Zeitlupen-Komiker Thomas „Baldrian“ Leuenberger

Er schafft Gemütlichkeit in der Flic Flac-Manege

Langsamkeit ist für ihn ein Stück Lebenseinstellung: Der Schweizer Komiker Thomas „Baldrian“ Leuenberger im Vorzelt des Circus Flic Flac. Foto: Fischer

Kassel. Baldrian beruhigt. Nicht nur die Pflanze. Auch der Schweizer Zeitlupen-Komiker des Circus Flic Flac.

Wenn es im Zirkuszelt nach Benzin riecht statt nach Sägespänen, Musik von Rammstein dröhnt, die Bässe den Boden erbeben lassen und angesichts der draufgängerischen Artisten das Herz bis zum Hals klopft, dann tut ein wenig Ruhe gut. Dafür sorgt Baldrian. So nennt sich der Berner Komiker Thomas Leuenberger, wenn er beim Festival der Artisten im Circus Flic Flac auftritt.

„Ich bin heute für die Gemütlichkeit zuständig“, sagt der 57-Jährige, der seit sieben Jahren als Solokünstler unterwegs ist. Zuvor hat er sich in 21 Jahren mit seinem Bühnenpartner Claude Criblez als Zeitlupen-Duo „Flügzüg“ nicht allein in der Schweiz einen Namen gemacht.

Im Flic Flac-Publikum lehnen sich viele wohlig entspannt und lächelnd zurück, wenn der Wuschelkopf im grünen Hemd und mit grün gefärbten Augenbrauen die Manege ganz langsam betritt, noch langsamer spricht und mit seinen schwebenden Requisiten spielt. Zum Beispiel mit dem wundersamen Wesen „Gisela“, das er aus miteinander verknüpften, heliumgefüllten, silbern glänzenden Ballons mit Propellerantrieb gebastelt hat. Wenn sich Gisela sachte durch die Zeltkuppel schlängelt, können die Zuschauer einen Moment lang innehalten und aufatmen.

Langsamkeit ist für Leuenberger ein Stück Lebenseinstellung. Der Mann erinnert an den Witz vom Schweizer Schneckenjäger, der mit dem Satz „Husch, husch, weg sanns“ den Kopf schüttelt über das Tempo seiner Beutetiere.

Auftritt mit Gisela: Das wundersame Wesen, das sich ganz langsam durch die Circuskuppel schlängelt, hat Flic Flac- Künstler Thomas „Baldrian“ Leuenberger selbst gebaut. Foto: Fischer

Entschleunigung ist das Stichwort für den Künstler aus dem Kanton Bern. „Das ist der langsamste Kanton“, schmunzelt Baldrian. Er hat es auch privat am liebsten langsam und gemütlich. Und macht sich nichts daraus, dass Bewegungsmelder nicht auf ihn reagieren. „Wer langsamer lebt, ist später tot“, sagt er. Auf die seelenruhigen Auftritte spricht das Publikum sehr gut an, freut sich Leuenberger. Entschleunigung sei in unserer hektischen Welt ein Riesenthema, „das passt in die heutige Zeit.“

Bis zur poetischen Bühnenshow in der Flic Flac-Manege war es für Baldrian ein langer Weg. Nach diversen Jobs hat er als Straßenkünstler angefangen, hat auf der Straße jongliert, was er in seinen Solo-Abendshows bis heute gern macht und Stück für Stück sein Ziel verwirklicht, seinen Zuschauern mit der humorvollen Langsamkeit ein wenig Zeit zu schenken. Er war mit den Zirkusunternehmen Knie und Roncalli unterwegs, und nach dem Artisten-Festival in Kassel geht es im neuen Jahr wieder auf Tour durch die Schweiz. „Das Zelt“ bietet 25 Shows und reist von Stadt zu Stadt - aber ganz langsam.

So war die Premiere von Zirkus Flic-Flac

Hintergrund: Flic Flac

Für das 7. Festival der Artisten in Kassel hat der Circus Flic Flac sein schwarz-gelbes Zelt auf dem Friedrichsplatz in der Innenstadt aufgebaut. Bis zum 10. Januar gibt es täglich Vorstellungen: Montag bis Samstag jeweils um 16 und um 20 Uhr, sonntags um 15 und um 19 Uhr. Bis zum Montag, 4. Januar, sind die Vorstellungen ausverkauft, Karten gibt es noch für die Zusatzvorstellung am Montagnachmittag um 16 Uhr. Insgesamt 60 Artisten aus aller Welt zeigen ein spektakuläres Programm. Karten gibt es von 22 bis 49 Euro (ermäßigt 19 bis 45 Euro) an der Zirkuskasse und in den HNA-Geschäftsstellen, unter Tel. 05 61 / 20 32 04 und im Internet unter www.hna-kartenservice.de

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