Marktplatz: Schmuckstück sucht eine Liebhaberin

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Erste Etappe ist geschafft: Hella Drücke hat sich das buntgepunktete Muster in braunen Karrees selbst ausgedacht. Ein kleiner Vorrat an Wollfäden ist schon auf die richtige Länge geschnitten.

Er ist zwei mal 1,20 Meter groß, und könnte mit seinem modernen, fantasievollen Muster ein Schmuckstück für jede Wohnung sein. Doch leider ist der Teppich, den die Kasselerin Hella Drücke zu knüpfen begonnen hat, unvollendet.

„Ein Liebhaber sollte den Teppich fertigmachen. Das ist eine gute Winterbeschäftigung. Man braucht Zeit, Platz, Geduld und Freude“, sagt die Rentnerin. Sie selbst sei durch das Musizieren im Kasseler Akkordeonorchester, wo sie auch zweite Vorsitzende ist, und ihr Engagement für den Nachbarschaftsverein „Hand in Hand“ der Vereinigten Wohnstätten 1889 gut ausgelastet. „Außerdem ist meine neue Wohnung für einen weiteren Teppich dieser Größe zu klein“, erklärt sie. Deshalb will sie den Teppich nebst sämtlichem Zubehör und einem ausreichenden Wollvorrat verkaufen.

Geliebtes Hobby

Das Teppichknüpfen war einmal die große Leidenschaft von Hella Drücke. „Ich habe immer gern Handarbeiten gemacht. Mit Anfang 20 habe ich das Teppichknüpfen für mich entdeckt. Das wurde zu meinem großen Hobby“, berichtet die gelernte Kauffrau. Damals, in den 1960er- und 1970er-Jahren, sei diese Handarbeit groß in Mode gewesen. Die selbst hergestellten Teppiche fanden im Miniformat Verwendung als Unterlage fürs Telefon, größere Teppiche dienten als Wandbehänge oder Brücken.

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„Den ersten Teppich habe ich noch streng nach vorgegebenem Muster geknüpft“, erinnert sich Frau Drücke. Dieser Teppich habe ihren Eltern so gut gefallen, dass sie gleich danach auf deren Wunsch einen weiteren nach selbst entworfenem Muster für eine befreundete Familie als Geschenk geknüpft habe. Dann folgte ein zwei mal drei Meter großer Teppich, an dem die heute 72-Jährige viele Monate saß. Da war es schon selbstverständlich, dass sie als junge Mutter für ihre Tochter auch einen Teppich als Krabbeldecke knüpfte. Freunde in Dänemark wurden mit einem weiteren Teppich beschenkt.

Geduld erforderlich

Bis heute hat Hella Drücke von ihrer Fingerfertigkeit nichts verlernt. „Das ist eine mühselige Arbeit, die leicht zu erlernen ist, aber viel Geduld erfordert“, erklärt sie. Wollfäden müssen durch ein gitterartiges, robustes Gewebe, das sogenannte Stramin gezogen und dann verknotet werden. Schnell kommen dabei einige 1000 Knoten zusammen. Wichtig sei für diese Arbeit eine feste Unterlage. Das könne ein Fixierbrett sein, aber auch ein großer Tisch sei geeignet.

Frau Drücke hat noch neuwertige Bänder zum Fixieren des Stramins. „Ich selbst habe immer eine alte Eisenbahnschiene dafür benutzt, die ich in unserem Keller gefunden habe“, berichtet sie.

Hella Drücke verkauft den unvollendeten Teppich mit einem großen Korb voller Acrylgarn-Knäuel. „Acryl ist unkaputtbar. So hat man sehr lange etwas von diesem Teppich“, sagt sie. Fixiergurte, Knüpfhaken und Wollschneider bekommt der Käufer ebenfalls dazu. Sie sei auch bereit, einem Anfänger die ersten Schritte des Teppichknüpfens zu zeigen, versichert sie. Auf jeden Fall werde sie den Teppich nur in gute Hände geben. (pdi)

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