denkt. Auf den Schienen wären sie theoretisch auch von Hand zu bewegen. Gleisbremser Dirk Bluß greift zum Hemmschuh, an der entsprechende Stelle legt er ihn auf die Gleise. Ein lautes Zischen und Quietschen ist zu hören, als der Wagen in den Hemmschuh fährt. Nach wenigen Metern wird der Bremskeil qualmend in ein Behältnis neben den Gleisen ausgeworfen. 90 Tonnen wirken bei einem Bremsvorgang auf den Keil ein.

Dann werden die Wagen zu neuen Zügen zusammengestellt. Eine Lok schiebt die Waggons aneinander, Beidrücken heißt das in der Fachsprache der Rangierer. Der abschließende geräuschvolle Ruck bestätigt, das die Güterwaggons auf der Schiene startklar sind, Waren überall hin zu bringen.

Einblick in den Rangierbahnhof Kassel

Hintergrund: DB Cargo Standort Kassel

Die DB Cargo, die Gütersparte der Deutschen Bahn AG hat 30 000 Mitarbeiter in Europa und ist das größte Eisenbahnverkehrsunternehmen im Schienengüterverkehr. Am DB Cargo Standort in Kassel arbeiten sieben Disponenten, 58 Personen im Rangierdienst und 15 Wagenmeister. Außerdem werden in jedem Jahr 12 Auszubildende zum Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer Tansport eingestellt. Der Gesamtstandort Kassel zieht sich südlich über Bebra bis nach Fulda. Insgesamt sind hier 400 Mitarbeiter beschäftigt. Zu den größten Kunden des Kasseler Rangierbahnhofes zählen VW und K+S. 2500 Wagen werden für das VW-Werk Baunatal wöchentlich abgefertigt. Der Schwerpunkt von K+S liegt im Nahbereich Bebra mit rund 2000 Wagen pro Woche.

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