Komplette Bürgerversammlung im Video

Rot-Grün einig: Beide Freibäder in Kassel bleiben erhalten

Kassel. SPD und Grüne haben sich offenbar im Laufe der Woche auf den Erhalt der Freibäder in Wilhelmshöhe und Harleshausen verständigt. Nach Informationen der HNA laufen die Verhandlungen in der rot-grünen Rathauskooperation auf eine Sanierung der Bäder hinaus. Unterdessen ging es am Donnerstagabend während einer dreieinhalbstündigen Bürgerversammlung um dieses Thema.

Noch sind nicht alle Details geklärt, aber die SPD-Fraktion scheint bereit zu sein, von ihren Schließungsplänen Abstand zu nehmen. Wie aus Rathauskreisen zu erfahren war, sieht der geplante Kompromiss vor, mit der Sanierung des Bades Harleshausen 2015 zu starten. Ein Jahr später soll mit den Arbeiten in Wilhelmshöhe begonnen werden.

Eine solche Einigung würde die rot-grüne Zusammenarbeit bis zur Kommunalwahl 2016 sichern. Während die Grünen stets den Erhalt beider Standorte gefordert hatten, sprach sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Geselle bis zuletzt für die Schließung des Wilhelmshöher Bades aus.

Video: Die komplette Bürgerversammlung von Donnerstag

Im Gegenzug für das Einlenken der SPD werden die Grünen wohl dem Haushalt 2014 zustimmen, in dem noch kein Geld für die Sanierung bereit steht. Die Bäder können für die nächste Saison aber voraussichtlich provisorisch instand gesetzt werden. Würden die Grünen dem Haushalt nicht zustimmen, würde dies den Bruch der rot-grünen Kooperation bedeuten. So hatten es beide Seiten nach der Kommunalwahl 2011 vereinbart.

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Am 27. November stimmt der Finanzausschuss über den Haushalt ab und am 9. Dezember die Stadtverordneten. Bis dahin wird die Sanierung vermutlich zwischen Rot-Grün vertraglich vereinbart.

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Dem Vernehmen nach sollen die für beide Bäder nötigen acht Mio. Euro zu Teilen direkt aus dem Haushalt kommen und zu Teilen von den Städtischen Werken vorgestreckt werden. Während Geselle den Verhandlungsstand auf Anfrage nicht kommentieren wollte, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dieter Beig: „Ich bin optimistisch, dass wir uns einigen werden.“

Von Bastian Ludwig

Ein Blick auf die Geschichte der Bäder

1935 wird das Freibad in Wilhelmshöhe, 1936 das in Harleshausen eröffnet.

Im Rekordjahr 1972 zählten die Städtischen Werke 1,43 Millionen Besucher. 40 Jahre später waren es 275.000.

1981 wurde zur Bundesgartenschau der Bugasee angelegt. Seitdem ist das weitläufige Gelände eine attraktive und kostenlose Konkurrenz zu den Freibädern.

Der Sanierungsbedarf der Bäder wurde in den 1990er-Jahren immer wieder diskutiert. Außer notdürftigen Reparaturen passierte aber nichts. Im Mai 2007 wurde das Hallenbad Ost in Bettenhausen wegen Baufälligkeit geschlossen.

Im Juni 2008 beschlossen die Kasseler Stadtverordneten, dass die Bäder für insgesamt höchstens 30 Millionen Euro saniert werden sollen. Das Hallenbad Süd (Baujahr 1971) in Oberzwehren wurde ab 2008 grundlegend saniert und 2010 wieder geöffnet.

Im Februar 2013 schlagen Bäderdezernent und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) sowie die Spitze der SPD-Fraktion vor, das Freibad Wilhelmshöhe abzureißen, das Grundstück zu verkaufen und vom Erlös das Bad in Harleshausen zu sanieren. Dagegen regt sich Widerstand. Der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe sammelt Unterschriften für den Erhalt des Bades und beauftragt ein Gutachten zu den Kosten einer Sanierung.

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Im März 2013 bekräftigten die Stadtverordneten gegen die Stimmen der SPD mehrheitlich den Beschluss, beide Freibäder zu erhalten. Das Gutachten des Fördervereins liegt im Mai 2013 vor. Demnach kann das Bad für sehr viel weniger Geld saniert werden als bisher diskutiert. Stadt und Städtische Werke bezweifeln das.

Der Neubau des kombinierten Hallen- und Freibades am Auedamm kostete 32 Millionen Euro und damit mehr, als einige Jahre zuvor für die Sanierung aller Bäder veranschlagt wurde. Seit Juli 2013 ist das neue Auebad in Betrieb und hatte bislang 100.000 Besucher.

Im September 2013 gab es eine Demonstration für den Erhalt der Bäder. In der Stadtverordnetenversammlung kam es zu Tumulten.

Oktober 2013: Das Stadtbad Mitte (Baujahr 1967) wird abgerissen. Das Grundstück wurde an einen privaten Investor verkauft. Für das Hallenbad Ost haben die Städtischen Werke einen Vorvertrag mit einem Investor gemacht.

Im Haushalt ist bislang kein Geld für die Sanierung der Bäder vorgesehen. Wenn die Reparatur der Winterschäden nicht unvertretbar hoch ist, sollen die Freibäder am 1. Mai 2014 noch einmal geöffnet werden.

Von Thomas Siemon

Rubriklistenbild: © Koch

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