31-Jähriger soll Verlobte verprügelt haben, doch die bestritt ihre Aussage

Schläge wegen Streit um Hund? - Kasseler wird freigesprochen

Höxter/Kassel. Wenn es um Tiere geht, kennen manche Menschen keine Verwandten. Womöglich ist das der Hintergrund einer Tat, die jetzt vom Amtsgericht Höxter verhandelt wurde.

Ein 31-Jähriger aus Kassel, der angeklagt war, seine Verlobte geschlagen zu haben bis sie ihm den Hund rausrückte, wurde freigesprochen, weil das mutmaßliche Opfer sich um eine Aussage drückte.

Das Urteil fiel für den kräftig gebauten Mann aus Kassel überaus positiv aus: Freispruch, weil die Vorwürfe nicht zu beweisen waren. Was war passiert? Der 31-Jährige sollte laut Anklage im Juni seine 30-jährige Verlobte bei ihr zuhause in Höxter drangsaliert haben: Erst sollte sie einen Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht bekommen haben, dann die Aufforderung, den Hund herauszugeben, dann weitere Schläge. Die Frau gab den Hund, den sie selbst gekauft hatte, schließlich her - und zeigte ihren damaligen Verlobten an.

Der angehende Fitnesstrainer saß wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung auf der Anklagebank. Doch am ersten Prozesstag schwiegen alle Beteiligten: der Angeklagte, das Opfer und dessen Oma, die sich durch ein ärztliches Attest entschuldigen ließ.

Der Verteidiger des 31-Jährigen wollte auf eine Einstellung des Verfahrens hinaus, schließlich vertrage sich das Paar ja wieder. Das wiederum rief den Widerstand der Richterin auf den Plan: Die Zeugin habe mit ihrer Strafanzeige ein Verfahren in Gang gesetzt, das zum Hauptverhandlungstermin geführt habe - der nun „platzte“.

Auch der zweite Prozesstermin brachte keine Aufklärung: Diesmal erschien die 30-Jährige mit einem eigenen Rechtsbeistand, der rundheraus bestritt, dass die in ihrer eigenen Strafanzeige geschilderte Tat so stattgefunden habe: Seine Mandantin habe seinerzeit falsche Angaben gemacht, es habe keine Schläge seitens des Angeklagten gegeben.

Die diesmal erschienene Großmutter berief sich auf Erinnerungslücken und angesichts ihrer ursprünglichen Aussage bei der Polizei darauf, dass sie diese nur anhand dessen getätigt habe, was sie von einem Nebenraum aus mitbekommen habe. Also keine verwertbaren Aussagen, die zu einer Verurteilung des Angeklagten hätten führen können - so lautete die Entscheidung der Richterin auf Freispruch. Der 30-Jährigen droht nun wegen der mutmaßlichen Falschaussage bei der Polizei ein Verfahren, womöglich auch eines wegen falscher Verdächtigung. Da sie in einem früheren Gewaltschutzverfahren gegen ihren Verlobten eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, könnte ihr auch diese strafrechtlich auf die Füße fallen.

Ob der Kasselertatsächlich ein friedliches Lämmchen ist? Er war erst vier Wochen vor der angeklagten Tat zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung verurteilt worden, in Darmstadt läuft noch ein weiteres einschlägiges Strafverfahren.

Von Ulrich Pfaff

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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