31-jähriger hat sich selbstständig gemacht

Vom Picasso bis zur Salami: Kasseler arbeitet als Restaurator

Bei der Arbeit: Jonathan Debik in seinem Atelier am Kirchweg. Er arbeitet derzeit an einem Ölgemälde eines Privatsammlers. Foto: Ludwig

Kassel. Vom Picasso bis zur eingeschweißten Salamischeibe reichen die Kunstwerke, die Jonathan Debik schon in den Händen hielt.

Der 31-jährige Kasseler hat sich vor drei Monaten als Restaurator für Gemälde und moderne Kunst selbstständig gemacht. Er erzählt von seiner Arbeit, die dann besonders gut ist, wenn niemand sie wahrnimmt.

Das war nicht immer so. Die Berufsauffassung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten völlig verändert, erzählt Debik. Wenn früher etwa auf einem Gemälde ein Gesicht nicht mehr zu erkennen war, sei es vom Restaurator neu gestaltet worden – selbst wenn es keine fotografische Vorlage gab. Unter der UV-Lampe werden solche nachträglichen Eingriffe sichtbar. Heutzutage mische sich der Restaurator so wenig wie möglich in die Arbeit des Künstlers ein.

Debik hat sein Können an der Akademie der Bildenden Künste in Wien gelernt. Er stammt aber aus Kassel. wo er nach seinem Fachabitur an der Walter-Hecker-Schule zunächst an der hiesigen Kunsthochschule studierte. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass mich vor allem die technische Seite der Kunst interessiert.“ Also beschloss er, Restaurator zu werden.

Heutige Restauratoren haben aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt. Um Leinwände zu stabilisieren, wurde früher einfach eine zweite Leinwand mit Wachsharz und einem Bügeleisen auf der Rückseite befestigt. „Das war damals gut gemeint, lässt sich heute aber nur schwer rückgängig machen“, erzählt Debik. Um der nächsten Generation der Restauratoren nicht ähnliche Probleme zu hinterlassen, gilt heute das Credo: Jede Arbeit sollte so ausgeführt werden, dass sie rückgängig gemacht werden kann, sobald bessere Techniken der Restaurierung erfunden sind.

Debiks Arbeit beschränkt sich nicht auf Gemälde, einen Schwerpunkt hat er in der modernen Kunst. So sorgt er auch für den Erhalt von Kunststoffobjekten und Installationen.

Praktische Erfahrungen sammelte er zuletzt in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, wo er teils millionenteure Picassos umzugsfertig machte und im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, wo er es unter anderem mit einer viele Jahrzehnte alten eingeschweißten Salamischeibe zu tun bekam. „Die Salami war verschimmelt, aber das war Teil des Kunstwerks.“ Debiks Aufgabe war es nicht, eine neue Salami einzuschweißen, sondern für eine Lagerung zu sorgen, die den Erhalt sichert.

Spannend findet der 31-Jährige auch das detektivische an seinem Beruf. So entdeckt er an Rahmen immer wieder alte Galeriezettel und Stempel und mithilfe von Infrarotkameras werden oft Bilder sichtbar, die von dem eigentlichen Gemälde übermalt wurden.

Debik nimmt Aufträge von Privatsammlern an, aber ist auch mit der Museumslandschaft Hessen Kassel im Gespräch. Restaurationen können je nach Aufwand mal nur 100 Euro, aber auch mehrere Tausend Euro kosten.

 

Mehr Informationen: www.debik-restaurierung.de

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