Besondere Leihgabe der Feuerwehr Fuldatal

Feuerrote Faszination: Alte Flugplatz-Tankkraftspritze im Technikmuseum

Fuldatal / Kassel. Im Vergleich zu modernen Feuerwehrautos wirkt die Flugplatz-Tankkraftspritze im Technikmuseum Kassel spartanisch ausgestattet. Und doch ist sie etwas Besonderes.

Sie hat keinen Lichtmast, keinen Stromgenerator und kein Spreizgerät. Trotzdem war die Flugplatz-Tankkraftspritze dank ihres großen Tanks und des hohen Fassungsvermögens bis Anfang der 1960er-Jahre bei vielen Wehren im Einsatz.

1. Füllstandsanzeige: Dort konnte man ablesen, wie viel Wasser und wie viel Schaummittel noch in den Tanks, mit 2500 und 250 Liter Fassungsvermögen, ist.

2. Plane:  Modelle aus der Reihe 2 der Ts 2,5 besaßen bereits eine Plane, mit der sich die Mannschaft vor Wind und Wetter schützen konnte.

3. Aufbewahrungsschrank: In diesem Schrank waren Hilfsmittel wie Handschuhe verwahrt, aber auch zusätzliche Schläuche und Verteiler der Firma Komet.

4. Strahlrohr: Das Feuerwehrauto arbeitete mit dem Luftschaumverfahren. Das wurde 1923 vom Berliner Anwalt Clemens Wagner entwickelt. Dabei wird das Wasser-Schaummittel-Gemisch über die Schläuche zum Strahlrohr geleitet, das selbst Luft anzieht.

5. Auspuff: Nicht zu sehen, aber da. Der Auspuff läuft am Wassertank entlang. Das stellt sicher, dass im Winter das Wasser nicht einfriert.

Alarmglocke: Dieses Originalteil stammt aus Marburg, wo dasselbe Modell lange im Einsatz war. Besorgt hat es EhrenortsbrandmeisterHans-Hermann Trost, der dort studiert hat und Mitglied der Feuerwehr war. Er brachte die Alarmglocke spätabends zur Kaserne in Rothwesten, wo das Auto damals restauriert wurde. Damit löste er einen Einsatz von Sprengstoffexperten aus, da das Paket den diensthabenden Wachsoldaten verdächtig erschien.

Bandkurbel:  Mit ihrer Hilfe konnte das Auto noch während der Fahrteinsatzfähig gemacht werden.

Spielzeug: Der österreichische Modellbahnhersteller Roco brachte dieTankspritze als Modell heraus. Teile sind grau. Während des Krieges wurden viele Modelle auch in der Realität im typischen Wehrmachtsgrau gestrichen.

Motor: Der Original-Motor steht neben dem Auto. Er ist schwer beschädigt.Bis nach Polen mussten die Feuerwehrleute reisen, um Ersatz zu beschaffen. Solche Benzinmotoren seien selten, sagt Trost. Häufiger seien Dieselmotoren. Grund für die Entscheidung der Entwickler sei die Versorgung auf den Flugplätzen mit Flugbenzin gewesen. Der neue Motor hat jedoch keine Zapfwelle, um die Wasserrohre zu betreiben.

Die Sonderausstellung 125 Jahre Feuerwehrgeschichte ist noch bis zum 4. September zu sehen. Das Technikmuseum, Wolfhager Str. 109, ist am Wochenende von 11 bis 17 Uhr, mittwochs bis freitags 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 2 Euro.

www.tmk-kassel.de

Hintergrund: Die Geschichte des Feuerwehrautos

1936 entwickelte die Firma Metz die Tankspritze Ts 2,5 für das Reichsluftfahrtsministerium für den Einsatz auf Flughorsten der Luftwaffe. Vorgestellt wurde sie bei einer Vorführung auf dem damaligen Weltflughafen Rhein-Main, heute Fraport.

Die Ts 2,5 der Feuerwehr Fuldatal gehört zur zweiten Modellreihe. Der Aufbau dieses Modells hatte bereits Planen, Modell 3 dann auch Holztüren. Wo genau die Ts 2,5 der Ihringshäuser eingesetzt worden ist, lässt sich laut Ehrenortsbrandmeister Trost nicht nachvollziehen.

Es gibt aber Hinweise, dass sie nach dem Krieg auf einem Flugplatz bei Salzburg im Einsatz war. Danach habe sie viele Jahre beschädigt bei Henschel auf dem Gelände gestanden, bevor ein Privatsammler sie aufkaufte.

