Kaum Riegel in den Regalen

Rückrufaktion: Mars und Co. sind in Kassel fast überall verschwunden

Ein paar Mars-Riegel gibt es noch: Philip Weber von Webers Getränkemarkt in der Breitscheidstraße zeigt die wenigen verbliebenen Schokoriegel, die nicht von dem Rückruf des Herstellers betroffen sind. Foto: Hedler

Kassel. Wegen der riesigen Rückrufaktion des Süßwarenherstellers Mars wurde am Mittwoch auch in Kassel in Märkten, Kiosken und Tankstellen nach verdächtigen Produkten gesucht.

Der US-Hersteller Mars hat am Dienstag eine Rückrufaktion von Millionen von Schokoriegeln in knapp 60 Ländern gestartet, nachdem in einem Produkt ein Kunststoffteil gefunden worden war. In Lebensmittellmärkten, Kiosken, Tankstellen, und Verkaufsautomaten wird seitdem auch in Kassel fieberhaft nach Riegeln mit verdächtigen Ablaufdaten gesucht.

Kurz nachdem am Dienstagnachmittag das Rückruf-Fax aus der Tegut-Zentrale in Fulda eingetroffen war, haben Mitarbeiter des Marktes auf der Marbachshöhe die betroffenen Süßigkeitenregale bereits ausgeräumt, berichtet Geschäftsführer Uwe Hahn. Was mit den rund 20 Kisten weiter geschehen soll, sei noch nicht klar. Hahn: „Bisher warten wir noch auf weitere Informationen.“

„Die Regale sind jetzt erst mal leer“, beschreibt eine Mitarbeiterin von Edeka Kroll die Lage an der Süßigkeitenfront. Auch hier seien Mars und Co. sofort aus dem Geschäft an der Wittrockstraße entfernt worden, nachdem am Dienstag das Fax von der Edeka-Zentrale eingetroffen war. Nachschub komme hoffentlich mit der nächsten Lieferung. Schon gestern morgen seien Kunden da gewesen, die noch verdächtige Schokoriegel zu Hause hatten. Diese habe man gegen eine Gutschrift zurückgenommen.

Ein paar Riegel aus nicht vom Rückruf betroffenen Chargen habe sie noch im Angebot, sagt Astrid Hammerstein vom Getränkehandel Weber in der Breitscheidstraße. Glücklicherweise habe ihr Sohn einen Nachrichten-Newsletter auf seinem Handy abonniert, sodass der Familienbetrieb schnell über die Situation im Bilde war und die Riegel aussortieren konnte. Diese würden vermutlich von Zulieferern mitgenommen beziehungsweise ausgetauscht, glaubt die Einzelhändlerin. Sie hofft, dass sie nach dem nächsten Einkauf im Großmarkt die Schoko-Regale wieder auffüllen kann: „Mal sehen, ob da noch welche da sind.“

Das konnte eine Sprecherin der Metro-Zentrale in Düsseldorf auf Nachfrage nicht beantworten. „Es könnten sich schon Engpässe ergeben,“ glaubt sie. Denn die Rückrufaktion betreffe das Großhandelsunternehmen ja in gleichem Maße. Unmittelbar nach dem Rückruf sei die betroffene Ware rausgenommen worden.

Das treffe auch auf die Rewe-Märkte zu, sagte der Sprecher der Zentrale in Köln. Die Märkte seien über das hausinterne Krisenmanagement auf elektronischem Weg informiert worden: „Die Sicherheit des Kunden hat oberste Priorität.“ Und zum Glück kämen Rückrufe von Lebensmitteln in Deutschland ja eher selten vor, sagt er zum Aufwand der Suchaktionen in Regalen und Lagern.

Nicht alle Händler reagierten sofort

Nach dem Rückruf von Snickers, Mars und Milky Way hat der Einzelhandel in Kassel unterschiedlich schnell reagiert. Wir haben in der Innenstadt den Test gemacht. Während bei Aldi in der Kurfürstengalerie und bei Tegut im City-Point gestern Vormittag kein Mars- oder Snickers-Riegel mehr in den Regalen zu finden war, gab es in einem Drogeriemarkt zur Mittagszeit immer noch die betroffenen Süßigkeiten zu kaufen. Als wir eine Packung Celebrations (Mischpackung) auf das Kassenband legen, verkauft uns die Mitarbeiterin die Schokolade, ohne das Mindesthaltbarkeitsdatum zu prüfen. Auf Nachfrage, ob die Packung nicht vom Rückruf betroffen sei, ruft sie eine Kollegin zu Hilfe. Man müsse 5000 Artikel durchschauen. Dazu seien die Mitarbeiter noch nicht gekommen.

Ähnliches erleben wir auch in einem anderen Drogeriemarkt. Zwar liegen dort keine Snickers- und Mars-Riegel in den Regalen, dafür können wir Milky Way aus der vom Rückruf betroffenen Charge problemlos erwerben. Auf diese Tatsache angesprochen, reagieren die Mitarbeiterinnen mit Verwunderung. So seien sie bislang davon ausgegangen, dass der Rückruf eben nicht für diese Süßigkeit gelte, erklären sie.

Verwunderung schlug uns auch in den Morgenstunden in einem Getränkemarkt entgegen. Dort hatten die Mitarbeiter vor unserer Nachfrage noch gar nichts von der Rückrufaktion gehört.

Gut informiert war dagegen das Verkaufspersonal im Kiosk am Opernplatz und bei Aral an der Frankfurter Straße. So sei das Sortiment bereits auf die ersten Informationen hin auf die betroffenen Chargen durchkämmt worden, erfahren wir in beiden Verkaufsstellen

Service: Diese Schokoriegel sollten nicht verzehrt werden

Der US-Konzern Mars hat am Dienstag eine Monatsproduktion Schokoriegel zurückgerufen, weil eine Kundin in einem Schokoriegel ein Kunststoffteil gefunden hatte.

Betroffen von diesem Rückruf sind diverse Formate von Mars, ausgezeichnet mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) des Zeitraums 07.08.2016 - 16.10.2016, diverse Formate von Snickers (MHD 19.06.2016 - 28.08.2016), Milky Way Minis (MHD 04.09.2016 - 08.01.2017), diverse Formate von Celebrations (MHD 19.06.2016 - 28.08.2016).

Verbraucher, die im Besitz eines der genannten Produkte sind, können sich für weitere Informationen an die Verbraucherhotline von Mars unter Telefon 02162 500-2150 wenden beziehungsweise das Kontaktformular auf www.mars.de verwenden.

Die wichtigsten Infos zum Thema zum Nachhören in unserer Radio-HNA-Soundcloud:

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