St. Elisabeth: Passanten hielten Skulptur für Suizidgefährdeten

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Kein Mensch, sondern eine Skulptur: Aus der Nähe gibt es daran keinen Zweifel. Passaten hatten die Figur jedoch für einen lebensmüden Menschen gehalten und die Feuerwehr alarmiert, die Montagfrüh ausrückte.

Kassel. Diese Kunstfigur erregte Aufsehen: Gegen 6.20 Uhr hatte ein besorgter Anrufer am Montagmorgen die Kasseler Feuerwehr über eine Beobachtung an der Elisabethkirche informiert. Vom Turm des katholischen Gotteshauses am Friedrichsplatz wolle sich offenbar eine Person in die Tiefe stürzen.

Mit einem 18-köpfigen Löschzug rückte die Feuerwehr aus, konnte aber schnell Entwarnung geben. Hinter der vermeintlich suizidgefährdeten Person verbirgt sich eine Kunst-Skulptur. Geschaffen hat diese der Bildhauer Stephan Balkenhol, der vom 3. Juni bis 18. September neue und bestehende Werke im Kirchenraum von Sankt Elisabeth ausstellen wird. Es handelt sich dabei nicht um ein documenta-Kunstwerk.

Dass die Ausstellung nun schon vor ihrer Eröffnung für Aufsehen sorgt, erstaunt den in Fritzlar geborenen, international bekannten Künstler. Man habe nicht damit gerechnet, dass Passanten und Autofahrer die Figur für lebensecht halten könnten. „Wir haben sie beim Aufbau ja immer nur aus der Nähe gesehen“, sagt Projektleiter Christoph Baumanns.

Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch hatte kritisiert, dass sich Einsätze von Rettungskräften vermeiden ließen, wären Polizei und Feuerwehr schon vorab über das Projekt informiert worden. Bereits am Freitagabend wurde das Kunstwerk aus bemaltem Aluminium – es zeigt eine männliche, etwa zwei Meter große Figur, die mit ausgebreiteten Armen auf einer goldenen Kugel steht – auf dem etwa 30 Meter hohen Kirchturm installiert. Dafür war zuvor ein Gerüst angebracht worden. Der Turm sei grundsätzlich aber nicht begehbar, stellt Pfarrer Peter Bulowski von der Katholische Pfarrgemeinde Sankt Elisabeth klar.

Bereits zum dritten Mal nutze man den Zeitraum der documenta, um Kunst in und am Kirchenraum zu zeigen und dadurch Kunst und Kirche zusammenzubringen. Zum ersten Mal bespiele man nun auch den hohen Glockenturm mit einer Außenskulptur – die leere Fläche sei quasi eine Einladung gewesen, sagt Balkenhol. Die Skulptur habe nicht nur für Aufsehen gesorgt, sondern biete nun Raum für Gedankenspiele: Kreuzesform, Weltkugel, einladende Geste – zählt Pfarrer Bulowski als persönliche Assoziationen auf. Künstler Balkenhol will nicht weiter ins Detail gehen: „Sie soll ein Geheimnis haben“, sagt er über seine Figur. Zumindest das über Herkunft und Kontext ist nun gelüftet.

Die Ausstellung eröffnet am 3. Juni, 16 Uhr. Öffnungszeiten: 4. Juni bis 18. September, Montag bis Samstag von 11 bis 20 Uhr, sonntags 12 bis 20 Uhr; Eintritt frei. Führungen: mittwochs und samstags: 16.30 Uhr, sonntags: 15 Uhr und nach Vereinbarung:  Tel. 0561/16746

Mehr auf www.katholische-kirche-kassel.de/stephan_balkenhol

Von Anja Berens

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