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Schlau in zwei Minuten: Wie Sie Ihr Gehirn trainieren können

Kassel. Wenn man sein Gehirn nicht fordert, baut es ab. Die Nervenverbindungen werden schwächer, die Gehirnzellen weniger.

Mit unserer Gehirntrainingsserie "Schlau in zwei Minuten" können Sie Ihr Gehirn herausfordern und somit trainieren. Die Aufgaben hat die Kasseler Gehirn- und Gedächtnistrainerin Dr. Christiane Potzner zusammengestellt.

Video 1: Ohrenkneten fördert die Konzentrationsfähigkeit 

Teil 2: Gehirnhälften aktivieren und verknüpfen 

Teil 3: Neue Gehirnbereiche aktivieren 

Teil 4: Gewohnte Dinge anders machen 

Teil 5: Ballübungen machen schlau 

Teil 6: Mit Alpha-Gehirnwellen im optimalen Lernzustand 

Drei häufige Irrtümer über unser Gehirn

Zum Abschluss unserer Reihe räumt die Gehirn- und Gedächtnistrainerin Dr. Christiane Potzner mit drei häufigen Irrtümern über unser Gehirn auf.

Mythos 1: Je größer ein Gehirn, desto intelligenter. 

Falsch. „Was uns schlau macht, ist nicht die Masse der Gehirnzellen, sondern die Verknüpfung dieser Zellen“, sagt Dr. Christiane Potzner. So sind männliche Gehirne zwar größer und schwerer als weibliche. Es gibt aber keinen Zusammenhang zur Intelligenz.

Wäre Größe entscheidend, müsste der Pottwal mit 7,8 Kilogramm Gehirnmasse am cleversten sein. Sein Gehirn macht allerdings nur 0,01 Prozent des Körpergewichts aus. Ein menschliches Gehirn wiegt im Schnitt 1,3 Kilogramm und macht zwei Prozent des Körpergewichts aus. Schaut man sich dieses Verhältnis an, schneidet die Spitzmaus, die vier Prozent Gehirnmasse hat, doppelt so gut wie der Mensch ab.

Ein Spitzengehirn ist aber eines, das besonders gut vernetzt ist. Wie bei einem Verkehrssystem gilt für das Denken: Je mehr Straßen, Kreuzungen und Abzweigungen es gibt, desto schneller kommt man voran.

Mythos 2: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Hinter diesem Sprichwort steckt die Annahme, im Alter könne man nichts mehr lernen. „Das stimmt so nicht“, sagt Dr. Christiane Potzer (48). Das Gehirn sei bis ins hohe Alter lernfähig. „Hans braucht nur etwas länger, um Neues zu lernen“, sagt die promovierte Arbeitswissenschaftlerin der Uni Kassel. Die älteste Frau der Welt, ein Französin, die 122 Jahre alt wurde, erlernte beispielsweise noch mit 85 Jahren das Fechten. Und ein Deutschland hat vor fünf Jahren eine 98-Jährige noch promoviert.

Man unterscheide zwischen kristalliner Intelligenz (unser Wissen) und fluider Intelligenz (der Abruf des Wissens). Die kristalline Lernkurve sei in der ersten Lebenshälfte steiler, aber auch im hohen Alter steige sie noch an – je nachdem, wie aktiv Menschen noch sind. Die fluide Intelligenz, also das Abrufen von Informationen, dauere im Alter allerdings länger. In Studien sei aber auch nachgewiesen, dass ältere Menschen zwar länger brauchen, um Aufgaben zu lösen, dafür aber weniger Fehler machten.

Mythos 3: Kopfbälle und Alkohol machen dumm. 

Es ist zwar richtig, dass bei Kopfbällen und auch bei einem Vollrausch eine beträchtliche Zahl Gehirnzellen abstirbt. Allerdings fällt das bei einer Anzahl von rund 80 Millarden Nervenzellen kaum ins Gewicht, sagt Christiane Potzner. Ohnehin sterben jeden Tag rund 85.000 Gehirnzellen ab. Dafür werden aber auch täglich etwa 1000 neue Nervenzellen gebildet. „Das natürliche Ausmisten von Nervenzellen ist sogar notwendig, damit das Nervenzell-Netzwerk effektiver wird“, erklärt die Gehirntrainerin.

Der Genuss von Alkohol in Maßen mache unserem Gehirn nichts aus. Erst dauerhafter, hoher Alkoholkonsum schädige die Gehirnstrukturen und störe die Neubildung von Nervenzellen. Ebenso gilt für Kopfbälle: Nur wer im großen Stil und über viele Jahre hinweg Bälle köpft, schadet seinem Gehirn. „Studien zufolge müsste man 20 Jahre lang über 800 Kopfbälle pro Jahr absolvieren, bis die geistige Leistungsfähigkeit nachweislich leidet“, sagt Potzner.

Kopfballstarke Spieler müssen sich also keine Gedanken machen, dass sie ihre sportlichen Erfolge mit sinkender Intelligenz bezahlen. Außerdem gehört ja auch gehörig Köpfchen dazu, mit dem Kopf einen Ball passgenau ins Tor zu befördern.

Zur Person: Dr. Christiane Potzner 

Stellte die Kniffel-Aufgaben zusammen: Gehirn- und Gedächtnistrainerin Christiane Potzner aus Kassel. Foto: Rudolph

Dr. Christiane Potzner (48) ist promovierte Arbeitswissenschaftlerin. Die gebürtige Lübeckerin hat in Kassel studiert und ist an der Uni Kassel in der Verwaltung und als Lehrbeauftragte beschäftigt. Zudem ist sie freiberuflich über ihre Firma „Brain Speed“ tätig und bietet Kurse und Vorträge zum Thema Gehirn und Gedächtnis an. Neben Lern- und Merktechniken ist eines ihrer Spezialgebiete Schnelllesen (Speed Reading). Darauf kam sie vor zehn Jahren während ihrer eigenen Doktorarbeit, als die Literatur sich auf ihrem Schreibtisch stapelte. Potzner ist ledig und lebt in Kassel.

www.brain-speed.de

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