Vom Sarg bis zur Urne

Am Ende bleiben drei Kilo Asche: So funktioniert das Kasseler Krematorium

Kassel. In Kassel gibt es seit 90 Jahren ein Krematorium. Seither wurden 100.000 Einäscherungen vorgenommen. Wir haben uns erklären lassen, wie die Anlage funktioniert.

Als die metallene Tür sich öffnet, schlägt ein Hitzeschwall in den Vorraum des Krematoriums. Zügig wird der Sarg nun von der metallenen Transportschiene in den Verbrennungsofen geschoben. Die Klappe schließt sich. Der Mensch hat das Leben verlassen, nun verschwindet auch sein Körper. Was davon bleibt, ein paar Stunden später, sind etwa drei Kilogramm feine Asche.

Die Leichenhalle

Der letzte Weg ist kurz. Die Leichenhalle liegt direkt neben dem Krematorium. Dort werden die Verstorbenen bis zu ihrer Feuerbestattung aufbewahrt. Ist es so weit, wird der Sarg über einen unterirdischen Gang in den Ofenvorraum gebracht. Bevor ein Leichnam eingeäschert werden kann, ist übrigens eine zweite Leichenschau vorgeschrieben. Die Todesursache – die direkt nach dem Tod in der Regel der Hausarzt oder ein Klinikarzt festgestellt hat – muss nochmals überprüft werden. Denn Spuren eines Verbrechens würden bei der Verbrennung ebenfalls vernichtet.

Der Ofenvorraum

Sarg muss sein: Auch wer sich für Urnenbestattung entscheidet, wird im Sarg verbrannt. Fotos: Rudolph

Im Krematorium ist der Ofenvorraum zugleich als Abschiedsraum gestaltet. Manchmal möchten Angehörige dabei sein, wenn der Sarg in die Brennkammer einfährt. Auf jeden Sarg wird ein feuerfester Schamottstein gelegt, in den eine Nummer eingraviert ist. Er bleibt in der Asche, sodass die Überreste jederzeit dem Verstorbenen zugeordnet werden können.

Die Brennräume

Der mit Gas beheizte Ofen besteht aus drei übereinanderliegenden Brennräumen. In den beiden oberen herrschen 700 bis 850 Grad. Wenn der Sarg einfährt, wird Luft zugegeben, sodass sich das Holz selbst entzündet. Der Sarg ist auf mehreren Steinen abgestellt, die verbrannten Überreste rieseln von dort auf eine Drehplatte. Nach etwa einer Stunde wird sie geöffnet, und die Überreste fallen in die darunterliegende zweitem kleinere Brennkammer. „Dadurch wird auch Energie gespart“, sagt Jochen Hupfeld, technischer Leiter des Krematoriums.

Oben kann nun ein neuer Sarg eingestellt werden. In der zweiten Kammer wird die Mineralisierung fortgesetzt, also der Abbau von Organischen zu anorganischen Stoffen. Nach etwa einer weiteren Stunde wird erneut eine Drehplatte unter der Kammer geöffnet und die Überreste fallen im dritten Brennraum in eine Auskühlwanne.

Die Überreste

Die Asche: Nach der Verbrennnung bleiben noch Knochenreste. Die Asche wird daher gemahlen, bevor sie in die Une kommt

Durch eine Klappe wird die Wanne mit der Asche entnommen. Darin sind noch größere Knochenteile zu erkennen. Metallische Rückstände und Implantate wie künstliche Gelenke, die den Brennvorgang überstanden haben, sortiert ein Krematoriumsmitarbeiter von Hand aus. Der Rest der Asche wird in eine Aschemühle gegeben. Die Maschine zermahlt die Knochenfragmente zu feinem Staub.

Die Urne

Die Asche wird in die Urne, genauer gesagt die Aschekapsel gegeben. Diese wird mit einem metallenen Deckel versiegelt, in den Name und Geburts-, Todes- und Einäscherungsdatum graviert sind. Sie kann nun zum Friedhof gebracht werden, wo der Tote bestattet werden soll. Meist wird die schlichte schwarze Aschekapsel dafür noch in eine Schmuckurne gesteckt.

Die Energie

Zum Heizen des Krematoriums wird viel Energie gebraucht. Die Strom- und Gasrechnung für die Anlage beträgt fast 9000 Euro pro Monat. Die beim Verbrennungsvorgang freigesetzte Energie lässt man aber nicht verpuffen. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme des Rauchgases genutzt, um Wasser zu erhitzen. Das wird in den Heizungskreislauf der Friedhofsgebäude eingebracht.

Die Abgase

Die Abgase werden, bevor sie aus dem hohen Schornstein austreten, über spezielle Filter von Schadstoffen gereinigt. Unter anderem entstehen bei der Verbrennung Quecksilberdämpfe: Das kommt von den Amalganfüllungen der Toten. Durch den Wandel der Zahnmedizin, die heute auf Kunststoff und Keramik setzt, wird sich dieses Problem aber bald erledigt haben.

Führungen im Krematorium nach Vereinbarung: Tel. 0561/98 39 557.

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