Strafverteidiger erweitert Befangenheitsantrag

Schüsse am Stern: Prozess droht zu platzen

Kassel. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Kassel gegen einen 26-jährigen Libyer, der 2015 einen Algerier am Stern in Kassel angeschossen haben soll, droht zu scheitern.

Befangenheitsrichter Dr. Philipp Kleinherne muss bis zum nächsten Prozesstag am 31. August gleich über mehrere Anträge des Düsseldorfer Anwalts Reinhard Leis befinden, unter anderem, ob Richterin Sabrina Müller-Krohne und der beisitzende ehrenamtliche Richter befangen sind. Die Zweifel an dem Schöffen waren ein neuer Schachzug des Verteidigers. Das Gericht schenke den „diffusen Drohszenarien“ eines Zeugen Glauben und vorverurteile seinen Mandanten, so sein Vorwurf. Zugleich monierte der Strafverteidiger formelle Versäumnisse. „Mehr als befreundlich“ wertete aber auch Opferanwalt Walter Momberg, dass Informationen aus einem Gespräch mit einem Zeugen nicht weitergegeben wurden. Die Zweifel an dem Schöffen wertete der seit fast 40 Jahren an den Kasseler Gerichten erfahrene Anwalt als unbegründet.

Der Fortgang des Prozesses verzögerte sich darüberhinaus deshalb, weil vom vergangenen Mittwoch bis Dienstag von der Justizverwaltung Schriftstücke nicht an die Staatsanwältin und die Nebenklage weitergeleitet wurden. „Ein Fehler“, den Matthias Grund, Pressesprecher des Amtsgerichts, einräumte, der allerdings weder von der Vorsitzenden Richterin noch vom Befangenheitsrichter zu verantworten sei.

Den Angeklagten schien das Hin und Her am fünften Verhandlungstag, an dem eigentlich das Urteil gegen ihn längst gesprochen sein sollte, mehr als zufrieden zu stellen. Mit einem strahlenden Lächeln verließ er den Gerichtssaal. Zwar ging es für ihn wieder zurück in die Untersuchungshaft, doch wenn der Prozess platzen sollte, dann müsste der 26-Jährige vermutlich entlassen werden, bis vor einer anderen Abteilung des Amtsgerichts Kassel der Prozess gegen ihn erneut aufgenommen werden könnte. (and)

Fortsetzung: 31.8., 10 Uhr.

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Rubriklistenbild: © Fischer

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