Prototyp wurde in Kassel gefertigt

Kasseler Technikmuseum hätte Transrapid gern als Ausstellungsstück 

Archivfoto: dpa

Kassel. In dieser Woche wird der letzte Transrapid, der TR 09, auf der einstigen Teststrecke in Lathen im Emsland meistbietend versteigert. Das Technikmuseum Kassel, das bereits zwei Vorgängertypen beherbergt, wird aus Geldmangel nicht mitbieten – obwohl der in Kassel entwickelte und gebaute Magnetschwebezug der letzten Generation nach Ansicht vieler Menschen hierher gehört. 

„Für uns wäre das eine tolle Sache“, sagt Bernd Scott vom Technikmuseum Kassel. Der zum Verkauf stehende Transrapid wäre eine Attraktion und eine logische Ergänzung der bisherigen Sammlung von Exponaten aus der Kasseler Technikgeschichte. Dazu gehören neben Henschelloks und Straßenbahnen auch zwei ältere Transrapidmodelle. 

Bernd Scott

Die Chancen schätzt Scott allerdings als sehr gering ein. Allein der Transport nach Kassel würde die finanziellen Möglichkeiten des ehrenamtlich betriebenen Museums in Rothenditmold deutlich überschreiten. Hinzu käme das Platzproblem. Der Trägerverein würde gern weitere Flächen anmieten. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer kommen nach Angaben von Scott aber nicht weiter. Und trotzdem: Mit einem finanzkräftigen Sponsor im Rücken und einer Einigung mit dem Vermieter könnte der Transrapid nach Rothenditmold kommen. „Er gehört nach Kassel, wir würden ihn gern präsentieren“, sagt Scott. 

Hans-Georg Raschbichler

Das sieht Hendrik Jordan ebenso. Der SPD-Stadtrat war von 1981 bis zu seinem Ausscheiden 2007 Mitglied des Betriebsrats der ThyssenKrupp-Unternehmen in Kassel und die letzten zehn Jahre dessen Vorsitzender. Er hat sich wie kaum ein anderer für den Bau einer deutschen Referenzstrecke eingesetzt und gelitten, als im März 2008 das endgültige Aus für den 37 Kilometer langen Flughafenzubringer in München kam. „Der Transrapid wurde hier gebaut, und hier gehört er auch hin“, sagt Jordan. 

Der Zug sei ein „Leuchtturmprojekt der deutschen Verkehrstechnik und würde sehr gut in die Kasseler Industriegeschichte passen“. Jordan fordert den Bund auf, den Prototypen an das Kasseler Technikmuseum zu verschenken. „Damit würde er ein Zeichen setzen“, so Jordan. 

Hendrik Jordan

Auch der „Vater des Transrapid“, Hans-Georg Raschbichler, würde sich freuen, wenn der Transrapid 09 nach Kassel käme. „Er gehört an seinen Entwicklungs- und Fertigungsstandort. Aber ich bezweifele, dass das Geld dafür aufgetrieben wird“, sagte er auf HNA-Anfrage. Der heute 75-jährige Ingenieur und Konstrukteur hatte 1966 mit der Entwicklung der Magnetschwebebahn begonnen, sie mit dem TR 08 und TR 09 zur Serienreife geführt. „Rabi“, so nannten ihn Freunde und Weggefährten, war 2005 in den Ruhestand gewechselt – also ein Jahr vor dem folgenschweren Unfall in Lathen, als ein TR 08 mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Reparaturwagen prallte und 23 Menschen ums Leben kamen. Das war das Ende der Transrapid-Technologie im Inland. „Rabi“ war viele Jahre Geschäftsführer der ThyssenTransrapid GmbH in Kassel und Motor der Entwicklung. 

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