Aus Sicherheitsgründen

Scooter darf nicht in die Tram: KVG will Krankenfahrstühle nicht befördern

Ist verärgert über die KVG, die seinen elektrischen Krankenfahrstuhl nicht mehr in Bussen und Bahnen mitnehmen will: Scooter-Fahrer Horst Effmert (83) vor seiner Wohnung in Wesertor. Foto: Fischer

Kassel. „Ich darf sie nicht mehr mitnehmen“, hörte Horst Effmert vom Straßenbahnfahrer, als er mit seinem kleinen Elektro-Mobil an der Haltestelle Weserspitze in die Tram der Linie 6 wollte.

Der 83-Jährige hat dafür kein Verständnis. Seit drei Jahren fährt er mit dem Scooter. „Es gab damit noch nie Probleme in Bussen und Bahnen“, sagt der zu 100 Prozent schwerbehinderte Rentner. Mit dem elektrischen Krankenfahrstuhl kann sich der Senior wieder außerhalb seiner Wohnung an der Bürgistraße im Stadtteil Wesertor bewegen. „Ich kann einen normalen Rollstuhl nicht nehmen, weil ich nicht die Kraft habe, die Räder zu schieben“, erklärt Effmert.

Deshalb war er froh über das von einem Elektromotor angetriebene Hilfsmittel, das 5500 Euro gekostet hat. 2500 Euro hatte die Krankenkasse übernommen, 3000 Euro musste der frühere Berufskraftfahrer selbst zahlen. „Ich bin damit mit dem Bus gefahren, mit dem Zug gefahren, alles hat prima geklappt“, sagt der Schwerbehinderte: „Jetzt auf einmal darf ich nicht mehr in die Straßenbahn einsteigen, wie soll ich meine Besorgungen machen?“

Jedesmal ein Rollstuhltaxi zu rufen, könne er sich nicht leisten. Er möchte deshalb weiter mit seinem Scooter in Bussen und Bahnen mitgenommen werden.

Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Weil die schweren Elektro-Mobile in den Fahrzeugen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) nicht angemessen gesichert werden könnten, müsse man auf den Transport der Scooter in Bussen und Trams verzichten, sagt KVG-Sprecher Ingo Pijanka: „Das ist wirklich gefährlich.“

Bisher seien Scooter von Fall zu Fall mitgenommen worden, wenn ein Bus oder eine Straßenbahn weitgehend leer gewesen sei. Doch diese Regelung habe man jetzt aus Sicherheitsgründen durch die klare Anweisung an die Fahrer ersetzt, die Elekto-Mobile, die von der Bauweise her ein Stück länger als Rollstühle sind, nicht mehr mitzunehmen. Darin sehe auch der Behindertenbeirat der Stadt Kassel kein Problem, weil es nur sehr wenige solcher Scooter gebe. Rollatoren, Rollstühle und auch elektrisch betriebene Rollstühle „nehmen wir natürlich weiterhin gern mit“, sagt Pijanka.

Die Größe eines Scooters ist aus der Sicht des Nordhessischen Verkehrs-Verbundes (NVV) entscheidend dafür, ob die Krankenfahrstühle zumindest in den Regiotramzügen sowie Eisenbahnen weiterhin mitgenommen werden könnten. Wenn ein solcher Scooter im Zug wenden und dann entgegen der Fahrtrichtung aufgestellt werden könne, sei ein Transport möglich, erklärt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Sei der Krankenfahrstuhl aber dafür zu groß, „wird er von der Beförderung ausgeschlossen.“

Von Jörg Steinbach

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