Ex-Manager der Kastelruther Spatzen trennt sich von Sammlerstück

Sie war die schnellste Lok der Welt: Henschelflitzer E03 steht zum Verkauf

Ein Meilenstein der Eisenbahngeschichte: Die Elektrolok 03 - das Foto entstand in Bayern - wurde ab 1965 in Kassel von Henschel und Siemens gebaut. Die Schnellfahrlokomotive gilt als Vorläufer der heutigen ICE-Flotte. Foto: dpa

Kassel. Sie sieht immer noch toll aus, ist beige und rot lackiert, wirkt windschnittig wie eh und je und weckt Erinnerungen.

Ab 1965 war die Henschel-Lokomotive E 03 mindestens so oft in den großen Bahnhöfen zu sehen wie heute der ICE.

Eines der ältesten Modelle hat Helmut Brossmann, der ehemalige Manager der Volksmusik-Band Kastelruther Spatzen, vor Jahren gekauft. Damals befand sich die Rarität in einem bemitleidenswerten Zustand. Brossmann ließ die Henschel-Lokomotive, die bei Eisenbahnfans Kultstatus genießt, aufwendig restaurieren. Eigentlich sollte sie auf einem Freizeitgelände, dem Spatzenpark in der Oberpfalz, zu sehen sein. Der Park rechnete sich allerdings nicht, die 100 Tonnen schwere Lokomotive steht jetzt zum Verkauf.

Helmut Weich

Darüber berichtet die Zeitschrift Focus in ihrer Onlineausgabe. Die 20 Meter lange Lokomotive, die in Kassel von Siemens und Henschel gebaut wurde, soll für einen Verhandlungspreis von 199 000 Euro den Besitzer wechseln. Sie wird beim Internet-Auktionshaus Ebay zum Verkauf angeboten.

Wäre das nicht eine einmalige Chance für das Kasseler Henschelmuseum? Auf diese Frage schüttelt Museumsleiter Helmut Weich nur mit dem Kopf. Selbstverständlich wäre es schön, diese Lokomotive ein halbes Jahrhundert nach der Auslieferung an ihrem Produktionsort zu präsentieren. „Das war quasi der Vorläufer für den ICE“, sagt Weich, der 35 Jahre bei Henschel gearbeitet hat. Die Elektrolokomotive habe eine Spitzengeschwindigkeit von 265 Kilometern pro Stunde erreicht. „Das war damals Weltrekord“, sagt Weich.

Transport zu teuer

Bislang unveröffentlichte Aufnahme: Das Foto zeigt die Produktion der Elektrolokomotive 03 im Werk Mittelfeld von Henschel in den späten 1960er-Jahren. Foto: Henschelmuseum / nh

Für das Museum sei der Ankauf der Lok aber unrealistisch. Selbst wenn man die Lok geschenkt bekäme, müsse man passen. Allein die Transportkosten würden die Möglichkeiten des ehrenamtlich betriebenen Museums übersteigen. Erst vor wenigen Wochen habe man ein sehr interessantes Sammlerstück aus Südafrika angeboten bekommen. Es handelte sich um eine der letzten erhaltenen Kondenslokomotiven von Henschel. Die wird jetzt verschrottet, weil die Überführung nach Kassel zu teuer geworden wäre.

Der Besuch im Kasseler Henschelmuseum, Wolfhager Straße 109, lohnt sich aber auch ohne weitere große Lokomotiven. Es ist an jedem ersten Wochenende des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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