Senior-Experten-Service: Ehrenamtlich ins In- und Ausland

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Vom deutschen Bäckermeister lernen: Hubertus Erner hat jungen Frauen in Usbekistan das Backen beigebracht.

Kassel. Bäckermeister Hubertus Erner hat jungen Frauen in Usbekistan beigebracht, wie man Croissants, Kuchen und Baguette und andere Teigwaren backt.

Kauffrau Heidi Schreiber begleitet Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Berufswelt und hilft Flüchtlingsmädchen bei der Integration. Und Elektro-Diplomingenieur Helmut Metz kümmert sich um Ausbildungsabbrecher.

Helfen im Auftrag des SES (von links): Helmut Metz, Heidi Schreiber und Hubertus Erner. Foto: Fischer

So unterschiedlich die ehrenamtlichen Tätigkeiten der drei Unruheständler auch sein mögen, so haben sie doch eine große Gemeinsamkeit. Sie sind im Auftrag des Senior-Experten-Service (SES / siehe auch Hintergrund), einem global tätigen Zusammenschluss von ehemaligen Entscheidern unterwegs, der mit Expertise und guten Kontakten weltweit Hilfe zur Selbsthilfe leistet und im Inland Schülern beim Berufseinstieg hilft.

Vier Wochen war Erner in einem Vorort von Fergana, eine Stadt im Osten Usbekistans, etwa so groß wie Kassel. Und schon am ersten Tag „wäre ich am liebsten abgereist“, schildert der 63-Jährige seinen ersten Eindruck. Zwei alte Backöfen, eine chinesische Rührmaschine, sonst nichts. Von Zutaten wie Zucker, Sahne und anderen Dinge für die Herstellung von Süßgebäck ganz zu schweigen. Denn die jungen Betreiberinnen konnten bis dahin nur eine Sorte Brot backen.

Das sollte sich in den folgenden Wochen ändern. Mit großer Wissbegier und Motivation hätten die Bäckerinnen alles aufgesogen und schnell gelernt, sagt Erner, der sofort Familienanschluss gefunden hat. „Es waren auch menschlich die beeindruckendsten Wochen meines Lebens“, bilanziert der Witzenhäuser seinen ersten SES-Auslandseinsatz.

Die Kosten dieser Projekte tragen in der Regel die Betriebe, denen geholfen wird. Ist kein Geld da, was in Afrika häufig der Fall ist, gibt es Geld aus dem Entwicklungshilfe-Etat. Die ehrenamtlichen Experten arbeiten unentgeltlich. Die Einsatze werden zentral vom SES in Bonn gesteuert, der für jedes Projekt passgenau den Helfer sucht und alles koordiniert. In seiner Kartei befinden sich 12 000 Fachleute aus 500 Branchen.

Weniger abenteuerlich, aber deshalb nicht minder wichtig gestaltet sich die ehrenamtliche Arbeit von Heidi Schreiber. Die 71-Jährige geht in die Schulen und hilft Jugendlichen bei der Suche nach Ausbildungsstellen, macht Bewerbungstrainings mit ihnen, gibt Nachhilfe und Orientierung. „Die Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrern ist mittlerweile hervorragend“, sagt sie und bittet Interessierte, sich dem SES bei dieser Arbeit anzuschließen.

Strahlenschutzexperte Helmut Metz kümmert sich unterdessen um Ausbildungsabbrecher. Er analysiert zunächst, wo die Probleme liegen: daheim, am Ausbildungsplatz oder sonstwo. Dann versucht der 68-Jährige, sie gemeinsam mit dem Betroffenen, Betrieb und Elternhaus zu lösen. Das ist ihm schon mehrfach gelungen. In seinem letzten Fall hat am Ende nur der Wechsel von Betrieb und Ausbildungsberuf geholfen. „Es macht Spaß zu helfen“, sagt er.

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