Kasseler Schulamt wurde 2015 in knapp 300 Fällen gegen Schüler und Eltern tätig

Schwänzen kann teuer sein - Jugendarrest ist härteste Sanktion

Schulverweigerer: Wer als Schüler den Klassenraum häufiger mal scheut, den erwartet ein Bußgeld oder im schlimmsten Fall sogar Jugendarrest. Foto: dpa

Kassel. Schwänzen ist Alltag an Schulen. Wer nur einmalig eine Stunde blau macht, wird in der Regel nicht bestraft. Anders ist es bei Schülern, die dem Unterricht häufiger fernbleiben.

Gegen diese und gegebenenfalls auch gegen deren Eltern leitet das Schulamt so genannte Schulordnungswidrigkeitsverfahren ein. Im vergangenen Jahr musste dies das Kasseler Schulamt in 297 Fällen in Stadt und Kreis Kassel tun. Vor allem um die Ferienzeiten zu verlängern, wird mit Wissen der Eltern immer häufiger die Schulpflicht verletzt.

„Das Schulamt wird nur tätig, wenn die Schule dies beantragt hat und der betreffende Schüler häufiger fehlt“, erläutert Stefan Löwer, Sprecher des Kultusministeriums. 2013 hat das Kasseler Schulamt in 271 Fällen und 2014 sogar in 438 Fällen Schüler mit einem Bußgeld belegt oder gar über das Amtsgericht Jugendarrest oder Sozialstunden gegen den betreffenden Schüler erwirkt. In einigen Fällen wurde das Verfahren auch eingestellt.

Sieben Mal Jugendarrest

Die härteste Sanktionierungsform ist der Jugendarrest. In den vergangenen Jahren machten aber nur je sieben Schulschwänzer aus Stadt und Kreis mit diesem Bekanntschaft. In bis zu 100 Fällen mussten die Jugendlichen Sozialstunden ableisten. „Das ist mitunter sinnvoller und wirkt abschreckender als ein Bußgeld“, sagt Löwer.

Die Bußgelder starten bei fünf Euro pro Fehltag, im Wiederholungsfall sind 7,50 Euro pro Tag fällig. Bei Berufsschülern sind sofort 7,50 Euro zu zahlen. Im schlimmsten Fall können bis zu 400 Euro drohen – das ist der Höchstsatz.

Bei Kindern bis 14 Jahren nimmt das Schulamt die Eltern allein in die Verantwortung. Im Alter von 14 bis 18 Jahren tragen die Schüler eine Teilverantwortung und so kann gegen sie direkt das Bußgeld verhängt werden. Es bleibt dann den Eltern überlassen, ob dies die Schüler aus eigener Tasche zahlen müssen. Ab 18 Jahren tragen die Eltern keine Verantwortung mehr.

Viele verlängern Ferien

Besonders hohe Geldbußen (mindestens 100 Euro) drohen, wenn Eltern die Schulferien eigenmächtig ausdehnen, weil ein gemeinsamer Urlaub über die Ferienzeit hinaus gebucht wurde. „Dieses Verhalten ist zunehmend zu beobachten und hat inzwischen eine bemerkenswerte Dimension erreicht“, sagt Ministeriumssprecher Löwer. Es sei eine Sache, wenn Schüler ihre Schulpflicht nicht so ernstnehmen würden, wenn aber Eltern dies auch noch forcierten, sei es besonders problematisch.

In ganz Hessen wurden 2015 über 3200 Schüler wegen Schwänzens sanktioniert. Zu den Ursachen hat das Ministerium keine Angaben gemacht.

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