Spritze in Zahlen: Löschen seit 1938

Die Flugplatz-Tankkraftspritze Ts 2,5 hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde speziell für den Einsatz auf Fliegerhorsten entwickelt und war bis in die 1960er-Jahre im Einsatz.

5 Mann stark war die Besatzung, die auf den Holzbänken im Fahrzeug Platz nehmen konnte.

6 Zylinder in Reihe mit einem Otto-Vergaser hat der Original-Motor.

7 Modelle existieren noch weltweit, schätzt Hans-Hermann Trost. Einst waren es etwa 750.

10,2 Tonnen ist das zulässige Gesamtgewicht. Leer sind es 6,68 Tonnen.

57 Kilometer pro Stunde schnell kann die Spritze fahren.

120 Pferdestärken wohnen unter der Motorhaube.

250 Liter Schaummittel passen in den Tank.

1938 wurde die Tankspritze höchstwahrscheinlich gebaut.

2500 Liter Wasser passen in den Tank.

Zufallstreffer - Hans-Hermann Trost entdeckte 1985 die Ts 2,5 bei privatem Sammler

Sie ist nicht das älteste und auch nicht das größte Exponat und trotzdem zieht sie die Blicke auf sich. Die Tankspritze Ts 2,5 der Feuerwehr Ihringshausen ist Teil der neuen Ausstellung zu 125 Jahren Berufsfeuerwehr im Kasseler Technikmuseum. Denn das Flugplatz-Löschfahrzeug mit Henschel-Gestell und Aufbauten von Metz und Magirus ist etwas ganz Besonderes: Fast 80 Jahre alt, eines der letzten Modelle weltweit und Vorläufer heutiger Flugfeld-Löschfahrzeuge.

„Die wollte uns sogar mal der Leiter der Berufsfeuerwehr München für ein Projekt des Deutschen Museums abluchsen“, sagt Hans-Hermann Trost, schmunzelt und ist offensichtlich stolz. Auch ihm hat es die alte Dame zu verdanken, dass sie heute wieder so gut aussieht wie 1938. Der langjährige Gemeindebrandinspektor und heutige Ehrenortsbrandmeister der Gemeinde Fuldatal entdeckte das Gefährt einst während einer Brandschutzberatung bei einem Oldtimer-Sammler. Damals sah es allerdings bei Weitem nicht so schön wie heute aus: „Die Tankspritze war fast Schrott“, sagt der 72-Jährige. Die Farbe blätterte ab, das Metall rostete und der Motor streikte.

Die Feuerwehr Ihringshausen übernahm das potenzielle Schmuckstück und begann mit der Demontage. So wurde die Vorbaupumpe vom Hersteller Magirus zerlegt, überholt und wieder funktionsfähig zusammengebaut. Doch dann kamen der Bau der neuen Feuerwache und die Stationierung des damaligen ABC-Zuges in Fuldatal dazwischen. Das ehrgeizige Projekt wurde erst einmal auf Eis gelegt.

Doch wieder kam der Tankspritze der Zufall zu Hilfe, sagt Trost. Bei seinem Antrittsbesuch bei der Feuerwehr entdeckte der neue Kommandeur des Fernmeldebataillons erst ein Bild der Tankspritze und dann auch das Tankfahrzeug selbst. Der Mann war fasziniert und in der Folge wurde das Gefährt in die Kaserne nach Rothwesten gebracht und von Soldaten instand gesetzt. Die Fertigstellung wurde eine Punktlandung. Nur wenige Tage bevor das Bataillon im Sommer 1992 endgültig aufgelöst wurde, wurde das wieder fahrtüchtige und sanierte Auto übergeben. Seitdem ist die Tankspritze auf viele Touren mitgenommen worden. Momentan springt das Feuerwehrauto allerdings aus unbekannten Gründen nicht an. Die Fachkräfte vom Technikmuseum werden sich aber um die Instandsetzung kümmern. Nur ein Traum liegt noch in weiter Ferne: Schaum versprühen. „Das wäre schon was“, sagt Trost. Denn wie in der Originalbetriebsanleitung zu lesen ist, sollte „fünf Sekunden nach Eintreffen am Einsatzort“ das Gefährt bereit sein, Löschschaum zu verspritzen. „Dafür bräuchten wir allerdings jemanden, der durch die kleine Öffnung in den Tank hineinkriecht und unter Atemschutz wieder ein Trennblech zwischen Schaum- und Wassertank einschweißt“, erklärt Trost.

Leihgabe der Feuerwehr Fuldatal: Flugplatz-Tankkraftspritze von 1938

Rubriklistenbild: © Pflug

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