Studenten machen mit Bartwuchs auf Männergesundheit aufmerksam

Bei Beginn der Aktion noch fast bartlos: Julian Schnaubelt (23, links) und Martin Daum (23) vom CVJM-Hochschulteam, das mit der Movember-Aktion Spenden sammelt. Fotos: Morrison/nh

Kassel. Zwei Kasseler Studenten beteiligen sich an der Aktion Movember. Mit ihren Schnubärten wollten sie auf ein Tabu-Thema aufmerksam machen.

Vor vier Jahren kam die erste Idee: In der Campus-Kneipe „Pinte“ an der CVJM- Hochschule hörten Julian Schnaubelt (23) und Martin Daum (23) zum ersten Mal von einer Aktion namens „Movember“. „Unser Freund, Felix Witte, erzählte uns davon, dass der November jetzt Movember heißen würde. Und man sich einen Schnurrbart wachsen lassen muss,“ erklärt Schnaubelt - seine Neugier war nun geweckt.

Er recherchierte, was es mit dieser Aktion auf sich hat und fand heraus, dass die eigentlich lustige Aktion einen ernsten Hintergrund hat. Der Sinn, sich einen auffallenden Schnurrbart wachsen zu lassen, besteht darin, auf die Männergesundheit aufmerksam zu machen, speziell auf Hoden- und Prostatakrebs. „Auch in der heutigen Zeit ist es noch ein Tabu-Thema, zum Urologen zu gehen“, sagt Schnaubelt. Der Movember trage dazu bei, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit wieder an Präsenz gewinne, ergänzt Daum.

Spenden sammeln 

Aber bei Movember geht es nicht nur um den Bart, sondern vor allem um Spendeneinnahmen, die alle an die Movember Foundation geleitet werden. Daher veranstaltet das CVJM-Hochschulteam, dem Schnaubelt und Daum angehören, auch dieses Jahr gab es wieder eine Movember-Party mit einer Versteigerung. Alle Einnahmen werden gespendet - übrigens auch die Erlöse aus dem Bierverkauf.

„An der Uni kommt die Aktion gut an“, freut sich Schnaubelt. „Die Erstsemester machen auch fleißig mit. In unserem Freundeskreis ist die Aktion genauso beliebt wie mein Bart es jetzt ist“, scherzt er weiter. „Meine Verlobte steht jedenfalls hinter der Aktion - der Bart stört sie nicht“.

Auch Dr. Peter Kollenbach (50), Landesvorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Urologen Hessen (BDU) unter- stützt den Movember. „Bisher gehen nur rund 14 Prozent der Männer in Deutschland regelmäßig zur Früherkennung“, sagt Kollenbach.

Dabei sei gerade die Früherkennung von Krebserkrankungen wichtig und ab einem Alter von 45 Jahren werde auch eine regelmäßige Kontrolle empfohlen. „Besonders bei Hodenkrebs gibt es sehr gute Heilungschancen, wenn der Tumor früh entdeckt wird.“, erklärt Kollenbach.

Neben Movember ist ein ähnliches Projekt ins Leben gerufen worden: „Deine Manndeckung“, die besonders auf Prostatakrebs aufmerksam mache, habe wie der Movember auch jüngere Männer als Zielgruppe. In der Praxis von Kollenbach wurde eine Jungensprechstunde eingeführt, „die die Angst vorm Urologen nehmen soll“, so der Kasseler Arzt.

Daum geht - seit der Movember vor vier Jahren in Deutschland gestartet ist - nun einmal jährlich zur Früherkennung. Schnaubelt gibt hingegen zu: „Ich war seit ein paar Jahren nicht mehr da - müsste aber mal wieder einen Termin vereinbaren.“ Info: www.movember.de

Hintergrund

Der Movember entstand 2003 in Australien, zunächst um den Schnurrbart wiederzubeleben. Ein Jahr später wurde die Movember Foundation als Verein eingetragen, und erste Spenden für Prostatakrebs gesammelt. 2012 startete die Kampagne auch in Deutschland. Seit 2003 wurden 485 Millionen Euro gespendet, über 4,7 Millionen Mitglieder angemeldet und 832 Projekte unterstützt. Momentan nehmen 22 Länder an der Aktion teil, darunter vor allem die USA, Kanada und Australien. Die Organisation unterstützt besonders Forschungsprojekte zur Früherkennung und Behandlung von Hoden- und Prostatkrebs. Daneben macht sie auch auf Männergesundheit aufmerksam, wie etwa Bewegungsmangel und die psychische Gesundheit. Um ein sogenannter „Mo-Bro“ zu werden, rasiert man sich am 1. November glatt und lässt sich bis 30. November einen Schnurrbart wachsen. Um damit Spenden zu sammeln, muss man sich auf der Homepage anmelden. Auch Frauen nehmen an der Aktion teil („Mo-Sistas“). Aus Kassel macht zum Beispiel das Team der CVJM Hochschule mit, ebenso die Kassel Huskies und der MT Melsungen. Deren Trainer Michael Roth und dessen Zwillingsbruder Uli erkrankten beide 2005 an Prostatkrebs, gelten aber inzwischen wieder als gesund. Sie machten ihre Krankheit öffentlich, um zu mehr Aufklärung beizutragen und erfuhren viel Unterstützung von ihrem Team.

Von Max Morrison und Daniel Zander

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