Museum für Sepulkralkultur ist marode: Trägerverein hofft auf Fördergeld

Weist auf den erheblichen Sanierungsbedarf hin: Der kommissarische Leiter Gerold Eppler vor dem Sepulkralmuseum am Weinberg. Der von außen an die Glasfronten angebrachte Sonnenschutz ist durch die Witterung zerstört worden. Unter anderem soll er bei einer Sanierung am Museumsbau und an der Remise der ehemaligen Henschel-Villa (die gelben Gebäude links) ersetzt werden. Fotos: Fischer

Kassel. Das Museum für Sepulkralkultur strebt eine bauliche und inhaltliche Erneuerung an. Die bundesweit einmalige Einrichtung, die 1992 in Kassel eröffnet wurde und sich dem Sterben, Tod und Gedenken widmet, hat erheblichen Sanierungsbedarf.

Die Kosten für das Haus auf dem Weinberg schätzt die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD) als Trägerverein auf 1,4 Millionen Euro.

Probleme bereiten etwa eindringendes Wasser, mangelnder Sonnenschutz und eine Leichtbetonbauweise, die nicht mehr energetischen Standards entspricht. „Über die Jahre hinweg sind immer mehr Dinge aufgelaufen“, sagt Gerold Eppler, der kommissarische Museumsleiter. Der Verein könne keine Rückstellungen bilden. Um die Sanierung anzugehen, habe man nun die Gelegenheit genutzt und sie mit der Stadt zur Förderung durch ein Bundesprogramm angemeldet. Eppler: „Wenn wir das Geld bekommen, werden wir bereits 2016 loslegen. Alles hängt aber von diesem Programm ab.“

Für Programm angemeldet 

Besagtes Programm stellt zur Sanierung kommunaler Einrichtungen bundesweit 100 Millionen Euro zur Verfügung. Wie berichtet, beantragt die Stadt das Sepulkralmuseum als eines von vier Kasseler Projekten. Mit einem einstimmigen Beschluss haben die Stadtverordneten jetzt zugesichert, dass ein Vorhaben - sollte die Zuwendung bewilligt werden - tatsächlich auch umgesetzt wird.

Die Projekte wählt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus. Die Entscheidung, was gefördert wird, soll im Januar/Februar fallen. Der Förderanteil liegt bei Kommunen mit Haushaltsnotlage, wie das unter dem Schuldenschutzschirm stehende Kassel, bei 90 Prozent.

„Die Förderung wäre der Startschuss für die gewünschte Neukonzeption des Hauses“, betont Gerold Eppler. Damit könne man 2016 in die Planungsphase eintreten und den Bau beginnen. 2017/18 könne dann die eigentliche Bauphase erfolgen. „Das wäre der Hammer“, meint der Steinmetz und Kunstpädagoge. Denn 2017 - im documenta-Jahr - feiere das Sepulkralmuseum 25-jähriges Bestehen.

Ideen gibt es bereits 

Mit der baulichen soll die museumspädagogische Erneuerung angegangen werden. Ideen zur Überarbeitung der Dauerpräsentation gebe es bereits, berichtet Eppler. Würde die Sanierung gefördert, steige die Chance, Geld für die inhaltliche Erneuerung zu erhalten. Kosten dafür sind in den 1,4 Mio. Euro nicht enthalten.

Die Neuausrichtung des Sepulkralmuseums ist nach Epplers Einschätzung auch deshalb nötig, weil die museale Konkurrenz in Kassel groß ist. Ohne sie könne das Haus mit der benachbarten neuen Grimmwelt und den überarbeiteten Museumseinrichtungen wie die Neue Galerie nicht mehr konkurrieren.

Einziger Wermutstropfen: Wird die Sanierung des Sepulkralmuseums über die Stadt aus dem Bundesprogramm gefördert, hat die Stadt bereits angekündigt, dass ihre jährlichen 40.000 Euro Zuschuss für den Betrieb entfallen.

Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel stellt die Themen Sterben, Tod und Totengedenken in den Mittelpunkt. Damit hat das 1992 auf dem Weinberg eröffnete Haus bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal.

Für das Museum stellte die Stadt damals das Grundstück und die Remise der Henschel-Villa zur Verfügung. Träger des derzeit zehn Mitarbeiter zählenden Sepulkralmuseums ist die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD). Das Gebäude gehört dem Verein.

Der pro Jahr mehr als eine Million Euro teure Museumsbetrieb wird durch den Bund (50 Prozent), das Land Hessen sowie die evangelische und katholische Kirche finanziert. 40.000 Euro pro Jahr steuert die Stadt Kassel dem Museumshaushalt bei.

www.sepulkralmuseum.de

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