Festnahme in der Kaufhalle

Spektakuläre Festnahme: Er fasste den Polizisten-Mörder

Kassel. Am 24. Februar 1967 wurde der bundesweit gesuchte Polizisten-Mörder Bruno Fabeyer in der Kasseler Kaufhalle festgenommen. Einer der Polizisten, die ihn dingfest machten, war Sebastian Schmidt.

Anlässlich seines Geburtstages wurde der pensionierte Polizeihauptkommissar Sebastian Schmidt* von Polizeipräsident Eckhard Sauer jetzt ins Präsidium eingeladen.

„So etwas vergisst man nicht“, sagt Schmidt. Der Polizeihauptkommissar erzählt von der wohl spektakulärsten Festnahme in seiner Berufslaufbahn. Es ist mittlerweile über 46 Jahre her, dass Schmidt zusammen mit drei Kollegen den bundesweit gesuchten Polizisten-Mörder Bruno Fabeyer festgenommen hat. 

Der Zugriff erfolgte am 24. Februar 1967 in der Gaststätte der Kaufhalle (heute Standort der Sport-Arena) an der Oberen Königstraße. „Es war mir schon ein bisschen mulmig, als wir von der Einsatzbereitschaft am Altmarkt losgefahren sind.“ 

Was Fabeyer vor 46 Jahren für ein gefürchteter Verbrecher war, wird aus der Berichterstattung unseres damaligen Chefreporters Egon Vogt deutlich. „Ein Gespenst ging um in den Wäldern der Bundesrepublik: Bruno Fabeyer, 40 Jahre alt, mehrfach wegen schweren und einfachen Diebstahls im Rückfall vorbestraft, gesucht wegen Mordes an einem Polizeibeamten und wegen Körperverletzung an einem Postbeamten, den er zum Krüppel schoss.“ 

Fabeyer, der als einer der gefährlichsten Gewaltverbrecher der Nachkriegszeit galt, war fast zwei Jahre auf der Flucht, bevor er in der Kaufhalle gestellt wurde. Überall waren Steckbriefe von ihm veröffentlicht worden. Die Kasseler Gastwirtin Hildegard N. hatte die Polizei am Morgen des 24. Februar verständigt. Sie hatte beim Stadtbummel einen Abstecher in die Kaufhalle gemacht. Dort erkannte sie den gesuchten Verbrecher. 

Um 9.24 Uhr klingelte das Notruftelefon bei der Funkwagenleitstelle. Die Beamten hörten eine Frauenstimme: „Darf ich Ihnen etwas mitteilen, auch wenn es nicht stimmt? Im Erfrischungsraum der Kaufhalle sitzt Bruno Fabeyer und trinkt Milch.“ Das war Hildegard N., die später eine Belohnung von 6000 DM dafür bekommen sollte.

„Bevor wir in die Kaufhalle sind, haben wir noch mal die Lage beurteilt. Kollege Päschel und ich sind von der Treppenstraße rein, die anderen beiden kamen vom Hinterhof“, erzählt Schmidt. Vorher hatten alle ihre auffälligen weißen Uniformmützen abgenommen. Dann ging es leise in die Gaststätte. Und dort saß der Schwerverbrecher an einem Tisch und aß Bockwurst. 

„Wir haben ihn sofort umstellt, Kollege Priem und ich haben zugegriffen. Der hatte keine Chance.“ Schmidt erinnert sich an die kräftigen Arme Fabeyers. „Die haben sich so stark wie Beine angefühlt.“ Zudem hätten sie sofort seine Waffe, ein abgesägtes Kleinkalibergewehr, die er in einem Halfter in der linken Achselhöhle trug, abgenommen. Kein ungefährliches Unterfangen.

„Schutzwesten kannten wir damals nicht und es gab auch noch kein SEK.“ Nachdem die vier Polizisten mit Fabeyer im Präsidium am Königstor eingetroffen waren, hätten sie ihn noch mal mit dem Steckbrief verglichen. Kurze Zeit später habe sich auch Polizeipräsident Hans Krollmann für den professionellen Einsatz bedankt. Ansonsten sei damals kein großer Wirbel gemacht worden, sagt Schmidt. „Wir waren nicht mal auf den Festnahme-Fotos mit Fabeyer zu sehen.“ Die wurden für die Presse mit Beamten des 1. Reviers später nachgestellt.

Hintergrund: Der Fall Bruno Fabeyer

Bruno Fabeyer, Jahrgang 1926, kam aus Niedersachsen. In den 1960er-Jahren sorgte er als damals meistgesuchter Krimineller Deutschlands für Aufregung. Immer wieder gelang es dem seinerzeit knapp 40 Jahre alten Mann, der „wie ein Gespenst in Wäldern lebte“, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Er wurde gesucht, weil er einen Postbeamten niedergeschossen und 1966 einen Polizisten getötet hatte.

Über 200 Beamte wurden an drei verschiedenen Orten rund um das Fabeyer’sche Operationsfeld in Bereitschaft gehalten und bis zu ihrer psychischen und physischen Erschöpfung eingesetzt. Täglich gingen mehrere Hundert Hinweise auf den Gesuchten ein. Erst ein Jahr später, im Februar 1967, wurde Fabeyer in Kassel festgenommen. Fabeyer verbüßte eine lebenslange Haftstrafe und starb 1999 in einem Altenheim in Bad Orb. (dpa/use)

* Name von der Redaktion geändert

Rubriklistenbild: © dpa

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