Schwester Ildefonsa berichtet aus dem Ordensleben

Seit 50 Jahren Vinzentinerin: Ein Leben für den Orden

Ort der Einkehr: Schwester Ildefonsa in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses. Sie lebt und arbeitet seit 14 Jahren in der katholische Klinik die zum Vinzenz-Verbund Hildesheim gehört. Foto:  Fischer

Kassel. Vor einem halben Jahrhundert entschloss sich die Vinzentinerin Schwester Ildefonsa für ein Ordensleben, das sie vor 14 Jahren an das Kasseler Elisabeth-Krankenhaus führte.

Ein verblichenes Zeitungsbild erinnert an den Tag vor 50 Jahren, als Hildegard Goczok ihr Ordensgelübde ablegte, den schwarzen Schleier der Vinzentinerinnen erhielt und den Namen Schwester Ildefonsa annahm. Ihre Jubiläumstag erlebt die inzwischen 71-Jährige mit ähnlich freudigem Herzklopfen. Denn ihre „Goldene Ordensprofess“ als barmherzige Schwester wird sie am Elisabeth-Krankenhaus mit Ordensschwestern, ihrer Familie, Krankenhausmitarbeitern und Wegbegleitern feiern.

Besonders glücklich ist sie darüber, dass sie mit allen sechs Schwestern, die 1966 im Hildesheimer Mutterhaus dem Orden beitraten, über all die Jahre verbunden geblieben ist. „Man ist nicht von heute auf morgen eine Ordensfrau“, schildert sie ihren Weg. So musste auch sie sich in das Gebetsleben und die Meditation hineinfinden. „Der liebe Gott hat uns nicht als Priester oder Ordensfrau geboren. Wir sind ihm mit all unseren Fehlern, Schwächen und Gefühlen gefolgt“, sagt sie.

Dabei habe ihr das Leben in der Gemeinschaft stets sehr viel bedeutet. Am Elisabeth-Krankenhaus, wo sie seit 14 Jahren lebt und arbeitet, ist dies eine kleine Gemeinschaft aus drei Schwestern. Sie wohnen in einer Wohnung im Neubau des Krankenhauses. Jede Schwester hat ein eigenes Zimmer, und einen Gemeinschaftsraum benutzen sie zum Beispiel, um abends gemeinsam fernzusehen oder Gäste zu empfangen. Ihr Tag beginnt mit dem Morgengebet um 6.45 Uhr in der Kapelle des einstigen Klosters auf dem Weinberg. Auch die Mahlzeiten nehmen die Ordensfrauen gemeinsam ein, und täglich besuchen sie einen Gottesdienst.

Das Mobiltelefon hat Schwester Ildefonsa dabei stets in Reichweite. Es kommt auch häufig vor, dass sie nachts zu schwerkranken Menschen und auch Angehörigen gerufen wird, die ihren Beistand brauchen. Vielen Patienten, die sie mitunter schon seit Jahren kennt und die sie zum Beispiel während der Krebstherapie begleitet, fühle sie sich besonders verbunden. „Dann werde ich beim Vaterunser schon zittrig in der Stimme“, sagt sie.

Auch wenn ihr ihre Aufgabe, zu der auch die Begleitung von Sterbenden gehört, viel Kraft abverlangt, so gibt sie ihr doch auch viel. „Es ist schön für mich, wenn ich in einer schweren Stunde Hilfe und Trost spenden konnte“, sagt sie.

Doch es bedrückt sie, dass ihre Ordensfamilie immer kleiner wird. „Vieles hat sich gewandelt“, beobachtet sie auch mit Sorge Ereignisse in der Welt und Entwicklungen in der Gesellschaft . „Der liebe Gott hat uns ein Gewissen gegeben, das wir auch gebrauchen sollten“, mahnt sie. Die gelernte Krankenschwester ist aber auch dankbar für die immensen Fortschritte in der Medizin und Pflege. Denn hier geht es darum, für Menschen da zu sein und ihnen zu helfen. Und das ist auch Schwester Ildefonsas Berufung. „Dann merke ich, dass ich am richtigen Platz bin.“

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