Solartechnik-Hersteller stellt sich auf Konsolidierung der Branche ein

Weiterer Kostendruck erwartet: SMA sieht sich für den Umbruch gerüstet

Versand: Carsten Muschack bereitet einen Wechselrichter auf dessen Reise vor. Bislang produziert SMA nur auf Bestellung. Foto: Fischer

Kassel. Die Solarbranche ist weltweit im Umbruch - mal wieder. SMA-Vorstandsprecher Pierre-Pascal Urbon ist trotzdem gelassen. Das hat verschiedene Gründe.

Nachdem die Chinesen vor Jahren den Markt für Solarmodule mit staatlich gestützten Dumping-Preisen aufmischten und mit Ausnahme von Solarworld alle deutschen Hersteller in den Ruin trieben, schicken sie sich nun an, die Märkte mit Billig-Wechselrichtern zu fluten. Die Folge: ein enormer Preisdruck bei den technologischen Herzstücken einer jeder Solaranlage.

Pierre-Pascal Urbon

Obwohl SMA-Vorstandsprecher Pierre-Pascal Urbon für 2017 „einen sich weiter verstärkenden Preisdruck“ erwartet, ist er gelassen. Das hat drei Gründe: SMA ist Technologieführer und hat eine Reihe von Neuheiten in der Pipeline. Die neue Wechselrichter-Generation aus Niestetal lässt sich aufgrund ihres intelligenten Aufbaus und modernen Produktionsmethoden auch im Hochlohnland deutlich kostengünstiger herstellen als die Generation davor. Und drittens: SMA hat 294,1 (Vorquartal: 285,6) Millionen Euro in der Kriegskasse - für Zukäufe im Rahmen der erwarteten Konsolidierung der Branche oder zur Überbrückung von Durststrecken.

Am Ende kann Urbon dem derzeitigen Kostendruck sogar etwas Gutes abgewinnen. „Der Preisdruck wird dafür sorgen, dass Solarstrom noch vor Ende dieses Jahrzehnts auf dem Kostenniveau von Windstrom an Land erzeugt werden kann. Damit entstehen völlig neue Wachstumsperspektiven“, sagte er im Gespräch mit der HNA - und prognostiziert absehbar „viele Insolvenzen in der Branche. „Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Entwicklung hervorgehen“.

Die beschlossene Schließung des Werks in Denver bedeutet seinen Angaben zufolge aber keineswegs einen Rückzug aus dem boomenden US-Markt. Die Aufgabe der Produktion geht einher mit der Stärkung von Vertrieb und Service, die im kalifornischen Rocklin angesiedelt sind. Hier soll personell aufgerüstet werden, um sich auch künftig ein großes Stück Kuchen auf dem weltweit größten Solartechnikmarkt Markt zu sichern.

SMA macht rund 50 Prozent seine Umsatzes in Nordamerika. Künftig wird dieser wichtige Markt von Kassel und Niestetal aus bedient. Durch die bessere Auslastung sinken die Kosten je Wechselrichter, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit steigt. 15 Prozent Kostenreduktion werden durch diesen Schritt erwartet. Nennenswerte Investitionen seien nicht notwendig, die Kapazitäten seien am Firmensitz vorhanden.

Der deutscher Markt spielt derzeit eine untergeordnete Rolle. Nur knapp neun Prozent des Umsatzes macht SMA hierzulande.

Wie berichtet, hat SMA in den vergangenen 18 Monaten fast 1100 damals 3100 Vollzeitstellen im Inland sozialverträglich abgebaut. Die Betroffenen erhielten zum Teil hohe Abfindungszahlungen. Zurzeit beschäftigt SMA weltweit fast 3300 Mitarbeiter, davon gut 2000 in Kassel und Niestetal.

Hintergrund:

Hauptgeschäftsfeld von SMA ist die Produktion von Wechselrichtern, die in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln. Die Niestetaler stellen sie in allen Größen her, vom kleinen Gerät für die klassische Hausdachanlage über mittlere Richter für gewerbliche Zwecke und große für solare Kraftwerke.

Außerdem bietet SMA Komplettlösungen für daheim an, also Anlagen mit integrierter Speicherbatterie und intelligentem Energiemangement, mit dem möglichst viel vom erzeugten Strom selbst verbraucht wird, weil hierbei die Förderung höher ausfällt.

Außerdem stellt SMA Hybrid-Kraftwerke für Inseln sowie entlegene Regionen her, bei denen beispielweie Solarenergie, leistungsstarke Batterien und Dieselaggregate intelligent mit einander kombiniert werden.

Die kleine Bahntechniksparte soll verkauft werden.

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