Ferienfreizeit für Kinder: Mercedes baut ein ganzes Städtchen auf

Früh übt sich: In der Schreinerwerkstatt machen sich die Kinder mit dem Werkstoff Holz vertraut. Unser Foto zeigt von links: Lara, Brendan, Manuel, Ben und Betreuer Elias. Foto: Schachtschneider

Kassel. Kalle Wollenhaupt aus Dörnberg hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Denn der Elfjährige ist Bürgermeister auf Zeit - und zwar in Sternental, also in jenem Städtchen, das eigens für die traditionelle Ferienfreizeit auf dem Parkplatz des Mercedes-Benz-Achsenwerks in Kassel aufgebaut wurde.

Kalle, der sich bei er Wahl gegen drei Mitbewerber durchgesetzt hat, muss dafür sorgen, dass im Städchen alles funktioniert. „Da muss man viel organisieren“, erklärt das junge Stadtoberhaupt. Aber es laufe gut, sagt er - wohl auch, weil er nach zwei Tagen eine Lohnerhöhung für alle angeordnet und damit ein Wahlversprechen eingelöst hat.

Denn die 360 teilnehmenden Kinder, deren Eltern bei Daimler, Bombardier, Rheinmetall, den Städtischen Werken und für die Uni arbeiten, gehen in der Freizeit spielerisch einer mit Sterntalern bezahlten Arbeit nach. Erstmals sind auch 25 Flüchtlingskinder mit von der Partie. 30 Berufe und etliche Workshops, aber auch Ausflüge sowie Werksbesichtigungen und Besuche bei der Werksfeuerwehr werden angeboten. Da wird geschreinert und gebacken, geschraubt, gekocht, repariert, gemalt, dekoriert, gebastelt und gegärtnert. Es gibt ein Finanzamt, ein Rathaus nebst Einwohnermeldeamt, eine tägliche Sternen-Zeitung, ein Radio, einen Zirkus, eine Karibikbar, eine Disko und sogar eine Schönheitsfarm - wie in einer richtigen Stadt eben. Abends werden die Löhne ausgezahlt. Die Sterntaler können die Kinder auf den Kopf hauen oder zur Bank bringen. So schnuppern die Teilnehmer zwischen sechs und 13 Jahren unter fachlicher Anleitung in allerei Berufe hinein und probieren aus, was ihnen liegt und was nicht.

Ziel der originellen Freizeit, die übrigens zum zehnten Mal stattfindet, ist es, jene Eltern zu entlasten, die in dieser und in den kommenden Woche keinen Urlaub nehmen können oder wollen, erklärt Personalleiter Hauke Schuler. Und Werkleiter Ludwig Pauss betont: „Es freut mich, dass wir mit dem Sternental die Eltern bei der Kinderbetreuung unterstützen und gleichzeitig den Kindern ein interessantes Freizeitprogramm bieten können. Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Familie miteinander vereinbaren können“. Darüber hinaus sei man sich aber auch der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Gelebte Integration sei für ihn von großer Bedeutung. Daher freue es ihn sehr, dass auch Flüchtlingskinder teilnehmen.

Projektleiter ist in diesem Jahr Julian Fehling, der bei Daimler Industriekaufmann gelernt hat und sich gerade auf eine Führungsaufgabe vorbereitet. Da ist das Sternental eine gute Gelegenheit zur organisatorischen Schulung. Unterstützt wird er von der pädagogischen Leiterin Sandra Struckmann sowie einer Reihe von Helfern, die als Kinder selbst an vorangegangenen Sternental-Freizeiten teilgenommen haben.

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