Kaskade: Denkmalgeschütztes Kino leidet unter Neubau für Peek&Cloppenburg

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Der Neubau wächst: Der Rohbau für das neue Modehaus von Peek&Cloppenburg ist fast fertig. Das Kaskade-Kino im Gebäude links daneben ist durch die Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. 

Kassel. Steht das Kaskade-Kino am Königsplatz elf Jahre nach der Schließung endgültig vor dem Aus? Kinofreund Werner Baus (68) macht sich große Sorgen um die 50er-Jahre-Perle mit den legendären Wasserspielen.

„Der Fußboden hat sich gehoben, es gibt fingerdicke Risse an den Wänden, die Stuhlreihen haben sich verschoben“, sagt er. Wie groß der Aufwand wäre, das wieder zu reparieren, kann er nicht abschätzen.

Fest steht, dass der Neubau für das Modehaus Peek&Cloppenburg auf dem Nachbargrundstück für erhebliche Schäden gesorgt hat. Unter anderem ist Beton, mit dem die Bodenplatte des Modehauses gegossen wurde, in den denkmalgeschützten Kinosaal gelaufen.

Rückblick: So sah das Kino (Baujahr 1952) vorher aus. Alle Schäden müssen beseitigt werden.

Das bestätigt der Eigentümer des Gebäudes, die Aachener Grundvermögen. Die Kasseler Architektin Cornelia Issmer-Pfromm betreut die Immobilie. „Teile des Fußbodens sind aufgebrochen, einige Stuhlreihen beschädigt“, sagt sie. Es gebe aber klare vertragliche Regelungen mit der Berliner Bauwert, die das neue Modehaus für Peek&Cloppenburg errichtet. Das Kaskade-Gebäude müsse wieder in den Originalzustand versetzt werden. Beide Seiten hätten Gutachter beauftragt, die die Schäden dokumentierten.

Vom Ausmaß hätten wir uns gern selbst ein Bild gemacht. Doch die Kölner Zentrale der Aachener Grundvermögen will das nicht. Solange diese Gutachter ihre Arbeiten nicht abgeschlossen hätten, gebe es keine Genehmigung für Aufnahmen in dem Kinosaal. Über die Kosten für die Behebung der Schäden macht der Eigentümer derzeit keine Angaben.

„Das kann richtig teuer werden“, befürchtet Werner Baus. Möglicherweise sei es gar nicht mehr möglich, alles zu reparieren. Und das bei einem Kinosaal, der für die documenta im nächsten Jahr genutzt werden solle.

Heinz Kefenbaum vom städtischen Amt für Denkmalschutz teilt diese Befürchtung nicht. „Wir hatten erst vor einer Woche einen Ortstermin“, sagt er. Gemeinsam mit einem Gutachter habe man sich die Schäden angesehen. „Das lässt sich reparieren“, sagt Kefenbaum. Er hat keinen Zweifel daran, dass das Kaskade erhalten bleibt. Möglicherweise auch als Veranstaltungsort für die documenta. „Die Verhandlungen laufen noch“, sagt Kefenbaum.

Unterdessen gehen die Arbeiten an dem neuen Modehaus weiter voran. 29 Millionen Euro investiert Peek&Cloppenburg in Kassel. Der Rohbau ist fast fertig. Im Frühsommer 2012 soll das Haus eröffnet werden. Bis dahin soll auch die Rekonstruktion der historischen Fassade des Henschelhauses an der Wolfsschlucht fertig sein. Der Abriss hatte für heftige Diskussionen gesorgt.

Mehr über das Kaskade-Kino und das Henschelhaus im HNA-Wiki

Von Thomas Siemon

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