Sepulkralmuseum: Neuer Leiter schon wieder weg

Schon wieder Geschichte: Dr. Werner Tschacher während seiner kurzen Leitungstätigkeit im Sepulkralmuseum. Archivfoto: Koch

Kassel. Direktor Werner Tschacher hat das Museum für Sepulkralkultur bereits in der Probezeit verlassen. Sein Stellvertreter Gerold Eppler übernimmt die kommissarische Leitung.

Er wolle sich ganz auf Kassel einlassen, sagte Privatdozent Dr. Werner Tschacher, als er zu Jahresbeginn die Leitung des Museums für Sepulkralkultur übernahm. Es war eine Äußerung mit geringer Halbwertzeit. Der 52-Jährige hat Kassel bereits wieder verlassen.

Tschacher hat innerhalb seiner Probezeit gekündigt - ohne seine Entscheidung zu begründen. „Meine Kündigung hatte ausschließlich persönliche Gründe, die den schnellen Abschied aus Kassel, den ich in dieser Form sehr bedaure, erforderten“, teilte Tschacher per E-Mail mit. Zu diesen Gründen wolle er sich nicht äußern. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, wünsche dem Museum und seinen Mitarbeitern alles Gute und werde Kassel in guter Erinnerung behalten. „Spekulationen über die Ursachen bringen nichts“, findet der stellvertretende Museumsleiter Gerold Eppler. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD) hat den 56-Jährigen bis Jahresende zum kommissarischen Museumsleiter ernannt.

Gerold Eppler

Eppler hatte die Leitungsaufgabe bereits in der Übergangszeit nach dem Abschied des langjährigen Museumsleiters Prof. Dr. Reiner Sörries und vor Tschachers Antritt inne. Ende Januar hatte der „Szenenwechsel“ - so der Titel der Veranstaltung mit hunderten Gästen - stattgefunden. „Für die Einrichtung etwas unglücklich“ nennt Eppler Tschachers überraschend plötzlichen Weggang, nicht nur, weil die Zeit von dessen Einarbeitung verloren sei und weil sein Abschied bei den Geldgebern Irritationen auslöse.

Eppler spricht auch von einer Enttäuschung. Er persönlich habe große Hoffnungen auf Impulse von außen gesetzt - nach vielen Jahren werde man leicht betriebsblind. Tschacher hätte gut ins Museum gepasst, glaubt Eppler, und die größtmögliche Unterstützung aller Mitarbeiter gehabt. Aber die gingen „die Dinge jetzt gemeinsam an“.

Im Museum stehen wichtige Schritte an, bauliche Renovierungen sowie die Überarbeitung der Dauerausstellung. „Wir können nicht das gleiche Programm fahren wie in den Vorjahren“, sagt Eppler, „aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir schnell Tritt fassen.“ Es gelte, das bundesweit einzigartige Museum weiterzuentwickeln: „Zu den Themen demografische Entwicklung und Zuwanderung können wir wichtige Beiträge leisten.“ Der Umgang mit der eigenen Endlichkeit und dem Verlust geliebter Menschen, also mit den Museumsthemen Sterben und Tod, Trauern und Bestatten, sei schließlich eine universale existenzielle Herausforderung.

Er selbst wolle sich nicht vor der Verantwortung drücken, sagt Eppler, sehe aber seine Stärken und Interessen eher in der Museumspädagogik als in der Leitung des Hauses. Zumal Austausch und Zusammenarbeit der Museumspädagogen in Kassel ungewöhnlich kollegial sei.

Tschacher, ist für das Museum abgetaucht. Der Aachener Historiker hatte sich an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) habilitiert und als Kurator am „Centre Charlemagne. Neues Stadtmuseum“ in seiner Heimatstadt gearbeitet. Laut Webseite der Uni Köln ist er am Historischen Institut tätig. „Vom Studium zum Beruf: Berufsfelder für Historiker/innen“ lautet ein Kurs des Akademischen Oberrats für Geschichte in Praxis und Beruf in diesem Sommersemester. Eine weitere Veranstaltung, Beginn mittwochs, 8 Uhr, heißt „PR-Arbeit und Journalismus: zwei Seiten einer Medaille“.

Hintergrund: Vielfältige Aufgaben des Museumsleiters

Die Aufgabe des Leiters des Museums für Sepulkralkultur sei sehr komplex, sagt dessen Vizedirektor Gerold Eppler. Der Direktor ist gleichzeitig Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, die das Museum trägt, und des Zentralinstituts für Sepulkralkultur: „Da kann man schon erschrecken.“ Verwaltung, Forschung, Ausstellungen planen, Veranstaltungen konzipieren, Stellungnahmen zu Gegenwartsfragen abgeben - das Stellenprofil ist vielfältig. Vom Rundgang von Konfirmandengruppen bis zur Fachtagung für Bestatter oder Friedhofsverwaltungen reicht die Bandbreite. Und „Sepulkralkultur“ könne man als eigenes Fach nicht studieren, in dieses Geschichtsepochen übergreifende Thema mit vielen Facetten wachse man erst hinein.

Bezuschusst wird das 1992 gegründete Museum durch die Staatsministerin für Kultur beim Bund, Land Hessen und Stadt Kassel sowie die beiden großen Kirchen: durch den Verband der deutschen Diözesen und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).

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